Obst

Warum Kartoffeln so günstig sind und Paprika so teuer

Beate Kranz
| Lesedauer: 5 Minuten
Steigende Preise für Paprika, fallende Preise für Kartoffeln: Was für Gemüse und Obst bezahlt werden muss.

Steigende Preise für Paprika, fallende Preise für Kartoffeln: Was für Gemüse und Obst bezahlt werden muss.

Foto: Fleig / Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Berlin.  Sparen beim Einkaufen: Kartoffeln und Gurken sind viel günstiger als im Vorjahr, Paprika und Porree dagegen teurer. Was ist da los?

Beim Einkaufen trauen viele ihren Augen nicht: Kartoffeln sind günstig wie lange nicht, Paprika und Porree dagegen umso teurer. Insgesamt müssen Verbraucher aktuell im Schnitt 1,6 Prozent mehr für Lebensmittel ausgeben - doch dies wirkt sich ganz unterschiedlich auf einzelne Sorten aus.

Kartoffeln gelten als kalorienarm, reich an Kohlenhydraten, Eiweiß und Vitaminen – also nahrhaft und gesund. Was sie in diesen Tagen für Verbraucher beim Einkaufen im Supermarkt, Discounter oder auf dem Wochenmarkt besonders attraktiv macht: Sie sind so richtig preisgünstig.

Kartoffeln kosten nur 80 Cent pro Kilogramm

Zum Leidwesen der Bauern erlebten Kartoffeln einen drastischen Preisverfall: Die Knollen kosten mit rund 80 Cent je Kilo 19 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie eine Studie der Agrarmarkt Information (AMI) für März zeigt. Auch Salatgurken sind 20 Prozent günstiger.

Bei Gemüse muss man dagegen manchmal zweimal aufs Preisschild schauen, um es zu glauben. Im Schnitt verteuerte es sich im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent. Die größten Ausreißer nach oben: Porree kostet 147 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Pro Kilo werden 3,08 Euro verlangt, nach nur 1,25 Euro im Jahr zuvor. Manche Märkte nehmen 95 Cent je Stange.

Kühle Temperaturen verteuern Paprika und Porree

Schuld an der Preisexplosion sind die kühlen Temperaturen und Fröste in den Anbaugebieten in Südeuropa wie Spanien. Teuer ist deshalb auch Paprika: Hier verlangt der Handel im Schnitt 7,12 Euro, fast doppelt so viel wie im Vorjahr.

„Schwankungen bei Obst und Gemüse gehören grundsätzlich zum Alltag. Oft sind es die Witterungsbedingungen in den Anbauländern, die Ernten geringer oder besser ausfallen lassen und sich entsprechend auf die Preise auswirken“, erläutert der AMI-Experte Hans-Christoph Behr. Denn: Deutschland ist bei vielen Arten zu gewissen Zeiten wesentlich auf Importe angewiesen.

Warum Pommes frites in Corona-Zeiten die Kartoffelpreise drücken

Die Kartoffelpreise sind vor allem Opfer des Wandels in Corona-Zeiten: Durch die eingeschränkte Gastronomie ist im vergangenen Jahr die Herstellung von tiefgekühlten Pommes frites geradezu eingebrochen. „Auch wenn die privaten Haushalte dafür deutlich mehr Kartoffeln zum Kochen kauften, konnte dies die Absatzrückgänge von Restaurants und Imbissen nicht ausgleichen“, erläutert der AMI-Experte.

Hinzu kam, dass die deutschen Bauern den Kartoffelanbau auf ihren Feldern um 1,2 Prozent auf 275.000 Hektar erhöht hatten. Die Ernte war mengenmäßig entsprechend üppig, doch die Preise niedrig. Statt 20 Euro je 100 Kilo festkochende Kartoffeln bekamen die Bauern gerade mal 11 Euro. Und die Preise erholen sich auch in diesem Jahr nur langsam von ihren Tiefständen.

Viel Obst und Gemüse wird nach Deutschland importiert

Hierzulande wachsen Obst und Gemüse gerade mal auf einem Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Der heimische Anbau deckt rund ein Drittel des Gemüsebedarfs. Mehr als die Hälfte davon entfallen auf Möhren, Speisezwiebel, Weißkohl und Salate. Tomaten, Gurken und Paprika werden vor allem in Treibhäusern gezüchtet. Gerade im Winter wird mehr Gemüse importiert. Im Sommer sind es vor allem Gurken, Tomaten, Paprika und Auberginen.

Bei Obst wird etwa ein Fünftel des heimischen Bedarfs von deutschen Feldern gedeckt. Von den zehn meistverkauften Obstsorten werden nur drei in Deutschland angebaut: Äpfel, Birnen und Erdbeeren. Äpfel sind dabei mit gut 75 Prozent die wichtigsten Früchte, so das Bundeslandwirtschaftsministerium. Bananen, Pfirsiche, Melonen und Trauben sowie Exoten wie Avocados, Mangos und Ananas werden auch im Sommerhalbjahr in großer Menge importiert, so Behr.

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Eier und Milchprodukte steigen auch im Preis

Wegen kühler Nächte und vieler Niederschläge war das Angebot von Erdbeeren aus Spanien und Italien zuletzt begrenzt. Birnen kosteten unterdessen aufgrund größerer Ernten mit rund zwei Euro das Kilo 19 Prozent weniger. Trauben, die vielfach aus Südafrika und Indien kommen, waren 12 Prozent günstiger. Dasselbe gilt für Zitrusfrüchte wie Mandarinen, Zitronen oder Grapefruits.

Mehr Geld müssen Verbraucher für Eier (plus 6,3 Prozent), Brot und Kleingebäck (4,1 Prozent) und Äpfel (6 Prozent) bezahlen. Auch Erdbeeren sind 15 Prozent teurer und Himbeeren sogar 38 Prozent.

Für Milchprodukte müssen die Konsumenten ebenfalls tiefer in die Tasche greifen. Das 250-g-Päckchen Markenbutter verteuerte sich im März auf 1,45 Euro – und kostet damit 10 Cent mehr als im Vorjahr. Bio-Butter stagniert bei 2,29 Euro für diese Menge. Für Fleisch zahlt man dagegen knapp ein Prozent weniger, so die AMI-Berechnungen.

Lebensmittel werden nicht knapp - wenn die Grenzen offen bleiben

Insgesamt muss sich aber niemand um eine ausreichende Lebensmittelversorgung sorgen. Die Regale seien gut gefüllt, es gebe keine Anzeichen für Knappheit, sagte der Sprecher des Bundesverbands Lebensmittelhandel (BVLH), Christian Böttcher: „Es gibt aktuell keine Lieferengpässe. Die Lieferketten in Europa sind durch Corona nicht beeinträchtigt. Wichtig ist, dass die Grenzen offen bleiben.“

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