Ukraine-Krieg

Welche Spenden für die Ukraine am sinnvollsten sind

Hanna Gersmann, Diana Zinkler
| Lesedauer: 6 Minuten
Russische Armee bombardiert Zentrum von Charkiw

Russische Armee bombardiert Zentrum von Charkiw

Die russische Armee hat das Zentrum der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw bombardiert. In das Gebäude der Regionalverwaltung schlug eine Rakete ein, die Innenstadt war anschließend von Trümmern übersät.

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Berlin.  Die Menschen in der Ukraine leiden unter den Folgen des Kriegs und sind auf Spenden angewiesen. So kann man sie am besten unterstützen.

„Wir müssen in diesen Tagen erleben und hilflos zusehen, wie ein souveräner Staat mitten in Europa angegriffen wird. Opfer dieser unerträglichen und durch nichts zu rechtfertigenden Aggression sind die Menschen in der Ukraine, die jetzt umgehend unsere Hilfe benötigen.“ Mit diesen Worten wandte sich vor wenigen Tagen Oberarzt Hauke Frercks vom Flensburger Franziskus Hospital per Instagram an die Öffentlichkeit. Man wolle Geld sammeln für dringende medizinische Hilfen, die für die Versorgung von Schwerverletzten und Verwundeten notwendig sind.

Eine Mitarbeiterin des Krankenhauses, die aus der Ukraine stammt, stellte den Kontakt zu Kliniken rund um die ukrainische Stadt Iwano-Frankiwsk her. Montagabend hatten die Flensburger Ärzte schon 25.000 Euro gesammelt.

In Erfurt sammelt der Verein Ukrainischer Landsleute seit Tagen Lebensmittel und Sachspenden und fährt sie in die Ukraine. Auf dem Rückweg nimmt der Konvoi Ukrainer mit und bringt sie bei Privatleuten in Thüringen unter. Der Malteser Hilfsdienst aus Nordrhein-Westfalen hat Zelte, Feldküchen, Rollstühle und medizinisches Hilfsmaterial in sechs Städte der Ukraine gebracht. Das Rote Kreuz in Berlin fuhr am Dienstag Material in die Nähe der polnisch-ukrainischen Grenze, um es von dort aus weiter verteilen zu lassen.

Es sind konkrete Aktionen wie diese, mit denen Menschen aus ganz Deutschland ihre Verbundenheit und Unterstützung ausdrücken. Doch bei jeder Spende, ob Geld oder Sachspende, stellen sich die Fragen: Wie sinnvoll ist sie? Und kommen die Spenden auch bei den richtigen Personen an?

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Sachspenden: Feldbetten und Arbeitskleidung können gespendet werden

„Im Moment lässt sich den Menschen in der Ukraine am besten mit Geldspenden helfen“, sagt Mathilde Langendorf von der Caritas. Sachspenden müssten sortiert und gelagert werden. Nicht jede Organisation habe dafür Platz. Und die personellen Ressourcen seien im Moment woanders besser eingesetzt, etwa bei der Planung der Hilfe.

Eine Ausnahme könnten große Sachspenden etwa von Unternehmen sein. „Großspenden, die bei den logistischen Aufgaben helfen – Fahrzeuge, auch Feldbetten sowie Arbeitskleidung in großen Mengen – sind sicherlich hilfreich“, sagt Langendorf. „Die einzelne Jacke, bei der geguckt werden muss, wem sie passen könnte, eher nicht. Das kommt erst in einem zweiten Schritt. Wenn wir wissen, dass da zum Beispiel eine Familie mit drei Kindern ist, die ein Kinderbett und alle Kleidung brauchen.“

Die „klassische Hilfsarbeit“ in einem Kriegsgebiet

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das Seriosität, Transparenz und Kompetenz von Spendenorganisationen bewertet, bietet Orientierung in Form von konkreten Informationen zur „Nothilfe Ukraine“. Diese werden laufend erweitert und angepasst. Dafür überprüft das DZI Organisationen im Besonderen hinsichtlich ihrer Kompetenzen in der Ukraine.

UN-Organisationen wie das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen beispielsweise sind den Angaben zufolge bereits seit vielen Jahren in der Ukraine tätig, die Uno-Flüchtlingshilfe sei deshalb eine der Organisationen, die das DZI-Spendensiegel tragen. Und auch die Caritas ist schon seit Jahren im Osten des Landes präsent, erklärt Mathilde Langendorf. Seit mehreren Wochen hätten sich die Kolleginnen und Kollegen auf das Schlimmste vorbereitet. „Sie unterstützen jetzt Flüchtende mit Feldküchen, mit Hygieneartikeln, mit Decken und Übernachtungsmöglichkeiten, auch mit psychologischer Hilfe. Es ist die klassische Hilfsarbeit in einem Kriegsgebiet.“

Siegel allein sind Experten zufolge nicht ausschlaggebend

Neben dem DZI vergibt etwa auch der Deutsche Spendenrat entsprechende Label für seriöse Organisationen. „Siegel, Zertifikate oder Label sind zwar unterschiedlich aussagekräftig, aber insgesamt eine gute Entscheidungshilfe“, sagte DZI-Chef Burkhard Wilke der Wochenzeitung „Die Zeit“. Sie seien aber nicht allein ausschlaggebend: „Eine kleine Organisation, deren Verantwortliche ich kenne und denen ich vertraue, kann auch ohne Siegel eine gute Spendenadresse sein.“

Wer sich nicht für eine Initiative oder Organisation entscheiden will, kann auch an Bündnisse aus Hilfsorganisationen spenden – Aktion Deutschland Hilft etwa oder an Bündnis Entwicklung Hilft. Diese haben mehr als 20 Mitglieder. Ihr Ziel ist es, Kräfte zu bündeln und so schneller und wirkungsvoller helfen zu können.

Sicheres spenden: Eine Checkliste dazu gibt es im Internet

Darüber hinaus gibt es auch in den sozialen Netzwerken zahlreiche Spendenaufrufe. Nicht immer aber sind die Organisationen, die dort empfohlen werden, nach Angaben des DZI sorgfältig ausgewählt. Wer spenden möchte, sollte die Organisationen daher im Zweifel selbst prüfen. Das DZI hat dazu eine Checkliste für sicheres Spenden erstellt, die im Internet einsehbar ist. Ist die Organisation gemeinnützig? Fühlt man sich gut informiert? Gibt es eine Kontaktadresse für Fragen? Anhand solcher Fragen werden Spendenwillige zum Prüfen angeleitet.

Und was ist, wenn Menschen wenig Geld, aber Zeit haben und helfen wollen? „Dann kann ich mich bei einer Organisation in meiner Nähe melden und signalisieren, dass ich zur Verfügung stehe“, sagt Caritas-Mitarbeiterin Langendorf. Bald würden viele Menschen aus der Ukraine eintreffen und es würden Ehrenamtliche gebraucht. Keine gute Idee sei es hingegen, ins Auto zu steigen und etwa an die polnisch-ukrainische Grenze zu fahren, um Flüchtende abzuholen. Die Situation sei schon unübersichtlich genug, sagt Langendorf. „Sobald mehr Ukrainer hier sind, werden wir im Internet veröffentlichen, was wo nötig wird.“

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Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.