Bruchsal. Botrytis heißt die Gefahr, vor der sich die Erdbeererzeuger fürchten. Die Pilze verderben die süßen Früchte. Dann ist da und dort „Hygienepflücken“ angesagt.

Nach den heftigen Regenfällen insbesondere im Westen Deutschlands hoffen die Erdbeerbauern auf einen Wetterumschwung. „Durch den milden Winter sind viele schon mit den frühen Sorten voll im Freiland“, sagte Simon Schumacher vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) in Bruchsal bei Karlsruhe. Wenn die Früchte nass sind, könne man sie nicht ernten, das verringere die Haltbarkeit. Zudem drohe bei Feuchtigkeit Gefahr durch Pilze der Gattung Botrytis, sagte Schumacher.

Mit Mulchfolie und Stroh könnten die Landwirte die Erdbeeren sauber und Fäulnis abhalten. „Wir haben auch Glück im Unglück: Es ist nicht zu warm, nicht schwül“, sagte der Fachmann. Sonst wäre das Pilzproblem noch größer. Dennoch sei immer wieder „Hygienepflücken“ angesagt, um faule Früchte zu entfernen. „Das muss man mit Adleraugen beobachten.“

Zu schnell zu warm dürfe es aber auch nicht werden. „Die Früchte brauchen Zeit, um zu reifen, um Aromen und Zucker einzulagern“, sagte Schumacher. 25 Grad, leicht bewölkt, nicht schwül - das wäre ideal. Wenn es zu heiß wird, würden die Erdbeeren schlagartig rot, blieben aber weicher und böten dann wieder eine größere Angriffsfläche für Pilzerkrankungen.

Saisonverlauf regional recht unterschiedlich

Im Schnitt sei die Saison gut verlaufen. Dank Folientunneln hätten in Deutschland viele Früchte auch bei den Spätfrösten Ende April gerettet werden können - anders als etwa in Polen, wie Schumacher sagte. Dennoch gebe es regional große Unterschiede - je nachdem, wie viel es örtlich geregnet habe. Der Nordosten etwa habe damit kaum Probleme gehabt, hier sei der Lebensmittelhandel gut versorgt, sagte Schumacher. „Aber auch anderswo werden Kunden im Handel und in der Direktvermarktung gute Ware finden.“

Import-Erdbeeren aus Griechenland oder den Niederlanden etwa spielten im Mai keine große Rolle mehr. Allerdings seien Erdbeeren auch typischerweise bei Sonnenschein beliebt, sagte Schumacher und sprach von „Gutwetterkunden“. Insofern gingen bei Regen Nachfrage und Angebot gleichermaßen zurück. Zudem seien jetzt in einigen Bundesländern Pfingstferien, weshalb ebenfalls weniger Erdbeeren gekauft würden. Laut dem GfK-Haushaltpanel verspeiste jeder private Haushalt im vergangenen Jahr 4,13 Kilogramm der süßen Früchte – gut die Hälfte stammte aus deutschem Anbau, wie der VSSE weiter mitteilte.

Erster „Tag der deutschen Erdbeere“

Die Erdbeerpreise dürften in diesem Jahr nach Einschätzung des Experten im Schnitt in etwa auf dem Niveau des Vorjahres liegen, wenn es jetzt nicht noch länger nass und kalt bleibt. Die Inflation sei gesunken, der Mindestlohn leicht erhöht worden. An Arbeitskräften mangele es nicht. Wegen des Wetters seien die Arbeitszeiten mancherorts kürzer.

Wie lange die Saison noch andauert, hänge vor allem vom Wetter ab, erklärte Schumacher. „Gegebenenfalls kann sie hier und da Ende Juni vorbei sein.“ An diesem Freitag will die Branche nochmal kräftig die Werbetrommel rühren und zelebriert den ersten selbst ins Leben gerufenen „Tag der deutschen Erdbeere“. Dann solle es vielerorts Sonderaktionen geben - von Erdbeer-Secco bis Erdbeerkuchen, kündigte der Verbandsvertreter an.