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Torffreie Blumenerde: So denken Hobbygärtner auch ans Klima

Hanna Gersmann
| Lesedauer: 6 Minuten
Treibhausgas-Emissionen in Deutschland wieder angestiegen

Treibhausgas-Emissionen in Deutschland wieder angestiegen

Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sind nach einem deutlichen Rückgang zum Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr wieder gestiegen. Das Umweltbundesamt ruft Bürger auf, weniger Auto zu fahren und etwas weniger zu heizen.

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Berlin.  Viele Blumenerden enthalten Torf. Diesen zu gewinnen, setzt Kohlendioxid frei. Doch das Angebot an Alternativen wächst.

Es soll ein kleines grünes Paradies werden. Jetzt, da der Frühling kommt, schleppen Hobbygärtnerinnen und -gärtner säckeweise Blumenerde aus Baumärkten, Discountern oder Gärtnereien, damit auf dem Balkon, der Terrasse, im Garten Narzissen, Primeln, Tulpen gedeihen und wachsen. Nur: Erde ist nicht gleich Erde. Sie belastet das Klima, wenn sie Torf enthält. Denn Torf kommt aus Mooren, die für den Kampf gegen die Erderhitzung wichtig sind. Längst gibt es Blumenerde ohne Torf – sie basiert auf Kompost, Rindenhumus oder Holzfasern. Ist sie eine gute Alternative?

Torf in Blumenerde: Ist das wirklich so schlimm?

Das Moor mag dem Menschen oft unheimlich erscheinen. Der Nebel wabert darüber hinweg. Der feucht-braune Untergrund ist nie wirklich fest, eher matschig, unwirtlich. Doch leben darin rare Orchideen, der fleischfressende Sonnentau, das Wollgras, auch Vögel wie die Sumpfohreule oder das Birkhuhn und andere seltene Tiere. Das ist aber nur das eine. Das andere: Gesunde Moore sind ein Tresor für das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2). Auch interessant: Bäume pflanzen als Co2-Kompensation. Wie sinnvoll ist das?

Biologin Greta Gaudig, die das international bekannte Greifswald Moor Centrum leitet, rechnet vor: „An der Landfläche der Erde machen Moore nur drei Prozent aus. Diese drei Prozent speichern aber so viel Kohlenstoff wie die Biomasse aller Wälder der Erde, die 30 Prozent der Landfläche bedecken.“

Pflanzen nehmen CO2 auf, um zu wachsen. Das ist im Moor nicht anders als sonstwo. Der Unterschied aber ist: Sterben im Moor Pflanzen ab, verrotten diese kaum. Stattdessen lagern sie sich Schicht für Schicht übereinander ab, weil in dem wassergesättigten Boden Sauerstoff Mangelware ist, der für eine Zersetzung nötig wäre. Torf entsteht. Wird dieser dann für den Einsatz im Garten oder Gewächshaus abgebaut, geschieht das, was das Wasser zuvor verhindert hat: Der im Torf gespeicherte Kohlenstoff wird frei und zu Kohlenstoffdioxid. Lesen Sie auch:

Zerstörte Moore: Sind Gärtner wirklich entscheidend?

Die meisten Moore in Deutschland wurden seit Jahrzehnten trockengelegt, um dort Straßen und Häuser zu bauen, Felder, Wiesen, Weiden anzulegen. „Im Vergleich dazu ist die Fläche klein, auf der heute zumeist im Nordwesten Niedersachsens Torf für Substrate und Blumenerde abgebaut wird“, sagt Moorforscherin Gaudig.

Genehmigt wird der Torfabbau wenn überhaupt nur auf Flächen, die für die Landwirtschaft bereits entwässert wurden. Die wenigen noch intakten Moore in Deutschland sind mittlerweile streng geschützt. So stammen aus den Mooren, die sich nicht mehr im natürlichen Zustand befinden, insgesamt knapp sieben Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen.

Auf das Konto der Torfnutzung geht davon aber laut Gaudig „nur ein kleiner Anteil“, dennoch sei der Schaden für Natur und Klima „nicht vernachlässigbar“. Sie erklärt: „Sehr schnell ist der über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende entstandene natürliche CO2-Speicher vollends dahin.“ Moore wachsen nur langsam in die Höhe – pro Jahr um etwa einen Millimeter. Außerdem ist die Nachfrage so groß, dass er auch in großen Mengen importiert wird, aus dem Baltikum zum Beispiel. Auch interessant: Sozialpsychologin: Klimawandel wird Thema für Verschwörer

Alternative Produkte: Muss es gleich „torffrei“ sein?

„Torfreduziert“ oder „torfarm“ – das prangt mittlerweile auf der Vorderseite vieler Säcke von Blumenerden. Allerdings seien die Bezeichnungen mit Vorsicht zu genießen. Darauf weist der Umweltverband BUND hin. Denn der Torfanteil könne auch dann noch zwischen 60 und 80 Prozent liegen. Bei torfreduzierten Blumenerden, die in Deutschland produziert würden, betrage er im Schnitt – das zeigten Marktdaten von 2020 – knapp 60 Prozent, erklärt Philip Testroet, Umweltexperte beim Industrieverband Garten.

Das ist alles weniger als bei den 08/15-Billigblumenerden mit einem Torfanteil von bis zu 90 Prozent. Längst gibt es aber auch Blumenerden für Hobbygärtner ganz ohne Torf. Das Angebot wird immer größer. Testroet sagt: „Komplett torffreie Blumenerde hat einen wachsenden Anteil von etwa zwölf Prozent.“ Die torffreien Substrate kosteten zwischen 20 und 70 Cent pro Liter. Zum Vergleich: Bei herkömmlichen Erden reicht die Spanne laut Testroet von 10 Cent pro Liter im Baumarkt bis zu 50 Cent im Premiumsegment. Torfreduzierte Ware gebe es aktuell ab etwa 20 Cent pro Liter. Lesen Sie auch: Klimawandel - so dramatisch ändert sich das Wetter in ihrer Region

Torffreie Erde: Gedeiht der Garten überhaupt?

Peter Opschroef ist Geschäftsführer des Zierpflanzengärtnerei Aflora – ein Profi. Er gehört zu den Ersten, die im großen Maßstab auf Torf verzichten. Sein Betrieb liegt in Straelen am Niederrhein, damit in einer der großen Gartenbauregionen Deutschlands. Seine Erfahrungen nach gut fünf Jahren? Opschroef sagt: „Torffreie Erde hat überwiegend Vorteile, die Pflanze bekommt mehr Luft und ein Übernässen der Pflanze ist fast unmöglich.“

Allen Hobbygärtnern gibt er diese beiden Tipps: „Die Pflanzen in torffreier Erde brauchen Pi mal Daumen zehn Prozent mehr Wasser. Mussten Sie sonst alle sieben Tage wässern, machen Sie das nun zum Beispiel alle sechs Tage.“ Außerdem bräuchten die Pflanzen regelmäßiger Dünger, weil die torffreie Erde diesen nicht so lange halte. „Das muss nicht viel sein, aber konstanter“, sagt der Gartenexperte. „Am besten geben Sie alle zwei Wochen je nach Vorgaben des Herstellers Flüssigdünger rein.“ Wer sich unsicher sei, könne auch einfach bei einer Gärtnerei vor Ort um Rat fragen.