Pandemie

Corona-Krise: So kämpft das Gastgewerbe ums Überleben

Berlin.  Die Corona-Krise hat Gastronomen und Hoteliers in ganz Deutschland in die tiefste Krise der Nachkriegszeit katapultiert. Die Gründe.

Deutsche Wirtschaft erholt sich nach Corona-Einbruch schnell

Nach dem historischen Einbruch der Wirtschaftsleistung in der Corona-Krise sieht die Bundesregierung Anzeichen für eine Erholung. Auch der Arbeitsmarkt hat sich stabilisiert.

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Die Fernsehköchin Sarah Wiener ist nicht die Einzige. Neben ihr mussten bereits viele alteingesessene Gastronomen und traditionsreiche Hotels ihre Betriebe einstellen und Insolvenz anmelden. Und sie werden in der Branche nicht alleine bleiben.

Die Corona-Krise hat die Gastronomen und Hoteliers in ganz Deutschland in die tiefste Krise der Nachkriegszeit katapultiert. „Das Gastgewerbe kämpft ums Überleben“, beschreibt Guido Zöllick, Präsident des Dehoga-Bundesverbands, die Lage. „Unsere Betriebe waren die Ersten, die von den Folgen der Coronavirus-Ausbreitung betroffen waren, und werden in all ihren Betriebsformen die Letzten sein, die wieder öffnen dürfen.“

Corona-Krise: Schließung von Restaurants und Hotels hat Spuren hinterlassen

Die Absage großer Messen, die vorübergehende Schließung von Restaurants und Hotels haben in der Wirtschaftskraft der Unternehmen gravierende Spuren hinterlassen. Auch wenn viele Betriebe mittlerweile wieder öffnen dürfen, so geht dies nur mit deutlich geringerer Platz- und Zimmerbelegung – und damit auch weiterhin nur mit Umsatzeinbußen. Und dies sogar in Urlaubsregionen. Bars und Diskotheken sind unterdessen weiterhin geschlossen. Und noch entscheidender: Viele Messen, Sport- und Kulturveranstaltungen entfallen – und damit auch das Arbeitsfeld der Caterer und vieler Gastronomen.

„61,6 Prozent der gastgewerblichen Unternehmer bangen um ihre Existenz“, berichtet Zöllick. Zwischen März und August büßten die Betriebe 55,8 Prozent Umsatz ein. Dies habe eine aktuelle Umfrage unter 5600 Verbandsmitgliedern ergeben. Allein für die Monate März bis Juni summiert sich der Umsatzverlust auf 17,6 Milliarden Euro. Das Statistische Bundesamt beziffert den Umsatzrückgang für die Gesamtbranche im ersten Halbjahr auf 38,5 Prozent. Die Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges schätzt den Umsatzrückgang für das Gesamtjahr auf 40 bis 45 Prozent.

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Am stärksten trifft der Rückgang Hotels und Pensionen: Aufgrund von Reisewarnungen und fehlender Gäste ist die Zahl der Übernachtungen im ersten Halbjahr um 47,1 Prozent eingebrochen. Aus dem Ausland sind allein 60,5 Prozent weniger Reisende gekommen.

36.000 Beschäftigte haben ihre Jobs verloren

Getränkegeprägte Betriebe – wie Bars und Kneipen – büßten 44,1 Prozent des Umsatzes ein, Speisegaststätten haben einen Rückgang von 33,3 Prozent verzeichnet. Caterer verbuchen ein Umsatzminus von 33,1 Prozent. Die Krise erfasst aber auch Partner der Branche wie Brauereien, Ausstatter, Wäschereien und Veranstalter mit voller Wucht.

Ganz besonders hart aber trifft es die Beschäftigten. Die Gastronomie ist bundesweit mit rund 2,4 Millionen Mitarbeitern in etwa 220.000 Betrieben ein wichtiger Wirtschaftsfaktor – neben seiner großen gesellschaftlichen Bedeutung als sozialer Treffpunkt.

Zwischen April und Juli haben 36.000 Beschäftigte in der Branche ihren Job verloren – so viele wie in keiner anderen Branche. Eine Million Mitarbeiter mussten in der Hochphase des Lockdowns im März und April in Kurzarbeit gehen – und damit mehr als 90 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Obwohl Kurzarbeit für viele Betriebe bislang „absolutes Neuland“ war, so hilft sie, die Beschäftigung zu sichern, lobt Zöllick das Instrument sowie dessen Verlängerung bis Juni 2021.

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„Unsere Betriebe versuchen mit allen Kräften, ihre Mitarbeiter zu halten.“ Aktuell gelinge dies häufig noch: So liege die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten noch bei über einer Million Mitarbeiter.

„Die Branche braucht staatliche Hilfen“

Um die Krise zu überstehen, brauche die Branche aber weitere staatliche Hilfen, sagte Zöllick. Fast zwei Drittel der Betriebe berichten, dass die Unterstützung nicht ausreiche. „Um eine Pleitewelle ungekannten Ausmaßes zu verhindern“, fordert der Dehoga-Präsident, dass die Überbrückungshilfen nachgebessert werden müssten. Das gelte vor allem für den bürokratischen Aufwand, wichtig sei aber auch eine höhere Abdeckung der laufenden Kosten.

So sollte jeder Betrieb – als Arbeitsstätte – Anspruch auf Überbrückungshilfe haben, fordert Zöllick. Aktuell würden mittelständische Hotelgruppen von den Hilfen ausgeschlossen. Auch sollte den Unternehmern ein angemessener Lohn erstattet werden, anstatt sie auf die Grundsicherung zu verweisen. Weiter sollte das Miet- und Pachtrecht an die niedrigeren Umsätze angepasst werden. Zudem sollte die Mehrwertsteuer für Speisen und alkoholfreie Getränke dauerhaft gesenkt bleiben, so Zöllick.

Noch gibt es keine genauen Zahlen, wie viele Betriebe schon Insolvenz angemeldet haben, sagt Hartges. Doch die Zahl dürfte spätestens im Oktober mit dem Auslaufen der Corona-Insolvenzsonderregelung in die Höhe schnellen. Deshalb komme es jetzt darauf an, so Zöllick, „die Betriebe zu stärken und alles dafür zu tun, um ihnen eine Zukunftsperspektive zu geben“.

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