Viertelfinale

Rose im Fokus bei Pokal-Duell der Borussias

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Besondere Konstellation: Trainer Marco Rose tritt mit Gladbach im Pokal gegen seinen zukünftigen Club BVB an.

Besondere Konstellation: Trainer Marco Rose tritt mit Gladbach im Pokal gegen seinen zukünftigen Club BVB an.

Foto: dpa

Mönchengladbach  Marco Rose ignoriert die Brisanz im Pokal-Duell der Borussias aus Mönchengladbach und Dortmund aufgrund seines Wechsels im Sommer zum BVB.

Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund - allein die Paarung verspricht größte Brisanz im DFB-Pokal-Viertelfinale am heutigen Dienstag (20.45 Uhr/ARD und Sky). Doch die wird diesmal durch die Personalie Marco Rose noch einmal getoppt.

Vor zwei Wochen gab der aktuelle Gladbach-Coach bekannt, dass er im Sommer per Ausstiegsklausel nach Dortmund wechselt. Seitdem ist die Unruhe groß am Niederrhein. Gladbach verlor die folgenden drei Pflichtspiele, dabei sogar in der Liga gegen Abstiegskandidat Mainz 05. Die Fans fordern die sofortige Trennung von Rose. Das lehnt Sportchef Max Eberl kategorisch ab. Dabei droht die rheinische Borussia alles zu verspielen. In der Champions League droht das Aus gegen Manchester City, in der Liga verlor Gladbach den Anschluss. Der Pokal scheint die letzte Chance auf einen Erfolg im Sommer.

Ganz anders der BVB. Seit der Roses Verpflichtung klar ist, spielen die vormals verunsicherten Dortmunder befreit auf und siegten in drei Spielen dreimal. Heute sind die Westfalen, die Ende Januar in der Bundesliga noch 2:4 in Gladbach verloren, klarer Favorit.

SITUATION VON ROSE: Die Besonderheit der Konstellation versucht Rose zu ignorieren. Gereizt reagierte der 44-Jährige auf entsprechende Fragen. Das Spiel sei eine große Chance für seine aktuelle Borussia. "Nur das sehen wir. Alles andere ist Wurst", meinte Rose, der an anderer Stelle "ist mir egal" bellte. "Es geht in keinster Form um Marco Rose", sagte er zudem. "Es geht um Ziele. Es geht um Borussia Mönchengladbach." Nur sind genau diese Ziele in akuter Gefahr.

HISTORIE: Vor allem die Pokal-Historie der Gladbacher ist voll mit Anekdoten rund um prominente Wechsel - von Spielern. Der bekannteste Fall ist der von Günter Netzer, der 1973 zu Real Madrid wechselte. Trainer Hennes Weisweiler nahm seinem Star-Spieler dies so übel, dass er ihn im Pokalfinale gegen den Erzrivalen 1. FC Köln auf der Bank ließ. Zur Verlängerung wechselte Netzer sich selbst ein und schoss wenig später mit einem fulminanten Schuss in den Winkel das 2:1-Siegtor. Bis heute einer der größten Mythen Gladbachs.

MATTHÄUS: Mit Spielen gegen Gegner, die einen der Gladbacher Stars abwarben, gab es dagegen unschöne Erinnerungen. 1984 im Pokalfinale in Frankfurt kam es gegen den FC Bayern zum Elfmeterschießen. Der junge Lothar Matthäus trat in seinem letzten Spiel für die Borussia zum ersten Elfmeter an und verschoss. Ausgerechnet gegen den Verein, zu dem er danach wechselte. Die Gladbach-Fans verziehen ihm das nicht und unterstellten Absicht, dabei war Matthäus' Elfmeter gar nicht entscheidend für den Pokalsieg der Bayern. In Gladbach aber wurde Matthäus noch Jahre später als "Judas" beschimpft.

DANTE: Fast 30 Jahre später kommt es 2012 zu einer ähnlichen Konstellation. Wieder treten Gladbach und die Bayern zum Elfmeterschießen an. Diesmal im Pokal-Halbfinale. Abwehrspieler Dante, seit Wochen von den Bayern umworben, tritt an und verschießt wie einst Matthäus. Ebenfalls war es nicht der entscheidende Schuss. Und doch ist es vorbei mit der Zuneigung der Gladbach-Fans, als später tatsächlich der Wechsel nach München bekannt wird. Die Anhänger übermalen gar Dantes Konterfei am Fanhaus nahe des Stadions.

Ganz zu vergleichen sind diese Fälle mit heute indes nicht. Erstens ist der künftige BVB-Coach bei den meisten Anhängern schon vor dem Pokalmatch gegen die Dortmunder unten durch und zweitens steht Rose als Spieler gar nicht auf dem Feld. Dennoch ist der Druck immens.

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