Wilde Trauerorte am Straßenrand – Gesprächsrunde in Lohma

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Blick auf die Kirche in Lohma, die eine neue Fassade benötigt.

Blick auf die Kirche in Lohma, die eine neue Fassade benötigt.

Foto: Jana Borath

Nöbdenitz.  Die Veranstaltung findet im Rahmen einer Ausstellung in der Lohmaer Kirche statt.

Die Kirchgemeinde Nöbdenitz, der Freundeskreis Kirche Lohma und die Kultur- und Bildungswerkstatt laden am heutigen Sonnabend, 14. Mai, im Rahmen der Ausstellung „Was bleibt“ zu einer weiteren Begleitveranstaltung ein. Philipp Bursian erzählt von den Geschichten hinter den Straßenkreuzen. Die Veranstaltung, die von Frank Hiddemann eröffnet und moderiert wird, beginnt um 18 Uhr.

Geschichten hinter Straßenkreuzen

Philipp Bursian war sechs Jahre alt, als er zum ersten Mal vor einem Straßenkreuz stand. Der Eindruck ging tief, und diese wilden Trauerorte am Straßenrand ließen ihn nicht mehr los.

Er begann, nach den Menschen und ihren Angehörigen zu suchen, die mit dem Kreuz verbunden waren und sprach mit den Familien. Inzwischen nimmt er auch Kontakt zu Familien auf, die einen Menschen verloren haben. Er recherchiert die Angehörigen von Unfallopfern und bietet ihnen seine Hilfe an. Er ist sowohl als Seelsorger tätig als auch als Grabgestalter.

Zusammen mit den Familien entwickelt er Gedenkorte an den Straßenrändern. Auch wenn die Ord-nungsämter viel Mühe darauf verwenden, solche wilden Trauerorte möglichst schnell zu beseitigen, schafft er auf diese Weise Orte, mit denen sich die Trauer der Familie verbinden kann.

Philipp Bursian ist Logistiker. Er ist nicht vom Fach und hat keinerlei finanzielles Interesse an dieser Arbeit. „Wir treffen diesen faszinierenden Menschen und lassen uns von ihm Straßenkreuze zeigen und die Geschichten dahinter erzählen.“

Der Abend ist ein Teil des Projektes „Was bleibt“. Was bleibt von mir, wenn ich nicht mehr bin? Wie möchte ich in Erinnerung bleiben? Was kann und sollte ich regeln? Viele Menschen stellen sich im Laufe ihres Lebens diese und weitere Fragen. Zu diesem Projekt gehört auch die Ausstellung „Was bleibt. Weitergeben. Schenken. Stiften. Vererben“ in der Lohmaer Kirche. Sie ist zu sehen täglich von 10 bis 18 Uhr bis zum 22. Mai.