Kommentar: Zu hoch gepokert

Jakob Maschke über die Probleme zweier Erfurter Profiteams, ihre Saison zu absolvieren, und zwei zu kurz gedachte Kritikpunkte.

Sportredakteur Jakob Maschke

Sportredakteur Jakob Maschke

Foto: Sebastian Fernschild

Es war eine heiße Diskussion, die sich vor Saisonbeginn der Eishockey-Oberliga Nord unter den 13 teilnehmenden Klubs entspann. Spielt man eine Doppelrunde, mit 48 Hauptrundenspielen für jedes Team, oder doch nur eine anderthalbfache Runde, mit deren 36? Der Verband empfahl Letzteres, um Spielraum für die zu erwartenden, coronabedingten Nachholspiele zu haben. Auch der EHC Erfurt in Person von Vereinspräsident Martin Deutschmann sprach sich, wie fünf weitere Klubs, dafür aus. Doch sieben andere Klubs hielten dagegen. Sie hofften auf die Rückkehr der Zuschauer im März, argumentierten, sie bräuchten die hohe Anzahl der Spiele für ihre Sponsoren. Mit 7:6 setzten sie sich durch.

Aus Sicht der Erfurter muss man jetzt schon sagen: zu hoch gepokert! Für sie wird es immer unwahrscheinlicher, nach zwei Corona-Zwangspausen ihre 48 Spiele absolvieren zu können. Sie haben noch 33 Partien vor sich, das wären etwa vier pro Woche.

Eine Verlängerung der Saison, wie von Außenstehenden immer wieder vorgeschlagen, ist nicht drin. Der Etat ist bei allen so gestrickt, dass er bis April ausreicht, um die Spieler und das Drumherum zu bezahlen, nicht aber bis in den Sommer hinein. Zumal sich dann auch die neue Saison zwangsläufig verschieben würde.

Das gilt für die Black Dragons genauso wie für die Basketball-Löwen. Die hinken ihrem Spielplan, ebenfalls wegen zweier eigener Corona-Zwangspausen sowie gegnerischer positiver Fälle, sogar noch deutlich weiter hinterher als die Drachen, müssen bis Anfang März noch 17 Hauptrundenspiele bestreiten, dann folgen Playoffs oder Playdowns. Auch sie können sich eine Saisonverlängerung schlichtweg nicht leisten. Und einen Abbruch ob ihrer Verpflichtungen den Spielern und Sponsoren gegenüber ebenso wenig.

Womit wir bei einem weiteren, zu kurz gedachten Einwurf des Publikums wären. Warum dürfen die ihren Sport machen, und wir nicht? So die jeden Tag irgendwo zu hörende oder lesende Beschwerde vonseiten der im Lockdown darbenden Bevölkerung.

Klar, auch ich würde gern wieder mit meinen Jungs gegen den Ball treten und es sehr begrüßen, wenn gerade die Kinder und Jugendlichen wieder trainieren dürften. Aber man darf die Freizeitsportler eben nicht mit den Profisportlern vergleichen. Denn Letztere ernähren damit ihre Familien, für unsereins geht es letztlich „nur“ um einen schönen Ausgleich, der dem Körper und der Seele guttut. Und die Drachen, die Löwen und viele andere Profiteams spielen nicht zuletzt auch deshalb, um dem Nachwuchs ihrer Vereine die sportliche Existenz zu sichern.

Insofern sollte man bei diesem Thema, wie eigentlich grundsätzlich, keine voreiligen Schlüsse ziehen.

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