Da sinken Kundenlaune und der Umsatz – nicht nur in Eisenberg

Eisenberg.  Mit verschärften Corona-Maßnahmen befürchten vor allem Lebensmittelhändler und regionale Produzenten im Saale-Holzland deutliche Umsatzeinbußen

Die Maskenpflicht ist nicht die einzige Einschränkung. (Symbolbild)

Die Maskenpflicht ist nicht die einzige Einschränkung. (Symbolbild)

Foto: Martin Schöne

Vor dem Fleischer- und Bäckereiladen am Eisenberger Markt wartet Anne von Thaler geduldig, den Mund- und Nasenschutz schon vorsorglich vor dem Gesicht. Am Montag hält sich die Wartezeit in Grenzen. Vor dem Wochenende wird die Geduld der Wartenden vor Lebensmittelgeschäften wegen der Corona-bedingten Zugangsbeschränkungen indes deutlich strapaziert. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Die Zahl der Personen, die sich in den Geschäften zeitgleich aufhalten dürfen, ist durch die Corona-Maßnahmen beschränkt. Mit dem 1. Dezember sollen sich die Bedingungen noch zusätzlich verschärfen. Stoßweise bilden sich Warteschlangen vor den Bäckereien im Steinweg und in der Schloßgasse in der Kreisstadt, weil jeweils nur ein Kunde eintreten darf. Am Kleinen Brühl stehen am Sonntag vor der Konditorei die Kunden draußen Schlange, um sich die Leckereien für die Kaffeetafel zu holen.

Das Warten im Kalten mit Mundschutz und bei vielen dazu noch mit beschlagenen Brillengläsern lässt die Kundenlaune sinken. „Dann sollten drinnen wenigstens die Privatgespräche kurz gehalten werden, damit es vorwärts geht“, knurrt ein alteingesessener Eisenberger.

Stammgäste verzichten aufgrund der Warterei auf den Mittagsimbiss

Doch auch die Gewerbetreibenden sind mit den geltenden und sich für Thüringen noch verschärfenden Regelungen nicht glücklich. Vor allem beim Fleischer verzichtet so mancher, der Stammkunde für den Mittagsimbiss ist, sich sein tägliches Essen zu holen wegen der Warterei in der Mittagspause, wenn nur zwei Personen gleichzeitig in den Fleischer- und Bäckerladen dürfen.

„Ausnahmen können wir keine machen“, sagen die Verkäuferinnen. Das Einhalten der Regeln wird kontrolliert. Fälschlicherweise war am Ladensaushang mit den geltenden Zutrittsregeln vorübergehend auf eine Anordnung des Ordnungsamtes verwiesen worden. Das sei so nicht richtig, heißt es auf Nachfrage aus dem Landratsamt. Vielmehr gehe es um das Umsetzen der Thüringer Verordnung, auf die das Kontrollteam des Landratsamtes Geschäftsinhaber im Landkreis bei Kontrollen hinweist.

„Die Regelungen werden in vielen Fällen verantwortungsbewusst umgesetzt, mustergültig etwa in der Agrargenossenschaft Bucha“, benennt das Kontrollteam ein Beispiel. Die Regelung, dass sich im Großhandel „in den Geschäfts- und Betriebsräumen nicht mehr als ein Kunde pro 10 Quadratmeter Verkaufsfläche“ aufhalten darf, gilt in Thüringen seit Inkrafttreten der Sondereindämmungsmaßnahmenverordnung des Landes vom 2. November und ab dem 1. Dezember auch weiterhin.

Händler setzen verstärkt auf Bestell- und Lieferservice

„Die Regeln sind strikt umzusetzen. So sind zum Beispiel bei einer Verkaufsfläche von 25 Quadratmetern auch nur zwei Kunden zugleich erlaubt, erst ab 30 Quadratmetern wären es drei“, heißt es zur Erläuterung aus der Kreisverwaltung.

Wegen der Einschränkungen, die mit dem 1. Dezember mit dem Tragen von Masken vor Läden und auf Parkplätzen weiter verschärft werden, rechnen Eisenberger Händler mit deutlichen Einbußen. „Der Umsatz wird spürbar sinken“, sagt Alexandra Findeis-Ferchau. Sie ist in der Agrargenossenschaft Königshofen, die im Saale-Holzland-Kreis und insbesondere in Eisenberg mehrere Fleischereifilialen betreibt, für die Vermarktung zuständig.

Auch Beate Schorsch hat Sorge, dass die Kunden wegen der Warterei und der verschärften Maskenpflicht wegbleiben. Die Chefin vom Feinkostgeschäft Trendtino rechnet – trotz des anstehenden Festtagsgeschäfts – ebenfalls mit Umsatzeinbußen. Um dem entgegenzusteuern, will sie – wie es viele Händler im ersten Lockdown im Frühjahr taten – verstärkt auf den Bestell- und Lieferservice setzen, konzentriert auf einen Tag in der Woche am Donnerstag. Ein Bestell- und Lieferservice könnte – so Beate Schorsch als Vertreterin der Innenstadtinitiative – von der Händlerschaft in Eisenberg speziell für Senioren eingerichtet werden – als Angebot für die ältere Generation während der „EIS-Weihnacht“.

Auch in der Agrargenossenschaft Königshofen wird über ein Bestell- und Lieferservice nachgedacht. „Viele, vor allem Ältere, trauen sich wegen der Pandemie nicht mehr aus dem Haus. So könnten sie versorgt werden“, sagt Alexandra Findeis-Ferchau. Noch in dieser Woche solle im Vorstand der Agrargenossenschaft dazu beraten und entschieden werden.

Mit Maske oder ohne?