Thüringen verliert Kassenaufsicht - Fusionspläne bei Thüringer Betriebskrankenkasse

Erfurt  Die TBK ist die letzte vom Land kontrollierte Krankenkasse. Nun wechselt sie unters Dach der Berliner BKK VBU.

Die Zahl der Krankenkassen sinkt. Nun fusioniert die letzte Thüringer Kasse.

Foto: Franziska Gabbert/dpa

Der Konkurrenzkampf sowie der zunehmende Druck durch Kosten und Gesetze zwingen erneut eine kleine Krankenkasse in Thüringen, sich einen wirtschaftlich potenteren Partner zu suchen. Betroffen ist die Thüringer Betriebskrankenkasse (TBK), die ihren Aktionsradius nach eigenen Angaben auf den Freistaat und angrenzende Regionen beschränkt. Nach Informationen unserer Zeitung laufen derzeit Gespräche mit der Berliner Betriebskrankenkasse Verkehrsbau Union (BKK VBU) über eine Fusion ab 2020.

Von der TBK-Geschäftsführung mit Sitz in Erfurt lag dazu gestern nur ein schriftliches Statement vor. „Ausschlaggebend für diesen Wunsch ist, dass wir mit der BKK VBU eine stabile Partnerin gewinnen, die Regionalität und Kundenfokus trotz ihrer Größe sehr zu schätzen weiß“, wird TBK-Vorstand Dirc Hübner zitiert. TBK-Kunden sollten vor allem bei digitalen Services und besonderen Versorgungsangeboten vom Zusammenschluss profitieren.

Bei der Berliner BKK VBU ist man gesprächiger. Sprecher Paul Lüttich bestätigte, dass beide Kassen zum 1. Januar 2020 zusammengehen wollen. Entsprechende Absichtserklärungen hätten die Selbstverwaltungen beider Unternehmen in ihren jeweiligen Sitzungen in Berlin und Erfurt bereits verabschiedet. „Die ab 2020 fusionierte Krankenkasse soll den Namen BKK VBU tragen und ihren 540.000 Kundinnen und Kunden Beratung und Service an bundesweit 45 Standorten bieten“, so Lüttich. Die TBK bringt rund 14.600 Mitglieder mit in die Fusion. Bleibt es dabei, würde der Name der Thüringer Betriebskrankenkasse demnach verschwinden.

Bei der BKK VBU zeigte man sich gestern optimistisch hinsichtlich der gemeinsamen Zukunft. Für die Berliner wäre es der insgesamt zehnte Zusammenschluss seit der Jahrtausendwende. Man habe einen guten Ruf als Fusionskasse, alle Mitarbeiter behielten in der Regel ihren Job, so Lüttich. Aus dem Vorstand der Berliner Kasse verlautet dazu, nach sehr guten Gesprächen freue man sich schon heute auf den neuen Partner aus Thüringen. „Fusionen sind ein wichtiger Teil unserer Wachstumsstrategie. Wenn man sie gut umsetzt, profitieren alle Beteiligten von Wachstum, Stabilität und neuen Entwicklungsmöglichkeiten“, sagte Vorständin Andrea Galle.

Dem muss aber das Thüringer Gesundheitsministerium als Landesaufsichtsbehörde noch zustimmen. Ein Ministeriumssprecher sagte gestern auf Nachfrage, man äußere sich erst, wenn die Pläne spruchreif seien. Aktuell ist die TBK die letzte Krankenkasse unter Landesaufsicht. Diese Zuständigkeit unter anderem für Rechtsfragen und Beschwerden gilt, wenn sich die Tätigkeit einer Kasse nicht über mehr als drei Länder erstreckt. Entscheidend ist der Kassen-Sitz. Bei der AOK plus für Sachsen und Thüringen ist dies Dresden, dort führt das Sächsische Sozialministerium die Landesaufsicht. Derzeit haben nur Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein keine Kontrolle mehr über Krankenkassen, Thüringen würde künftig dazugehören.

Die BKK VBU gehört zu den 30 größten Krankenkassen Deutschlands, sie ist bundesweit an 40 Standorten vertreten. In Thüringen war man nur in Nordhausen mit einem ServiceCenter aktiv. Mit der Fusion werde das regionale Netz ausgebaut. Geplant ist, die vier TBK-Standorte in Erfurt, Jena, Gera und Meiningen weiterzuführen. Man freue sich auf die Zusammenarbeit „mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der TBK“.

Seit Jahren verringert sich die Zahl der Krankenkassen stetig. 2017 vereinten sich Barmer GEK und Deutsche BKK zur Barmer. 2018 ging mit der BKK Mem die bis dahin kleinste Thüringer Kasse in der Metzinger BKK auf. Letztere fusionierte in diesem Jahr mit der mhplus.

Der Beitragssatz der TBK liegt aktuell bei 15,5 Prozent, der der BKK VBU bei 15,9 Prozent. Wohin sich die Beiträge entwickeln werden, sei offen, sagte Paul Lüttich. Informationen an die Mitglieder gibt es noch nicht.

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