Edelhelferin führt Teamkollegin zum Überraschungssieg bei Thüringen Ladies Tour

Altenburg  Kathrin Hammes gewinnt überraschend die 32. Auflage der Lotto Thüringen Ladies Tour. Kein Happy End gab es hingegen für Radsportlerin Lisa Klein aus Erfurt.

Das Team um Kathrin Hammes feiert seine Gesamtsiegerin.

Das Team um Kathrin Hammes feiert seine Gesamtsiegerin.

Foto: Sascha Fromm

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Nach fast 90 schweißtreibenden Kilometern strahlt Kathrin Hammes auf dem Altenburger Markt mit der Sonne um die Wette. Gerade hat die Kölnerin ihr Gelbes Trikot auf der Schlussetappe der 32. Lotto Thüringen Ladies Tour verteidigt. Und damit ist auch klar: Die 30-Jährige vom Team WNT hat sensationell die Gesamtwertung gewonnen.

„Ich kann es noch gar nicht glauben“, sagt Hammes, die von den Teamkolleginnen kurz auf Händen getragen wird. „Wir haben es durchgezogen.“ Denn eigentlich war sie gar nicht vorgesehen für den Platz an der Sonne, eigentlich ist sie die Wasserträgerin für andere. Aber weil Hammes in der Fluchtgruppe der ersten Etappe in Gera war, die mit einem sechsminütigen Vorsprung das Ziel erreichte, schlüpfte sie in die Führungsrolle. Das Gelbe Trikot, dass sie seit der zweiten Etappe trug, gab sie nicht mehr her.

Thüringen-Rundfahrt endet in Altenburg

„Das war eine tolle Tour, die gezeigt hat, dass auch die Helferinnen richtig etwas drauf haben“, sagt die mehrfache Weltmeisterin Hanka Kupfernagel. Ihr Tour-Sieg liegt mittlerweile schon 20 Jahre zurück und sie freut sich für Außenseiterin Hammes, der das Team nach dem „Ritt von Gera“ das Vertrauen geschenkt hat. „Ja, es war eine Mannschaftsentscheidung, dass ich in die Kapitänsrolle rutsche“, sagt die Gesamt-Siegerin. „Zum Glück hat es am Ende dann auch so gut geklappt.“

Den Tour-Erfolg der besten Bergfahrerin des Vorjahres allein an der starken Teamleistung der Equipe um die zweimalige Siegerin Lisa Brennauer festzumachen, wird ihr aber bei Weitem nicht gerecht. Viel mehr holte sie Gelb mit einem grandiosen sechsten Platz beim Zeitfahren in Meiningen am Sonnabend, wo sie ihren Vorsprung gegenüber der Zweitplatzierten Dänin Pernille Mathiesen verteidigte, nur vier Sekunden einbüßte und auf den sechsten Rang in der Tageswertung kam.

„Das Gelbe Trikot beflügelt eben“, sagte die Tour-Siegerin, die in Altenburg noch einen Gesamtvorsprung auf Mathiesen, die sich mit dem Trikot der besten Nachwuchsfahrerin tröstete, von elf Sekunden und auf die Dritte, Lourdes Jimenez (Spanien), von 1:22 Minuten hatte.

Ganz so problemlos, wie es im Ziel wirkte, war die Schlussetappe für Hammes aber nicht. „Am letzten Berg haben unsere Gegnerinnen noch einmal attackiert. Aber wir haben gut dagegengehalten und das Gelbe Trikot hervorragend verteidigt.“

Eine, die das Rampenlicht mindestens genauso verdient hätte, war die beste Thüringerin – Beate Zanner vom Team maxx-solar Lindig Women CT. Die mittlerweile 36-jährige verteidigte in Altenburg ihren fünften Gesamtrang. Sie hatte wie Hammes der Ausreißergruppe in ihrer Heimatstadt angehört. „Nach Gera habe ich von Etappe zu Etappe gedacht. Ich bin so froh, dass es mit Rang fünf geklappt hat.“ Mit ihrer bisher besten Rundfahrt-Platzierung im Freistaat schlug Zanner den Profi-Rennerin einmal mehr ein Schnippchen. 2014 hatte sie die Etappe in Schmölln gewonnen und mit einem Bad im Stadtbrunnen gefeiert. Wie hart das Leben als Amateur sein kann, belegt folgende Aussage am gestrigen Sonntag von ihr: „Morgen geh ich wieder arbeiten.“ Sie sei zwar „total kaputt“, aber auch glücklich. Da fällt der tägliche Broterwerb schon leichter.

Kein Happy End in Altenburg gab es für Lisa Klein aus Erfurt. Die Etappensiegerin von Gotha, die beim Zeitfahren in Meiningen starke Dritte geworden war, verlor auf der Schlussetappe ihr Sprinttrikot noch an Barbara Guarischi (Italien).

Zweifache Siegerin als Edelhelferin

Den verpassten Etappensieg als Zweite beim Einzelzeitfahren in Meiningen nahm Lisa Brennauer gelassen. „Gegen Ellen van Dijk zu verlieren, ist keine Schande. Von daher bin ich sehr zufrieden“, sagte die gebürtige Kemptenerin, die in den vergangenen beiden Jahren die Ladies Tour gewinnen konnte.

Dass sie als Neunte im Gesamtklassement diesmal nicht ganz vorn mitmischen konnte, lag am großen Vorsprung einer Ausreißergruppe in Gera. „Der war nicht mehr aufzuholen“, sagte Brennauer, die trotzdem sehr glücklich die Rundfahrt beendete. Immerhin führte ihre Teamkollegin von WNT, Kathrin Hammes (Köln), die Gesamtwertung an. „Jetzt werden wir alles daran setzen, dass sie auch gewinnt. Das sollte klappen“, gab sich Brennauer vor der Schlussetappe optimistisch. Dass sie selbst als Rundfahrtfavoritin dabei zur Edelhelferin „degradiert“ wurde, störte die am kommenden Sonnabend 31 Jahre alt Werdende nicht. „Damit komme ich gut klar. Kathrin hat sich das verdient.“ Und am Ende auch dank Brennauer den Gesamtsieg geholt.

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Wie wird Ihnen diese Tour in Erinnerung bleiben?

Vielleicht als die, die mit dem besten Abschneiden unseres Team maxx-solar Lindig geendet hat. Für Beate Zanner und uns ist Rang fünf ein sensationeller Erfolg.

Die Vorentscheidung ist schon auf der ersten Etappe in Gera gefallen.

Ja. Vor der Tour hatte ich keine der Fahrerinnen, die gewonnen haben, als Favoritin genannt. Da kann man sehen, was möglich ist. Alle haben geträumt und wir waren mit Beate endlich einmal dabei.

Was sagen Sie zum organisatorischen Teil?

Wir sind sehr zufrieden. Ein bisschen Leid haben mir die Geraer wegen des Regens getan. Die sind immer so emsig und haben jedes Mal mit dem Wetter Pech. Alles andere lief super. Klar gibt es auch mal Kritik, aber da ist normal. Wir können nicht alles zu 200 Prozent kalkulieren.

Es ist Ihre zehnte Rundfahrt als Tourdirektorin. Können Sie sich noch für die elfte Auflage motivieren?

Ja schon. Die Sponsoren stehen hinter uns, jetzt laufen bereits die Planungen für 2020.

Was sagen Sie zur Lage des Radsports im Freistaat im Allgemeinen?

Wir sind in einem Tief und ich spüre nicht, dass wir da rauskommen. Das lässt mich manchmal verzweifeln. International ist viel Bewegung. Da bekommt man Angst, ob man weiter Schritt halten kann.

Was müsste passieren, damit es wieder besser wird?

Wir brauchen Livestream, wir brauchen bewegte Bilder, auf die man weltweit Zugriff hat. Wenn wir das nicht endlich schaffen, werden wir international überrannt.

Zum Kommentar: Werbung für den Radsport

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