Saalfeld/Jena. Mit welchen Erwartungen das Saalfelder Downhill-Ass in die neue Saison startet und wie sie auf das Podest kommen will

Die Nervosität, sie war zum Saisonstart fast normal: „Man weiß ja nicht wirklich, wo man steht“, sagt Nina Hoffmann. Und lacht: Denn nach der ersten Weltcup-Abfahrt im schottischen Fort Williiam weiß die gebürtige Saalfelderin, dass sie in der Vorbereitung alles richtig gemacht hat: Platz zwei hinter ihrer Dauerrivalin Valentina Höll aus Österreich.. „Ich bin super happy“, sagt die 27-Jährige, die auch in dieser Saison für das amerikanische Team „Santa Cruz Syndicate“ fährt.

Neues Reglements kommt an

„Im Winter, bei den Trainingsläufen, darf ich als Mädchen zwölf Prozent langsamer sein als die Jungs“, erzählt sie. Das schaffte sie, doch die Nervosität blieb dennoch in Schottland erhalten. „Erst nach der Qualifikation wurde ich ruhiger“, blickt sie zurück, wobei sie die neuen Reglements im Weltcup-Zirkus durchaus begrüßt: Der Quali-Tag mit Training, Qualifikation und Halbfinalläufe schlauche zwar und geht oftmals von sechs bis 20 Uhr, aber dafür könne man sich auf den Finallauf einen Tag später super konzentrieren. „Die Regelung ist mega-cool für uns und auch die Zuschauer“, sagt die junge Frau, die in Jena wohnt.

Nina Hoffmann will in dieser Saison mindestens einen Titel
Nina Hoffmann will in dieser Saison mindestens einen Titel © Sven Martin

Die Weltcup-Zweite der vergangenen Saison ging in die Vorbereitung und das erste Weltcup-Wochenende erfreulicherweise verletzungsfrei. Quälte sie sich im letzten Jahr nach diverse Stürzen bisweilen über den Parcours, läuft jetzt alles viel lockerer, entspannter. Gut möglich, dass das auch mit einer Umstellung der Ernährung zu tun hat: Eine Ernährungsberaterin habe angefragt, ob sie sie diesbezüglich coachen darf. Durfte sie. Und so gibt die ehemalige Olympiateilnehmerin von Rio, Nadja Pries, der Thüringerin nun Ernährungstipps: „Ich esse viel mehr Kohlenhydrate, Milchreis, Kartoffeln und am Abend oft Nudeln.“ Es sind keine großen Portionen, aber gepaart mit den richtigen Getränken spürt sie die deutlich bessere Vorbereitung.

Mehr Muskeln machen sie fitter

Ein Kilogramm mehr Muskelmasse baute Nina Hoffmann seit November auf, als sie die Ernährung umstellte, auf: „Meine Watt-Werte auf dem Rad sind deutlich besser geworden“, sagt sie zufrieden. Und verkündet selbstbewusst ihr Ziel für die jetzt gestartete Saison: „Weltcupsieg oder Weltmeisterin, eins von beiden ist auf jeden Fall mein Ziel.“ Bereits in Fort Williiam zeigte die Saalfelderin, wie ernst es ihr mit diesen Ansprüchen ist: Eine halbe Sekunde fehlte ihr am Weltcupsieg in den schottischen Bergen. „Vali spürte meinen Atem“, sagt Nina Hoffmann - und lacht.

Siegerpose im Ziel von Fort William.
Siegerpose im Ziel von Fort William. © Sven Martin

Gut möglich, dass sie am Wochenende noch mehr strahlt: Dann macht der Tross erstmals im polnischen Bielsko Biala Station. Dort erwartet die Fahrerinnen eine gänzlich neue Strecke, die erst vor kurzem fertiggestellt wurde. Insofern wusste bis zu den ersten Trainingsläufen keine der weltbesten Downhill-Fahrerinnen, was auf sie zukommt. „Alte, bekannte Strecken fährt man entspannter“, schätzt die Saalfelderin ein. „Aber so etwas Neues, das ist auch schon sehr cool.“

Klamotten sind wieder Hingucker

Cool und definitiv auch ein Hingucker werden in dieser Saison auch die Klamotten für die beste deutsche Fahrerin sein: Praktisch bei jedem Rennen gibt es einen neuen Anzug, „der in dieser Saison noch enger sitzt als 2023 und dennoch unglaublich bequem ist“. Und vielleicht kann sich die sympathische Saalfelderin ja im Spätsommer auch noch mit einem Siegerpokal schmücken.

Downhill-Equipment von Nina Hoffmann für guten Zweck

Den 1. SSV Saalfeld und ihre Heimatstadt hat Nina Hoffmann auch nicht in den Monaten vergessen, in denen sie eigentlich durch die Welt reist und Erfolge auf den Downhill-Strecken feiert. In der kommenden Woche wird sie den Radfahrern des Vereins für eine Trainingseinheit zur Verfügung stehen. Dabei wird es aber nicht nur um die Tricks der erfolgreichen Weltcup-Fahrerin gehen.

Vielmehr wird sie auch 2800 Euro an Spendengeldern übergeben, die sie vor einigen Tagen bei einem Bike-Festival in Freiburg/Breisgau sammelte. Dort versteigerte sie auf einem Flohmarkt Renn-Equipment, mit dem sie nicht wenige Erfolge feierte. Dazu zählte beispielsweise ein grüner Renn-Helm, selten getragene Schuhe und kaum benutzte Knieschoner. „Ich bin die Sachen super losgeworden“, sagt die gebürtige Saalfelderin, wobei ein Teil des Erlöses eben an den Saalfelder Verein, ein weiterer Teil an ein Freiburger Verein geht.