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WhatsApp Pay – Kommt das neue Feature nach Deutschland?

Berlin.  In Indien wurde WhatsApp Pay offiziell eingeführt. Wie funktioniert die Bezahlfunktion? Und kommt das neue Feature nach Deutschland?

Was Sie über den Messenger WhatsApp wissen sollten

Weit über eine Milliarde Menschen nutzen den Dienst WhatsApp. Was der Messenger alles kann, wo er mehr kann und wer sein härtester Konkurrent ist, verrät dieses Video.

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Kurznachrichten tippen, Fotos und Videos versenden und anschließend noch mit Freunden oder Kollegen per Smartphone eine Telefon- oder Videokonferenz abhalten: WhatsApp ist schon jetzt eine umfangreiche und nützliche Anwendung im Alltag und im Berufsleben. Nicht umsonst ist die zu Facebook gehörende App der beliebteste Messenger weltweit.

Allein in Deutschland nutzen 83 Prozent der Bevölkerung Online-Kommunikationsdienste – darunter den Spitzenreiter WhatsApp mit 96 Prozent, weit vor dem Facebook Messenger (42 Prozent). Das ergab im Mai eine aktuelle Studie der Bundesnetzagentur. Und seit Beginn der Corona-Krise nutzen drei von vier Bundesbürgern soziale Medien sogar noch intensiver, belegte Ende Mai eine Bitkom-Umfrage. Bald schon könnten deutsche Nutzer die beliebte App auch in Cafés oder an der Ladenkasse aufrufen – um damit im Alltag zu bezahlen.

WhatsApp Pay ist nach Testphase in Indien bereits verfügbar

WhatsApp Pay heißt die neue Funktion, an der WhatsApp laut Medienberichten bereits seit Anfang 2018 arbeitet. Wer sich ein Bild davon machen möchte, wie die Konzernmutter Facebook mit WhatsApp den Bezahlmarkt aufmischen will, sollte in diesen Tagen einen Blick nach Indien werfen. Nach einer Pilotphase, die bereits seit Februar 2018 lief, können seit Mai mehrere Millionen Nutzer in Indien die neue Bezahlfunktion von WhatsApp im Alltag einsetzen. Sie können über den Messenger Rechnungen bezahlen und sich beispielsweise gegenseitig Geldbeträge bis zu einer von der Regierung festgelegten Obergrenze von umgerechnet rund 1200 Euro pro Tag senden, schreibt der indische Finanzdienstleister BankBazaar.

Offiziell wurden die Pläne erstmals Ende Januar dieses Jahres vorgestellt. Bei der Präsentation der Quartalsergebnisse hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg angekündigt, dass der WhatsApp-Bezahldienst – von Februar an gerechnet – in den kommenden sechs Monaten in mehreren Ländern verfügbar sein soll. Der Terminplan wies – vor Beginn der Corona-Pandemie – also auf den Sommer hin. Lesen Sie auch: WhatsApp – Diese langersehnte Funktion ist wohl bald verfügbar

Welche Länder das konkret sein werden, ist allerdings noch immer nicht bekannt. Ebenso ist noch unklar, wann ein Ausrollen in Deutschland erfolgt. Das gilt Beobachtern zufolge aber als wahrscheinlich. Nutzer könnten ihr Geld dann „so schnell und einfach wie ein Foto senden“, sagte Zuckerberg laut „The Economic Times“. Ein erstes Signal für den baldigen Start der Funktion in Deutschland könnte die Anhebung des Mindestalters für WhatsApp-Nutzer in Europa von 13 auf 16 Jahre im Mai dieses Jahres gewesen sein. Auch interessant: Acht wichtige WhatsApp-Tipps, die Sie kennen müssen

So klappt das Bezahlen per WhatsApp Pay

Dass sich der Facebook-Chef für Indien als Startpunkt von WhatsApp Pay entschied, ist wenig überraschend. Zum einen konnte der Konzern hier bereits seit zwei Jahren Erfahrungen mit der Bezahlfunktion sammeln. Vor allem aber hat WhatsApp laut indianexpress.com 400 Millionen seiner weltweit zwei Milliarden Nutzer in Indien – mehr als in jedem anderen Land.

Die Registrierung für WhatsApp Pay in Indien soll mit dem Smartphone recht schnell möglich sein, beschreibt unter anderem die Seite Androidmag: Demnach muss der Nutzer zunächst den Datenschutzbestimmungen zustimmen. Anschließend wählt er die gewünschte Bank aus und verifiziert das eigene Bankkonto per SMS-Nachricht. Und schon lässt sich mit dem Messenger bezahlen. Lesen Sie mehr: WhatsApp: Beliebte Funktion fällt weg – Nutzer irritiert

Und auch das soll laut indianexpress.com zum Start recht bequem klappen: Innerhalb der WhatsApp-Anwendung genügt offenbar ein Fingertipp auf das Punkte-Menü rechts oben. Dort lässt sich der Punkt „Zahlungen“ auswählen. Hier können Nutzer eine Zahlungsmethode für Transaktionen auswählen, etwa eine Kreditkarte zugelassener Banken. In Geschäften soll auch das Zahlen über einen QR-Code möglich sein, der an der Kasse gescannt wird.

Könnte WhatsApp Pay zu viel Macht im Finanzbereich bekommen?

Wer eine Geldsumme an Freunde oder bekannte Kontakte senden möchte, soll im gleichen Menü die Mobilfunknummer anderer registrierter WhatsApp-Pay-Benutzer eingeben können. Somit dürfte sich die Bezahlfunktion von WhatsApp ebenso nutzerfreundlich gestalten wie bei in Deutschland bekannten Bezahl-Apps. Auch interessant: WhatsApp – Tausende Gruppen offenbar für Fremde zugänglich

In Indien läuft die Startphase von WhatsApp Pay laut Berichten der indischen Finanzseite Moneycontrol derzeit noch holprig. Zwar arbeitet der Konzern mit vier großen Banken zusammen. Allerdings werde der Dienst, so heißt es, nicht auf einen Schlag für 400 Millionen Nutzer und deren Banken freigegeben. Das würde die Server der Geldhäuser in die Knie zwingen. Parallel prüfen die indischen Wettbewerbshüter noch, ob WhatsApp mit seinen Millionen Nutzern rechtlich nicht eine zu große Macht im Finanzbereich werden könnte.

Ein großer Vorteil von WhatsApp Pay in Deutschland wäre sicher, dass beinahe jeder deutsche Smartphone-Nutzer die App bereits in­stalliert hat. Sich als weiterer Anbieter für mobiles Bezahlen zu etablieren, könnte dennoch schwer werden.

Angriff auf Paypal und Sparkassen?

Das gilt besonders im Hinblick auf das sekundenschnelle, kontaktlose Bezahlen in Geschäften oder Restaurants per Smartphone oder Smartwatch. Denn diesen Zweck erfüllen aktuell bereits mehrere Anbieter recht solide. Die meisten lösen das über „Nahfeldkommunikation“ (NFC). Der notwendige NFC-Chip ist dabei in aktuellen Smartphones oder Smartwatches verbaut, aber auch in vielen Giro- oder Kreditkarten. Neben Apple Pay und Google Pay bieten Sparkassen, Volks- und Raiffeisen­banken, Postbank und Deutsche Bank entsprechende Apps für das mobile Bezahlen an. Lesen Sie auch: WhatsApp – Messenger verbietet Weiterleitung von diesen Nachrichten

„Viele Leute haben das Smartphone eher zur Hand als ihre Brieftasche und können es einfach an das Kassenterminal halten“, sagt Josefine Lietzau, Expertin beim Verbraucher-Ratgeber Finanztip. Diese Variante sei nicht nur bequem, sondern gelte auch als recht sicher. „In diesen Apps sind die Kartendaten nicht hinterlegt und können so auch nicht heimlich ausgelesen werden“, erklärt Lietzau. Und wird das Smartphone gestohlen, so die Expertin, muss die Bank nicht einmal die Karte sperren.

Kaum Konkurrenz für WhatsApp Pay bei Versenden von Geld an Freunden

Auf etwas weniger Konkurrenz stößt WhatsApp beim Versenden von Geldbeträgen per App an Freunde oder bekannte Kontakte, genannt Peer-to-Peer Payment. Das bieten hierzulande etwa die Sparkassen und Volksbanken an sowie die Smartphone-Bank N26. „Die meisten nehmen dafür aber den größten Anbieter Paypal“, sagt Lietzau. Denn dieser funktioniert bankenübergreifend.

Ein Restaurantbesuch mit Freunden? Einer zahlt und lässt sich die Einzelbeträge anschließend bequem per Paypal-App von den Freunden zurückerstatten. Doch ein Paypal-Konto besitzen bei Weitem nicht so viele wie eines bei WhatsApp. Hier könnte der Zuckerberg-Konzern eine Chance sehen. „WhatsApp wird es aber sehr schwer haben, an Paypal vorbeizukommen“, meint Lietzau. „Vor allem wenn man sich überlegt, dass WhatsApp zu Facebook gehört und die Deutschen zumeist ein bisschen misstrauisch sind, was die Daten angeht.“ Auch interessant: Whatsapp – Was bedeutet die Uhr im Profilbild?

Erst vor wenigen Wochen warnte beispielsweise der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Ulrich Kelber, Behörden davor, WhatsApp zu nutzen. Er äußerte sich besorgt darüber, der Messenger-Dienst könnte Nutzerdaten an den Mutterkonzern Facebook weiterleiten. Ob Facebook bei WhatsApp Pay die Bezahlinformationen mit persönlichen Daten kombinieren und für eigene Zwecke nutzen kann, ist offen.