Mit 10 Mio in Vorleistung: ZPR in Blankenstein setzt weiter Hoffnung in Höllentalbahn

Blankenstein  Die im Dezember 2015 ­geschlossene Schienenlücke zwischen dem bayerischen Selb und dem tschechischen Asch könnte Vorbild für den ­Lückenschluss zwischen ­Bayern und Thüringen sein.

Blick auf die Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal in Blankenstein mit dem als Rundpile ausgelegten neuen Lagerplatz für Sägewerks-Hackschnitzel. Foto: ZPR

Blick auf die Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal in Blankenstein mit dem als Rundpile ausgelegten neuen Lagerplatz für Sägewerks-Hackschnitzel. Foto: ZPR

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„Rosenthal geht mit einer großen Investition von zehn Millionen Euro in die Vorleistung“, erklärt Leonhard Nossol, Geschäftsführer der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal (ZPR) in Blankenstein. Und er hofft, dass dieser privaten ­Investition die „üblicherweise etwas langsameren der öffent­lichen Hand folgen werden“, wie Nossol sagt.

Immerhin 8,5 Millionen Euro will die ZPR zum Ausbau ihrer betrieblichen Schienen-Infrastruktur in die Hand nehmen, weitere 1,5 Millionen Euro sind für die Anschaffung einer neuen Werks-Lokomotive vorgesehen. Damit gehört die Rundholz­annahme per Eisenbahnwaggon zu dem wesentlichsten Investitionsvorhaben des Unternehmens in diesem Jahr. Das wird als Voraussetzung dafür angesehen, künftig bis zu 400 000 Festmeter Holz jährlich auf dem Schienenweg zur ZPR zu bringen und im Gegenzug das Straßennetz von etwa 13 000 Lkw-Fahrten jährlich zu entlasten. „Diese Entlastung betrifft hauptsächlich Thüringen“, unterstreicht Nossol.

Mit der Schaffung der Zonengrenze war 1945 die Bahnverbindung zwischen dem bayerischen Bahnhof Lichtenberg und dem thüringischen Bahnhof Blankenstein unterbrochen worden. Eine Nachkriegsfolge, die bis heute nicht behoben ist. Noch bis 1972 rollten auf bayerischer Seite Güterzüge bis Blechschmidtenhammer, dann wurde auch dort der Verkehr komplett eingestellt. In Blankenstein blieb der Bahnanschluss und überlebte sogar die Zeit des Sperrgebietes.

Erst 1982 begann der Abbau der verwaist liegenden Gleise im Höllental, nach 1986 verschwand auch der Schienenstrang zwischen Hölle und Marxgrün. Am Status, wonach die Flächen der Höllentalbahn juristisch noch immer für den Bahnverkehr gewidmet sind, hat sich trotz der Stilllegung nie etwas geändert. Aus diesem Grund war auch eine Straßen-Engstelle in Blechschmidtenhammer im vorigen Jahr erst durch den Abriss eines leer­stehenden Hauses beseitigt worden. Der Bahndamm auf der gegenüberliegenden Straßenseite musste unberührt bleiben.

Ganze 5,5 Kilometer Schienenstrang fehlen für den Lückenschluss bei der Höllentalbahn. Der Löwenanteil davon befindet sich auf bayerischer Seite. Doch dort gibt es auch den größten politischen Widerstand. Während die Reaktivierung der Höllentalbahn in Thüringen schon seit 2009 in den verschiedenen Koalitionsverträgen zumindest ein wohlwollendes Lippenbekenntnis fand, hagelt es in Bayern bislang stets nur Ab­sagen. Erst im vergangenen ­Dezember hatte sich der Gemeinderat von Bad Steben einstimmig gegen die Höllentalbahn positioniert.

Während die für dieses Jahr vorgesehenen Investitionen ins ZPR-Schienennetz vor allem die Straßen in Thüringen entlasten sollen, würde der Lückenschluss bei der Höllentalbahn einen deutlich größeren Entlastungseffekt bringen, der dann hauptsächlich Bayern betreffen würde, betont Nossol.

„Selbstverständlich bestand die Erwartung, dass nach der deutschen Wiedervereinigung diese Lücke wieder geschlossen wird und die Bahn ohne Unterbrechung zum Beispiel von Tschechien nach Blankenstein fahren kann“, erinnert Nossol an die Ausgangssituation in den 1990er-Jahren. Leider sei diese Erwartung bislang nicht erfüllt worden. „Dies bringt vor allem viel Holz-Schwerlastverkehr auf die Straßen im bayerischen Raum, da Blankenstein nach Norden und Westen bahntechnisch gut angebunden ist“, erläutert er.

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