Berlin. Nach der Bundeswehr soll die Regierung auch die Industrie mit viel Geld stützen, fordert die Gewerkschaft. Sonst drohe ein Abrutschen.

IG-Metall-Chefin Christiane Benner hat staatliche Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe für die Transformation der deutschen Industrie gefordert. Im Interview mit unserer Redaktion schlug sie vor, „ein Sondervermögen aufzumachen für den ökologischen Umbau der Industrie“. Als Größenordnung nannte sie „500 bis 600 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030“. Diese Summe werde nötig sein, damit der Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur gelinge.

Benner warnte: „Die Industrie befindet sich in der kritischsten Phase seit Gründung der Bundesrepublik. Eine starke Industrie mit guten und sicheren Arbeitsplätzen bedeutet Wohlstand und stabile Demokratie.“ Zwar habe Deutschland noch eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten unter den Industriestaaten. „Aber wir müssen dringend große Pflöcke einschlagen und die richtigen Entscheidungen treffen, wenn wir verhindern wollen, dass etwas ins Rutschen gerät.“

IG-Metall-Chefin Christiane Benner fordert, richtige Entscheidungen treffen, um zu verhindern, dass etwas ins Rutschen gerät.
IG-Metall-Chefin Christiane Benner fordert, richtige Entscheidungen treffen, um zu verhindern, dass etwas ins Rutschen gerät. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Das Sondervermögen Industrie müsse ‚wasserdicht’ im Grundgesetz verankert werden, forderte Benner. „Diese Investitionen sind im nationalen Interesse. Alle demokratischen Parteien sind aufgerufen, sich dahinter zu versammeln.“

Benner ist erste Frau an der Spitze der IG Metall

Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine hatte die Bundesregierung ein 100 Milliarden schweres Sondervermögen für die Aufrüstung der Bundeswehr aufgelegt. Anders als etwa die Klimaschutz- und Transformationsfonds (KTF) war es mit Verfassungsrang und der Unterstützung von CDU und CSU eingeführt worden und somit vom Haushaltsstopp nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts nicht betroffen.

Lesen Sie hier: IG-Metall-Chefin: Industrie in „kritischster Phase seit 1949“

Benner ist die erste Frau an der Spitze der mehr als 130 Jahre alten Gewerkschaft. Die 55-Jährige war im vergangenen Oktober in ihr Amt gewählt worden. Die IG Metall hat rund 2,2 Millionen Mitglieder, 80 Prozent davon sind Männer. Sie vertritt Branchen wie die Metall- und Elektroindustrie, die Stahlsparte und die Textilindustrie.