Der Traum von der Bundesliga

Gera  Interview mit Enrico Rhein. Der Spieletrainer will mit der SG Blue Lions beim Playoff-Turnier am Wochenende in Krefeld den Aufstieg schaffen

Enrico Rhein vor dem Training in der Tinzer Sporthalle.

Foto: Andreas Rabel

Gemeinsam mit vier Schulkameraden begann er einst in Gera mit dem Rollhockey, absolvierte mit 14 sein erstes Spiel bei den Männern, sammelte nach der Wende Erfahrungen in der 1. Bundesliga. Doch mit einer eigenen Mannschaft schaffte er den Sprung ins Oberhaus noch nicht – das soll am Wochenende gelingen.

Die letzten beiden Saisonspiele gegen Schweinfurt und Krefeld gingen verloren, das ist zum einen schlecht, weil die Punkte komplett mit in das Playoff-Turnier genommen werden und zum anderen: Geht der Spielgemeinschaft die Puste aus?

Uns geht ganz sicher nicht die Puste aus. Besser jetzt die beiden Dämpfer als beim Playoff-Turnier am Wochenende. Doch eins haben die beiden Niederlagen schon gezeigt. Wir haben Probleme im Abwehrverhalten und unsere jungen Spieler spüren den Druck, sind schon nervös – das kommt aber auch von ihrer Unerfahrenheit. In den Reihen der Gegner stehen gestandene Spieler, die schon zehn bis 15 Jahre Bundesliga auf dem Buckel haben, die haust du nicht so leicht um.

Macht es einen Unterschied, dass einige Spieler der Schweinfurter Mannschaft im Winter Eishockey spielen?

Abgesehen davon, dass sie sehr routiniert sind nicht. Was sie auf dem Eis veranstalten, geht im Rollhockey nicht. Bei einem Bodycheck würden die Jungs sofort die rote Karte sehen und wären raus. Rollhockey ist von der Regeln her ein körperloses Spiel – wie Basketball auch.

Was nicht heißt, dass es zur Sache geht.

Klar, es gibt Zweikämpfe, es ist Tempo drin.

Da hat sich das Rollhockey schon gewandelt. Nicht zu vergleichen mit ihren Anfängen auf der alten Außenbahn am Stadion der Freundschaft.

Nee. Da hat sich schon einiges getan. Vor meiner Zeit stand einer im Tor, es gab einen Stürmer, zwei räumten hinten ab und dazwischen spielte der Verbinder. Als ich angefangen habe, war die Mannschaft in zwei Stürmer und zwei Verteidiger unterteilt. Heute gibt es diese Unterteilung nicht mehr, alle vier Feldspieler schalten sich in den Angriff ein und alle vier Spieler verteidigen. Rollhockey ist viel schneller geworden, das Spiel stellt höhere Anforderungen an die Taktik, und die Spieler müssen technisch viel besser ausgebildet sein.

Wie kriegen Sie den Spagat hin, als Trainer die Mannschaft taktisch einzustellen, anzuleiten und als Spieler auf dem Feld zu rackern.

Die Rolle als Spielertrainer ist nicht leicht. Auf dem Feld habe ich nicht den Blick aufs Spiel wie es der Trainer von der Bande hat, und ich muss mich ja auf meine Aktionen konzentrieren. Der Spagat gelingt nicht immer.

Und wenn Sie als Spieler mal einen schlechten Tag haben?

Reden wir nicht drüber. Dann muss ich meinen Job als Trainer machen und als Spieler darf ich natürlich nicht den Kopf hängen lassen.

Was hat Sie eigentlich zum Rollhockey gebracht?

Ich war schon immer ziemlich groß und da hat man mich zu den Schwimmern eingeteilt. Aber das war nicht meins, ich hab immer gefroren. Mir war das Wasser in der Halle einfach zu kalt. Und als ein Junge aus meiner Klasse, der bei den Rollhockeyern war, mich mal mitnahm – da war die Entscheidung gefallen. Rollhockey war mein Sport. Anspruchsvoll, schnell und eben ein Mannschaftssport.

Und meist waren Sie ein Führungsspieler.

Ja, ich war fast immer der Kapitän der Mannschaften und habe mit 14 schon bei den Männern mitgemischt.

Und als sich nach der Wende die Möglichkeit ergab, in die Bundesliga zu wechseln, haben Sie zugegriffen.

So ungefähr. Johan van Diejen leitete damals bei uns in Gera einige Trainingseinheiten. Das war schon was anderes, da kamen viele neue Ideen rein und er fragte mich, ob er mal einen Kontakt zu einem Bundesligisten herstellen soll. Das hat er gemacht und ich habe beim RHC Recklinghausen vorgespielt. Zwei Jahre war ich da und hab dann noch einmal zwei Jahre beim SC Bison Calenberg gespielt. Sportlich eine schöne Zeit, doch ich war auch ein Exot, der Mann aus dem Osten. Freitag nach der Arbeit bin ich die vier Stunden ins Ruhrgebiet gefahren, habe am Abend mit der Mannschaft trainiert und am Sonnabend war Bundesliga.

Sie waren aber nicht der erste Geraer in der Bundesliga.

Der erste Feldspieler. Udo Melzer stand in Stuttgart im Tor und hat das auch noch jahrelang bei uns in Gera in der zweiten Bundesliga gemacht.

Und nun wollen Sie mit einer eigenen Mannschaft in die Bundesliga.

Das ist seit Jahren ein Wunsch, ja, ein Traum.

Die Spielgemeinschaft mit Chemnitz ist die Grundlage.

Wir betreiben seit Jahren eine wirklich starke Nachwuchsarbeit, aber bis die Talente oben ankommen, das dauert. Gera und Chemnitz eint ein Problem – es mangelt an Spielern, die bundesligatauglich sind. Zusammen als SG Blue Lions können wir es packen. Im Vertrag steht aber auch, dass es das Ziel ist, dass jeder Verein wieder eine eigene Bundesligamannschaft auf die Beine bekommt. Wie gesagt, das dauert. Im Moment ist es die ideale Lösung und als Blue Lions gehen wir das Abenteuer Bundesliga an.

Wird die Mannschaft im Falle des Aufstiegs – es heißt eigentlich will nur Gera/Chemnitz tatsächlich hoch – auch bundesligatauglich sein.

Ich denke schon. Wir alle wollen den nächsten Schritt gehen. Auch die jungen Spieler, wir haben einige, die in Nachwuchsauswahlteams gespielt haben und es auch noch tun. Wir werden Lehrgeld zahlen, uns aber auch weiter entwickeln. Mit Thomas Köhler, der diese Saison beim RSC Cronenberg in der Bundesliga Erfahrungen sammelte, ist abgesprochen, dass er zu uns zurückkehrt, wenn wir den Aufstieg schaffen. Und vielleicht ergibt sich ja auch noch was, gibt es Anfragen von interessanten Spielern.

Mit 40 sind sie ein erfahrener Spieler, doch ich muss Sie daran erinnern, dass Sie einmal gesagt haben: Es ist erst Schluss, wenn Gustav Rempke und Enrico Rhein gemeinsam in einer Mannschaft spielen.

(Lacht) Das habe ich gesagt und lange dauert es nicht, bis unser großes Talent in der Bundesliga spielt.

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