Gera. Jens Heppner organisiert Etappenfahrt durch die Region. Im Begleitfahrzeug sitzt Gunter Schwarz – seit den Tagen bei der SG Wismut Gera sind sie dicke Freunde

Eins macht er in den nächsten Tagen bestimmt nicht mehr – auf eine der Wetter-Apps lunsen. „Da wirst du verrückt und stündlich ändert sich was“, sagt Jens Heppner und schmunzelt. Ins Wasser fallen wird die Radreise auf den Spuren der DDR-Radamateure natürlich nicht. Nur ungemütlich kann es werden für die 16 Teilnehmer, die sich vom 1. bis 9. Juni auf die sieben Etappen begeben.

Für Jens Heppner ist die Radreise eine Reise in die eigene Vergangenheit

Für Jens Heppner ist die Tour durch den Osten Deutschlands Neuland und auch wiederum nicht. Der 59 Jahre alte frühere Top-Renner organisiert seit Jahren Radreisen auf Mallorca und in Südafrika, reiste letztens nach Albanien, um zu sondieren, ob und wie es möglich sein könnte, im „Land der Adler“ auch Radreisen zu veranstalten. Den Osten Deutschlands hatte der gebürtige Geraer für seine Events gar nicht auf dem Schirm. Doch als er seine Schwiegereltern besuchte, fiel ihm auf, „es ist alles schön geworden. Ja, und die Erinnerungen an meine Kindheit und die Anfänge im Radsport, die waren auf einen Schlag wieder da“.

Jens Heppner organisiert Radreisen auf Mallorca und Südafrika und erstmals auch in Thüringen.
Jens Heppner organisiert Radreisen auf Mallorca und Südafrika und erstmals auch in Thüringen. © Christian Fischer

Seit rund anderthalb Jahren plant Jens „Heppe“ Heppner die Radreise, die ihn in seine Vergangenheit führt. In Saalfeld ist Start und Ziel. Der scharfe Start erfolgt in Drognitz. Nicht von ungefähr. „In Drognitz waren immer die Bezirksmeisterschaften und manch Trainingsfahrt führte uns von Gera aus in Richtung Saalfeld. Die Radreise soll eine Genussfahrt werden. Ich möchte den Teilnehmern einige der schönen Ecken, die Thüringen zu bieten hat, zeigen“, erzählt er.

Zwischenstopp in Gera und Abstecher zum Sachsenring

Am fünften und sechsten Tag macht der kleine Tross in Gera Station. „Wir werden uns die Stadt anschauen. Ich möchte den Teilnehmern das Internat von damals und die Radrennbahn zeigen und ich werde bestimmt einiges erzählen und viele Fragen beantworten müssen.“ Von Gera aus geht es zum Sachsenring. Auch mit Bedacht gewählt. Auf dem Traditionskurs hat sich Jens Heppner 1990 als letzter DDR-Straßenmeister in den Chroniken verewigt, kehrte 1994 nach Hohenstein-Ernstthal zurück und holte sich den deutschen Meistertitel der Profis.

Wie es ihm selbst ergehen wird, auf seiner Reise in die eigene Vergangenheit? Er weiß es nicht. „Ich lasse mich überraschen, bin da spontan.“ Natürlich hofft er, dass die Radreise gut ankommt und ein fester Bestandteil seines Event-Programms werden wird. Gemeinsam mit Gunter Schwarz ist er den einen oder anderen Streckenabschnitt abgefahren. „Die Straßen sind schon besser als zu unserer Zeit“, sagt Jens Heppner und lacht. Zu Hause ist er seit seiner Profizeit im belgischen Kelmis. Heppner und Schwarz kennen sich schon seit den Tagen bei der SG Wismut Gera, trainierten in einer Trainingsgruppe unter anderen bei Siegfried Huster und Werner Marschner. „In den Ferien habe ich bei Heppners in Gera übernachten können, da musste ich nicht ins Internat. Wir haben es gutgehabt und wir haben es uns gutgehen lassen“, erinnert sich Gunter Schwarz an die 80er-Jahre.

Gunter Schwarz fährt Begleitfahrzeug und erinnert sich an Zeit bei der SG Wismut

Mit dem Radsport angefangen hat er bei der BSG Greika Greiz, ehe es zum Sportklub in die Bezirksstadt ging. Als Nachwuchstrainer arbeitete er bis zur Wende, ging zur Krankenkasse, leitete die Niederlassung in Gera. Auch er kam vom Radsport nicht los, organisierte 1992 die Holzland-Radwanderung. Ehrengast: Jens Heppner, der die Tour de France in jenem Jahr auf Platz zehn beendet hatte. Zwischenzeitlich betrieben die Beiden einen Käseladen. Jens Heppner bestritt 2005 sein Abschiedsrennen in Jena, fuhr damals vor Jan Ullrich über die Ziellinie.

Gunter Schwarz blieb in der Heimat, ist heute einer von zwei Geschäftsführern einer Catering-Firma. Der 59-Jährige unterstützt die Jenaer Basketballer, ist Gesellschafter bei Science City Jena und sitzt so oft es geht im Sattel, dreht seine Runden. Auf den Spuren der DDR-Radamateure wird er das Begleitfahrzeug steuern, einen Camper mit Anhänger – auch für die Kaffee-und-Kuchen-Pausen ist er zuständig. Doch eine Kaffeefahrt wird es nicht werden. „Wir wollen es ruhig angehen“, sagt zwar Jens Heppner, teilt das Feld dennoch in zwei Gruppen. Er an der Spitze der etwas Schnelleren, sein Guide übernimmt die zweite Gruppe. Insgesamt 638 Kilometer liegen vor dem Feld. Jens Heppner kann nichts schrecken, nicht das Wetter, nicht ein etwas flotteres Tempo – der Renner von einst ist noch in Top-Form.

Infos: www.comzuheppe.com