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Amorelie-Chefin: „Am Anfang bin ich auch immer rot geworden“

Berlin.  Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer und Designerin Marina Hoermanseder sind wesensverwandt – jetzt haben sich beide zusammengetan.

Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer (l.) und Designerin Marina Hoermanseder stellen ihre Kooperation vor.

Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer (l.) und Designerin Marina Hoermanseder stellen ihre Kooperation vor.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Service

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Die eine ist mit ihrem Label das Aushängeschild der Berliner Fashion Week, die andere machte Sextoys salonfähig. Zum sechsten Geburtstag ihres Onlineshops Amorelie hat Gründerin Lea-Sophie Cramer sich Designerin Marina Hoermanseder ins Boot geholt.

Für den Amorelie-Adventskalender, der in diesem Jahr erstmals in drei Versionen erscheint, hat die gebürtige Österreicherin drei Accessoires entworfen. Ein Hals-oder Armband, eine Kosmetik- oder Toytasche und eine Schlafmaske – alle im typischen Hoermanseder-Design mit der ikonischen Schnalle. Im Interview sprechen die Beiden über Feminismus, lebensverändernde Orgasmen und ihre Freundschaft.

Wenn man sich Ihre beiden Produkte und Philosophien anschaut, fragt man sich eigentlich: Warum jetzt erst diese Zusammenarbeit?

Marina Hoermanseder: Gut Ding brauchte in diesem Fall eine Weile.

Lea-Sophie Cramer: Marina war vor zwei Jahren einmal bei einem Event von uns, ohne dass wir uns kennengelernt haben. Erst eine gemeinsame Bekannte hat sie mir dann für eine Zusammenarbeit vorgeschlagen. Also haben wir uns mit einem Video bei ihr beworben, in dem wir ihr erzählt haben, wie toll wir sie finden. Beim ersten Meeting hat es dann sofort gepasst. Wir haben einen sehr ähnlichen Anspruch an Qualität und Design.

Auch einen ähnlich entspannten Umgang mit dem Thema Sex?

Hoermanseder: Ich bin da privat und beruflich sehr entspannt. Modedesigner haben ja auch Sex – wenn sie Zeit dafür haben. Ich bewundere Lea trotzdem dafür, wie sie manche Wörter ausspricht, ohne rot zu werden. Ich glaube, das ist hartes Training.

Cramer: Am Anfang bin ich auch immer rot geworden. Vibrator fand ich schon doof, mit anal brauchte man mir gar nicht kommen. Jetzt ist es mein Alltag. Ich muss ja nicht darüber sprechen, was ich privat nutze. Aber dass es Sachen gibt, die zusammen Spaß machen, das ist doch toll.

Hoermanseder: Amorelie hat mir überhaupt erst gezeigt, was es für eine Produktvielfalt gibt. In einen Beate-Uhse-Shop wäre ich einfach nie hineingegangen. Deshalb sollte man sich doch entspannen und sich freuen, was es alles im Angebot gibt, um mir eine Freude zu machen.

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Sie outen sich also offiziell als Amorelie-Kundin?

Hoermanseder: Klar. Das ist auch ein Grund, warum ich zur Kooperation für den Adventskalender sofort zugesagt habe. Weil ich ihn kannte. Ich hatte vorher ehrlich gesagt überhaupt keine Erfahrung mit Sextoys. So kann man ganz viel ausprobieren. Wenn man mit 24 Produkten überrascht wird, bekommt man einen ganz anderen Zugang als wenn man sich bewusst für eins entscheidet. Ich bin Fan.

Verraten Sie Ihr Lieblingsprodukt?

Hoermanseder: Der Womanizer. Der hält, was er verspricht. Laut Statistik kommen über 90 Prozent aller Frauen damit innerhalb von fünf Minuten zum Orgasmus. Da kann man doch nur „Juhu“ schreien.

Cramer: Wir bekommen wirklich viele Mails von Frauen über 30, die sagen, dass sie vorher noch nie einen Orgasmus hatten. Man muss sich mal überlegen, was das dann für diese Frauen bedeutet. Das ist doch lebensverändernd. Dein Finger wird halt nie vibrieren.

Welche Rolle spielt für Sie jeweils Feminismus oder Female Empowerment?

Hoermanseder: Sehr wichtig. Wir haben uns ja auch zusammen getan, um diese Nachricht zu verbreiten. Einer der Kalender, der „For Her“, ist explizit von Frauen für Frauen. Ich denken, was uns beide ausmacht, ist, dass wir unseren Feminismus nicht mit der Brechstange durchdrücken. Was ich manchmal schwierig finde, ist, dass im Feminismus manchmal das Weibliche zu kurz kommt. Wir sind weibliche, sexy Feministinnen. Das funktioniert nicht mit der Faust. Oder wenn, dann mit einer Faust mit lackierten Fingernägeln.

Cramer: Es geht auch nicht gegen Männer, sondern für Frauen. Gerade auch beim Gründen. Ich denke, wir sind beide Fans von Männern. Das macht es leichter.

Sie stellen beide in der Öffentlichkeit immer wieder sehr die Leistung Ihres Teams in den Vordergrund. Ähneln Sie sich auch in Ihrem Stil als Unternehmerinnen?

Hoermanseder: Es beruhigt mich oft zu hören, wenn Lea mir sagt, dass die Probleme, die ich in einem 15-Mann-Unternehmen habe, mit 180 Mitarbeitern genau die gleichen sind. Das macht mir Mut. Jeder hat Baustellen, keine Firma ist perfekt. Aber ich denke, wir haben beide ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu unseren Mitarbeitern. Wir stehen hinter ihnen und umgekehrt. Das merkt man auch in der Zusammenarbeit. Wir sind dann nicht zwei Unternehmen, sondern für dieses Projekt ein Team.

Cramer: Jede von uns hat den Anspruch, dass am Ende das bestmögliche Produkt herauskommt. Mit Nachtschicht und auch, wenn es mal wehtut.

Was mögen Sie persönlich aneinander?

Hoermanseder: Ich weiß nicht, ob ich das alles so schaffen würde wie Lea mit zwei Kindern. Das finde ich wahnsinnig bewundernswert. Sie ist bis Mitternacht in der Firma und bringt morgens um sieben ihren Sohn zum Kindergarten und macht dabei noch eine Instastory wie happy sie ist, nach vier Stunden Schlaf. Das ist für mich Frauenpower.

Cramer: Marina hat eine unglaubliche Menschlichkeit. Sie ist herzlich und egolos. Wenn sie jemanden toll findet, hängt sie sich für diesen Menschen richtig rein. Sie gibt Loyalität und bekommt das deshalb auch zurück.

Hoermanseder: Hätten wir uns unter anderen Umständen kennengelernt, wären wir auch Freundinnen geworden.

Dieser Text erschien zuerst auf www.morgenpost.de.

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