Mit Kartoffeln und Quark zum Klassenerhalt für den FC Carl Zeiss Jena [mit Videos]

Jena  3. Liga: Das Ernst-Abbe-Sportfeld ist mit 10.600 Zuschauern restlos ausverkauft. Am letzten Spieltag will der FC Carl Zeiss Jena gegen den TSV 1860 München den Klassenerhalt perfekt machen. Und deshalb steht Kapitän René Eckardt wieder am Herd.

René Eckardt setzt gegen den TSV 1860 München natürlich wieder auf die Unterstützung der eigenen Fans. Das Ernst-Abbe-Sportfeld ist mit 10.600 Zuschauern restlos ausverkauft.

René Eckardt setzt gegen den TSV 1860 München natürlich wieder auf die Unterstützung der eigenen Fans. Das Ernst-Abbe-Sportfeld ist mit 10.600 Zuschauern restlos ausverkauft.

Foto: Tino Zippel

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Angefangen habe das alles noch in der Regionalliga. René Eckardt, Maximilian Schlegel und Maximilian Wolfram trafen sich stets am Vorabend des Spieles. „Der Deal war, dass einer so lange die anderen bekochen muss, bis ein Spiel verloren geht. Dann sollte gewechselt werden“, erzählt Eckardt. Er, der Kapitän, begann. „Und wir verloren erst am zehnten oder elften Spieltag. Da haben die Jungs gesagt, dass ich es so gut gemacht hätte und es doch so gut liefe, dass ich doch weiter kochen soll“, sagt er.

An jedem verdammten Freitag in der Küche

An jedem verdammten Freitag also stand er in der Küche. Immer noch. „Heute gibt’s Kartoffeln und Quark“, sagt Eckardt. Das habe es vor dem Sieg gegen Meppen auch gegeben – und ein bisschen Aberglaube schadet nie. Seine Jungs freuen sich schon, berichtet er. Denn: „Quark macht stark“, sagt Eckardt und lacht. Ein letztes Mal sei das notwendig, ein letztes Mal bedarf es einer bärenstarken Leistung, um ein letztes Mal zu gewinnen – am Samstag ab 13.30 Uhr im Ernst-Abbe-Sportfeld gegen den TSV 1860 München.

Man werde gegen die Löwen nicht den Fehler machen, und das Spiel in den ersten 20 Minuten entscheiden wollen. Blindes Anrennen sei die falsche Taktik. „Geht das nämlich nicht auf, tun die verbleibenden 70 Minuten richtig weh“, sagt Lukas Kwasniok, der Trainer des FCC. Er sei stolz auf sein Team, das in den vergangenen Wochen zu einer echten Einheit zusammengewachsen sei. Als einen dicken Pluspunkt sieht er das im Abstiegskampf. „Wir haben begonnen, eine Geschichte zu schreiben – jetzt fehlt nur noch das letzte Kapitel“, sagt der Zeiss-Coach. Er sei eher der Romantiker, der derlei Filme schaue statt Horrorszenarien.

Rosamunde Pilcher statt Stephen King?

Also Rosamunde Pilcher statt Stephen King? Kwasniok lacht. Nein, nein, das sei dann schon zu extrem formuliert. Er sehe sich da lieber in Dokumentationen über Sportler, die eine positive Geschichte schreiben. „Und wir sind überzeigt davon, dass uns nichts aufhalten kann, das Happy End zu schreiben“, sagt er.

Eckardt pflichtet ihm bei, man sei ausschließlich mit dem Sieg beschäftigt, der den Deckel drauf machen würde. „Es wäre wohl schlimmer, wenn man das Spiel gewinnen müsse, um überhaupt eine Chance zu haben – so steht fest: Mit einem Sieg bleiben wir drin“, sagt der Kapitän. Trainer Kwasniok wird fast pathetisch wie einst Al Pacino als Football-Trainer an jedem verdammten Sonntag: „Wir haben so viele Rückschläge gehabt, so viele Hindernisse in den Weg gestellt bekommen. Und dann werden wir eben diesen letzten Schritt als wahres, als ehrliches, als komplettes Team gehen. Und nicht als eine Anhäufung von Individualisten“, sagt er.

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Pacino hat’s weiland so formuliert: „Entweder bestehen wir jetzt als ein Team, oder wir werden untergehen – als Einzelgänger.“ Ja, den Film kenne er; es sei ein tolles Beispiel für die perfekte Motivation. Man selbst ziehe die aus den vergangenen Wochen, in denen man zuerst Fehler eingestanden, sich hernach am Schopf gepackt und aus dem Sumpf gezogen habe. Jetzt sei die Zeit gekommen, um das Wunder zu vollenden. Ach, und: „Man stelle sich vor, wir wären die ganze Zeit um Platz zehn herumgedümpelt. Dann würde uns später wohl nichts an diese schöne Zeit jetzt zurückerinnern“, sagt Kwasniok – und grient.

Ja, und zu der gehören eben auch die Eckardt’schen Kochkünste, die sich inzwischen herumgesprochen haben. Julian Günther-Schmidt sei stets ein regelmäßiger Gast gewesen an diesen Freitagen vor dem Spiel. Auch Logan Rogerson, der Neuseeländer, lässt sich gern bekochen. Und nur seinetwegen gibt es Kartoffeln und Quark, berichtet Eckardt. „Er hat es nicht gekannt. Das mussten wir ändern. Mit Zwiebeln, frischen Kräutern – aber ohne Kümmel!

Morgen, 13.30 Uhr: FC Carl Zeiss Jena - 1860 München

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