Corona: Ostthüringer Filtergerät soll Lüften ersetzen – nicht nur im Unterricht

Altenburg.  Altenburger Firma beweist mit Praxistest in Schule: Ihr Umluftmodul senkt die Keimlast deutlich. Nun hofft sie auf Aufträge.

Schulleiter Thomas Lahr stellte im September zwei Räume des Friedrichgymnasiums für die Modultests zur Verfügung. Dort wurden temporär jeweils zwei Umluftgeräte aufgestellt. Pro Klassenraum ist aber ein Gerät ausreichend, zeigten die Messergebnisse.

Schulleiter Thomas Lahr stellte im September zwei Räume des Friedrichgymnasiums für die Modultests zur Verfügung. Dort wurden temporär jeweils zwei Umluftgeräte aufgestellt. Pro Klassenraum ist aber ein Gerät ausreichend, zeigten die Messergebnisse.

Foto: Andreas Bayer

Die Altenburger Firma Schulz und Berger Luft- und Verfahrenstechnik entwickelte bereits im März ein Umluftmodul, das die Virenlast, etwa von Coronaviren, in Räumen erheblich reduzieren soll. Doch der Absatz der Geräte läuft nicht so, wie es sich Inhaber und Mitarbeiter erhofft haben. Die Skepsis, ob das Modul hält, was es verspricht, ist groß. Bis hin zur Befürchtung, dass es sich gar als Virenschleuder erweisen könnte. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Umluftmodul effektiver als Lüften

Derlei Bedenken konnte Firmeninhaber Dirk Barnstedt am gestrigen Mittwoch widerlegen. „Die Technik funktioniert.“ Im September testete sein Unternehmen unter wissenschaftlicher Aufsicht das neue Raumluftmodul in zwei Klassenzimmern des Altenburger Friedrichgymnasiums. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass die Keimzahl um rund 90 Prozent gesenkt wurde. Das entspricht dem Schutzfaktor einer sogenannten FFP2-Maske. Pilze und Hefen wurde sogar zu 99 Prozent aus der Luft herausgefiltert, ermittelte das Labor für Arbeits- und Umwelthygiene Hannover. Damit sei das Modul fast doppelt so effektiv wie das praktizierte Stoßlüften, betont Barnstedt. „Alle 20 Minuten Lüften ist Quatsch.“

Allerdings bezieht sich die Untersuchung auf Bakterien, da es keine entsprechenden Messverfahren für Viren gibt. Bakterien wiesen aber ganz ähnliche Eigenschaften auf, versichert der Unternehmer.

Das Umluftmodul mit dem umgangssprachlichen Namen „Virusfrei 1200“ wird unter der Decke angebracht. Damit würde es deutlich besser Aerosole ansaugen als etwa Standgeräte. „Aerosole steigen durch die Wärme nach oben“, erläutert Dirk Barnstedt. Gröbere Staubpartikel werden durch den Vorfilter aus der Luft herausgefiltert; Bakterien, Viren und andere Keime durch den engporigen Hepa-Filter. Danach strömt die gereinigte, wohl temperierte Luft wieder gleichmäßig nach unten.

Breites Spektrum für Anwendung

Insgesamt kann ein Gerät 2500 Kubikmeter Luft reinigen, hat also keine Probleme mit einem 60 Quadratmeter großen Raum. Es eignet sich laut Unternehmen auch für Kassen in Supermärkten, Arztpraxen, Notaufnahmen, Restaurants oder Fahrschulen bis hin zu Großveranstaltungen.

Die Betriebsgeräusche von 65 Dezibel hätten den Unterricht nicht gestört, sagt Schulleiter Thomas Lahr. Dennoch hat die Firma das Geräuschaufkommen um weitere 10 Dezibel auf 55 gesenkt.

Landrat Uwe Melzer würde das Friedrichgymnasium und die rund 30 weiteren Schulen des Altenburger Landes gern mit Umluftmodulen der Firma Schulz und Berger ausrüsten. „Damit wäre Präsenzunterricht auch in der kalten Jahreszeit ermöglicht.“ Doch das ist finanziell nicht mal eben zu stemmen. Ein Modul in Grundausstattung kostet 5900 Euro.

Deshalb richtet Melzer seinen Appell gen Berlin. Dort wurde zwar bereits ein 500 Millionen Euro umfassendes Förderpaket für Raumbelüftungsanlagen geschnürt. Doch dürfen die Gelder nur zur Umrüstungen bestehender Lüftungssysteme mit Hepa-Filtern genutzt werden.

Ein Unding, findet auch Unternehmer Barnstedt. Zumal Umrüstungen seiner Ansicht nach Monate, wenn nicht Jahre benötigen. Sein Gerät sei sofort einsetzbar. Die Investition würde sich über die Corona-Krise hinaus lohnen. „Die Geräte helfen auch in der Grippezeit.“

Über die Altenburger Firma

  • Die Firma Schulz und Berger ist Profi für Luftreinigung und Belüftung. Sie stammt ursprünglich aus Baden-Württemberg.
  • Dietrich Barnstedt, Vater des heutigen Inhabers, übernahm sie im Jahr 1971. Der leidenschaftliche Schachspieler aus Offenburg im Schwarzwald lernte Altenburg nach der Wende bei einem städtepartnerschaftlichen Schach-Austausch kennen und errichtete in Ostthüringen eine kleine Niederlassung.
  • 2002 übernahm Sohn Dirk die Firmenleitung und verlegte den Hauptsitz nach Altenburg.
  • Mit der Außenstelle in Hohenmölsen hat das Unternehmen für Luft- und Verfahrenstechnik rund 100 Mitarbeiter.
  • Mehr Informationen unter: www.schulz-berger.com