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Corona-Hotspot Mallorca: Diese schärferen Regeln kommen

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Palma de Mallorca  „Extrem hohes“ Risiko: Die Balearen weisen die höchsten Corona-Zahlen in ganz Spanien auf. Nun soll es noch striktere Maßnahmen geben.

Die beliebte Urlaubsinsel Mallorca ist zum Risikogebiet erklärt worden. Das hat starke Auswirkungen auf die Tourismusbranche.

Die beliebte Urlaubsinsel Mallorca ist zum Risikogebiet erklärt worden. Das hat starke Auswirkungen auf die Tourismusbranche.

Foto: Clara Margais / dpa

Vom Ferienparadies zum Corona-Hotspot: Die Infektionszahlen auf Mallorca steigen seit Wochen unaufhörlich. Nun wurden die Maßnahmen erneut verschärft. Unter anderem soll die nächtliche Ausgangssperre ab 22 Uhr auch an Silvester gelten. Auch die Öffnungszeiten der Gastronomie werden weiter eingeschränkt.

Seit Mitte Dezember sind die Balearen die Region mit den höchsten Infektionszahlen in ganz Spanien. Auf Mallorca ist die Lage besonders drastisch: Am Sonntag kletterte die 14-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen zwei Wochen, auf 607. Im spanischen Durchschnitt lag der Wert bei 249.

Mallorca: Strengere Maßnahmen verhängt

Um die Corona-Zahlen in den Griff zu bekommen, greifen ab 29. Dezember strengere Regeln auf der Insel: So müssen Restaurants, Bars und Cafés werktags bereits um 18 Uhr ihre Türen schließen – vier Stunden früher als bisher. Der Ausschank ist weiterhin nur im Außenbereich oder außer Haus möglich, wie die „Mallorca Zeitung“ schreibt.

Die Maßnahmen waren auf Mallorca erst am 14. Dezember verschärft worden. Der Ladenschluss wird von 22.00 Uhr auf 20.00 Uhr weiter vorgezogen. Ausgenommen sind Supermärkte und Läden für den Grundbedarf, zu denen etwa Tankstellen zählen. Strengere Auflagen gibt es auch für Einkaufszentren und große Geschäfte mit mehr als 700 Quadratmetern Verkaufsfläche. Sie müssen an den Wochenenden und an den Feiertagen schließen. Zudem gilt weiterhin eine nächtliche Ausgangssperre ab 22 Uhr – auch an Silvester.

Balearische Ministerpräsidentin: Corona-Risiko „extrem hoch“

Die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol teilte am Sonntag mit, dass die neuen Restriktionen zunächst bis zum 11. Januar gelten sollen. Das Corona-Risiko sei auf der Insel „extrem hoch“, warnte die sozialistische Politikerin. Die Zahl der Covid-Patienten auf der Intensivstation sei in einer Woche um 35 Prozent auf 69 gestiegen.

Man müsse deshalb „so weit wie möglich Nachlässigkeit und Menschenansammlungen verhindern.“ Hotels und Pensionen bleiben weiterhin geöffnet. Auch Strände und Parks können weiterhin besucht werden – allerdings nur in der Zeit zwischen 7 und 21 Uhr.

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Auf Mallorca ist die Nachfrage nach Hilfsleistungen noch nie so groß gewesen wie im Jahr 2020, berichtete am Sonntag die Regionalzeitung „Diario de Mallorca“. Das gehe unter anderem auch aus Berichten von Mitarbeitern des Roten Kreuzes hervor, hieß es. Allein in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres seien rund 52.000 Hilfspakete mit Lebensmitteln, Hygiene- und Putzartikeln verteilt worden, zitiert das Blatt Juana Lozano, die für die Mittelmeerinseln zuständige Koordinatorin der medizinischen Hilfsorganisation.

Auch die Mittelschicht ist von Armut bedroht

Die Schlangen vor den Tafeln werden Medienberichten zufolge sowohl in der Hauptstadt Palma als auch in den anderen Gebieten der Insel länger. Bei den Bedürftigen stellen Obdachlose und Bewohner von Problemvierteln längst nicht mehr die Mehrheit. Auch viele Rentner und Familien der Mittelklasse sind betroffen. Die Balearen und die Kanaren wurden besonders hart von den coronabedingten Reiseeinschränkungen getroffen.

In beiden Regionen ist der Tourismus normalerweise für 35 Prozent des Nationaleinkommens verantwortlich. Auf den Balearen fiel etwa die Zahl der ausländischen Besucher zwischen Januar und Oktober nach einer jüngsten Mitteilung der Statistikbehörde INE um mehr als 87 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

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Wie wird auf Mallorca geimpft?

Auf der Insel hat das Impfen bereits begonnen. Wie die „Mallorca Zeitung“ berichtet, sollen in den kommenden Wochen täglich zwischen 500 und 1000 Impfungen verabreicht werden. Als erste Kandidatin hatte am Sonntag eine 94-jährige Bewohnerin eines Seniorenheims in Palma die Spritze bekommen. Nach Angaben der Zeitung sollen auf Mallorca im ersten Schritt zunächst Bewohner von Pflegeheimen, Angestellte im Gesundheitssektor und zuhause lebende Pflegebedürftige geimpft werden.

Impfzentren wie in Deutschland soll es nicht geben: Die auf Mallorca flächendeckend vorhandenen Gesundheitszentren seien ausreichend, um die Inselbewohner nach und nach zu impfen. Die für die Lagerung des Impfstoffs nötigen Tiefkühlgeräte wurden laut „Mallorca Zeitung“ bereits vor rund zwei Wochen angeschafft. (raer/mit dpa)