Herzogenaurach. Die EM-Botschafterin spricht über die Turnierpläne. Wichtigstes Thema sind die CO2-Emissionen - und die soziale Nachhaltigkeit.

Es wird keine einfache Anreise für Celia Sasic am Mittwoch zum Fanfest auf der Münchner Theresienwiese. Die Turnierbotschafterin der Heim-Europameisterschaft in Deutschland und frühere Nationalstürmerin hat sich vor einigen Wochen beim Fußballspielen die Achillessehne gerissen. Erst seit Montag kann sie sich wieder ohne Gehhilfe fortbewegen.

Ihr Fortbewegungsmittel in den kommenden Wochen soll hauptsächlich die Deutsche Bahn sein. Doch für den Weg von Koblenz nach München gibt es auch aufgrund der Hochwasserlage kaum eine Direktverbindung. „Ich bin noch am Organisieren, wie ich auf direktem Weg nach München komme. Zumindest kann ich wieder ohne Krücken ins Stadion gehen“, sagte Sasic drei Tage vor dem EM-Auftakt zwischen Deutschland und Schottland im Gespräch mit dieser Redaktion.

Uefa-Präsident Ceferin will das nachhaltigste Turnier ausrichten

Dass die 35-Jährige trotz ihrer Verletzung nur ungern auf die Fahrt mit der Bahn verzichten will, hat vor allem einen Grund: Sasic ist bei der EM für das Thema Nachhaltigkeit verantwortlich. Und Uefa-Präsident Alexander Ceferin hat schon vor drei Jahren angekündigt, dass die EM nicht weniger als das bislang nachhaltigste Turnier der Fußball-Geschichte werden soll. „Das war ein klares Commitment der Uefa. Wir haben das Thema Nachhaltigkeit in seinem Dreiklang in der Organisation des Turniers verankert“, sagt Sasic.

Zuletzt nur auf Krücken unterwegs: Celia Sasic (l., neben Turnierdirektor Philipp Lahm) hat sich vor einigen Wochen die Achillessehne gerissen.
Zuletzt nur auf Krücken unterwegs: Celia Sasic (l., neben Turnierdirektor Philipp Lahm) hat sich vor einigen Wochen die Achillessehne gerissen. © Getty Images for DFB | Maryam Majd

Eine dieser gewichtigen Neuerungen, die sich Sasic zusammen mit Turnierdirektor Philipp Lahm und dem Organisationsteam überlegt haben, ist der sognannte Clusterspielplan. So wurden die Spielorte in der Gruppenphase in die Cluster Nord, Süd, Ost und West eingeteilt. Die Idee: Jede Mannschaft soll sich in der Vorrunde nach Möglichkeit nur in einem Cluster bewegen und die Spielorte in ihrem Bereich nach Möglichkeit mit der Bahn erreichen.

Deutliche Reduzierung der Inlandsflüge

Schon jetzt konnten die CO2-Emissionen im Vergleich zu vergangenen Turnieren deutlich reduziert werden. Ein Beispiel: Bei der bislang letzten EM, die nur in einem Land stattfand, gab es in Frankreich 2016 während der Gruppenphase noch 75 Inlandsflüge der Mannschaften. Diesmal sind es nur 25.

Sasic selbst wird in der Vorrunde an jedem Spieltag an einen anderen Spielort reisen. Nach Möglichkeit mit der Bahn, die den Karteninhabern reduzierte Ticketpreise für 29 Euro anbietet, um zum Spielort zu kommen. Insbesondere das Reiseverhalten der Fans soll durch den Cluster-Spielplan klein gehalten werden.

Uefa gründete einen eigenen Klimafonds

Nicht nur das OK-Team, auch die Uefa hat sich dem Thema Nachhaltigkeit geöffnet. Der Europäische Fußball-Verband rief etwa einen neuen Klimafons ins Leben. Unter dem Motto „United by Football. Together for Nature“ können deutsche Amateurvereine bis zum 30. Juni finanzielle Unterstützung für Klimaschutzprojekte in den Themenfeldern Abfallmanagement, Energie, Wasserverbrauch und Mobilität beantragen. Die Uefa zahlt den für jede Tonne klimaschädliches CO2, die durch die EM-Spiele verursacht wird, 25 Euro in den Fonds ein. Die sieben Millionen Euro fließen direkt in die Verbände. Mehr als 2300 Amateurvereine haben bereits Anträge eingereicht.

Die CO2-Emissionen ist für Sasic das wichtigste Thema im Bereich Umweltschutz. Ihr persönliches Herzensprojekt sind allerdings die Volunteer-Tandems. Unter den rund 16.000 Freiwilligen Helfern können sich dabei Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung zusammentun. Die Idee hatte Sasic nach einem Besuch der Special Olympics in Berlin im vergangenen Jahr. „Wir wollten voneinander lernen. Es soll ein Turnier für alle sein und jeder soll Teil dieses Events sein. Dafür sind die Volunteers ein Paradebeispiel“, sagt Sasic.

Sasic und ihr Ziel der sozialen Nachhaltigkeit

Die WM-Torschützenkönigin von 2015, die ihre aktive Karriere im Alter von 27 Jahren früh beendet hatte, arbeitet seit sechs Jahren an der Organisation des Turniers. Ihr großes Ziel ist es, neben den Umweltschutztthemen auch eine EM auszurichten, die einen langfristigen Effekt auf die soziale und gesellschaftliche Nachhaltigkeit in Deutschland hat. „Die soziale Nachhaltigkeit ist mir besonders wichtig. Die Kraft des Fußballs hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin“, sagt Sasic, die in Bonn geborene Tochter einer Französin und eines Kameruners, die 2009 und 2013 Europameisterin wurde.

DFB-Team: Lesenswerte Stücke zur Nationalmannschaft

Nun will Sasic bei der Männer-EM eine Nationalmannschaft sehen, die die gespaltene Nation wieder nachhaltig einen soll. „Wir wollen eine Truppe sehen, die das Wir in den Vordergrund stellt“, sagt Sasic. „Das Gemeinschaftsgefühl stärkt uns als Zivilgesellschaft. Vielfalt, Integration, Inklusion, Respekt - das sind unsere europäischen Werte, die man im Fußball findet. Das Turnier wird zeigen, was uns als Gesellschaft ausmacht und wie wir leben wollen.“