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Post rüstet sich für Weihnachten: Das müssen Kunden wissen

Berlin.  Die Deutsche Post rechnet damit, dass an Weihnachten wegen Corona mehr Pakete verschickt werden, als je zuvor. Das müssen Sie wissen.

Wegen der Corona-Pandemie rechnet die Deutsche Post an Weihnachten mit einem Rekordaufkommen. Bereits jetzt laufen die Vorbereitungen dafür.

Wegen der Corona-Pandemie rechnet die Deutsche Post an Weihnachten mit einem Rekordaufkommen. Bereits jetzt laufen die Vorbereitungen dafür.

Foto: Bernd Wüstneck / ZB

  • Wegen der Corona-Pandemie werden an Weihnachten wohl zahlreiche Besuche entfallen
  • Die Deutsche Post rechnet deshalb damit, dass mehr Pakete verschickt werden als sonst
  • Im Interview spricht Post-Vorstand Tobias Meyer über erste Vorbereitungen des Konzerns und verrät, was Kunden wissen müssen

Die Corona-Krise hat dem Versand- und Onlinehandel einem Boom beschert. Auch die Deutsche Post arbeitet seit Krisenbeginn unter Höchstlast und verzeichnete bereits zu Ostern eine neue Rekordausfuhr.

Nun rüstet sich das Bonner Unternehmen für das Weihnachtsgeschäft – die traditionelle stärkste Geschäftszeit des Jahres. Tobias Meyer, Vorstand für Post und Pakete, gibt einen Ausblick, was Kunden beachten müssen, ob Preiserhöhungen drohen und wie es um die möglichen Pläne steht, die Auslieferung von aktuell sechs auf nur noch fünf Tage zu beschränken.

Die Corona-Krise hat zu einem Bestellboom im Internet geführt. Wie stark hat davon die Deutsche Post profitiert?

Tobias Meyer: Die Corona-Pandemie hat für uns zwei unterschiedliche geschäftliche Auswirkungen gehabt: Aufgrund des starken Anstiegs des Online-Handels ist die Zahl der Pakete zwischen 15 bis zeitweise 40 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sank die Zahl der Briefe, da typische Sendungsanlässe weggefallen sind. So wurden beispielsweise weniger Knöllchen verschickt, da weniger Auto gefahren wurde. Unternehmen versendeten im Frühjahr bis zu 50 Prozent weniger Werbesendungen.

Erwarten Sie einen neuen Rekord beim Paketaufkommen?

Meyer: In der Vorweihnachtszeit wird das Paket- und Briefvolumen wie in jedem Jahr deutlich steigen. Es ist die aufkommenstärkste Zeit. Auch der Black Friday wird für einen Schub sorgen. Von Ende November bis zu Weihnachten erwarten wir drei bis vier sehr starke Wochen mit rund 11 Millionen Sendungen an Spitzentagen gegenüber sonst im Schnitt 5,2 Mio. Sendungen. Pro Woche werden wir dann rund 50 bis 55 Millionen Pakete transportieren und damit unter Volllast fahren. Fürs Gesamtjahr erwarten wir ein Plus von knapp 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf rund 1,8 Milliarden Pakete. Bei Briefen rechnen wir mit einem Rückgang von etwa 10 Prozent.

Würde ein Lockdown mit Besuchsbeschränkungen zu Weihnachten das Aufkommen noch mal verstärken?

Meyer: Das ist durchaus denkbar, lässt sicher aber nicht sicher vorhersagen. Auch im März haben wir gesehen, dass sich solch einschneidende Maßnahmen zumindest temporär auch negativ auf die Konsumneigung auswirken können.

Wann müssen Pakete und Briefe spätestens in die Post, damit sie pünktlich zu Weihnachten ankommen?

Meyer: Weihnachten fällt in diesem Jahr auf einen Donnerstag. Wir empfehlen, dass Pakete spätestens am vorherigen Samstag, dem 19. Dezember, bis 12 Uhr abgegeben sein müssen, damit sie pünktlich den Empfänger erreichen. Für Briefe und Postkarten gilt der Einwurf am 22. Dezember vor der Leerung.

Müssen sich Kunden im Weihnachtsgeschäft auf Einschränkungen einstellen?

Meyer: Für uns wird dieser Starkverkehr auch wegen der Einschränkungen und Schutzmaßnahmen durch Corona sicherlich besonders herausfordernd. Sollte es regional zu Laufzeitverzögerungen kommen, hoffen wir auf Verständnis der Kunden. Im Frühjahr waren unsere Kunden sehr dankbar, dass wir den Betrieb aufrechterhalten konnten und selbst in Gebiete liefern konnten, die ansonsten abgeriegelt waren.

Stellen Sie neue Mitarbeiter ein, um die Paketflut zu bewältigen?

Meyer: Wir haben bereits im Frühsommer reagiert und 4.000 neue Kollegen in der Kernmannschaft eingestellt. Im Oktober haben wir 3.000 weitere Mitarbeiter eingestellt. Bis Jahresende werden wir in Zustellung und Sortierung 10.000 Mitarbeiter mehr an Bord haben – dazu zählen neben der Kernmannschaft dann auch Studenten, andere Aushilfskräfte und befristete Beschäftigte. Alle werden nach Haustarif der Deutschen Post bezahlt. Insgesamt haben wir bundesweit mehr als 110.000 Zusteller. Neu ist, dass wir in diesem Jahr verstärkt kleinere Pakete auch von Briefträgern zustellen lassen, um die Mengen zu bewältigen. Zudem werden wir auch mit mehreren Wellen über den Tag arbeiten, so dass unsere Zusteller in den kommenden Wochen häufiger auch noch abends klingeln werden.

Sind verlässliche Boten derzeit einfach zu finden?

Meyer: Insbesondere in Großstädten ist es nach wie vor schwierig, gut geeignete Mitarbeiter zu finden. Viele potenzielle Bewerber befinden sich derzeit mutmaßlich noch in Kurzarbeit und stehen damit dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung.

Die Post hat den Mitarbeitern angesichts der starken Belastung eine Corona-Prämie zugesagt. Wurde diese schon bezahlt?

Meyer: Die zugesagten 300 Euro wurden mit der September-Abrechnung überwiesen. Zudem wurde im Zuge des neuen Entgelttarifvertrags eine weitere 300 Euro-Einmalzahlung vereinbart.

Mussten Sie viele Menschen in Kurzarbeit schicken?

Meyer: Bei uns haben nur sehr wenige kurz gearbeitet. Wir haben Kollegen aber teilweise an anderen Arbeitsplätzen wie der Paketbearbeitung eingesetzt. Dies auch über die Unternehmensbereiche des Konzerns hinweg.

Gab es bei Zustellern der Post vermehrt Corona-Fälle?

Meyer: Wir haben im Konzern ein Infektionsgeschehen, das der Entwicklung in der Gesamtbevölkerung etwa entspricht. Betriebstätten mussten wir aber nicht schließen. Wir haben zahlreiche Schutzmaßnahmen im Einsatz, Luftfilteranlagen angeschafft und kontrollieren strikt die Maskenpflicht. In der Zustellung sind die Ansteckungsrisiken vergleichsweise gering, da die Kollegen zumeist alleine unterwegs sind. Die Zustellung wird durch das sogenannte 2-Wellenverfahren mit versetzten Dienstbeginnen entzerrt und dadurch Enge bei der Vorbereitung in den Zustellstützpunkten vermieden. Die kontaktlose Zustellung ohne Unterschrift wird bis auf weiteres fortgesetzt, denn auch unsere Kunden begrüßen es, dass sie Scanner und Stift nicht anfassen müssen.

Verschwinden durch die kontaktlose Zustellung vermehrt Pakete?

Meyer: Nein. Die Haftungsquote bewegt sich im Rahmen der vergangenen Jahre und wir gehen etwaigen Auffälligkeiten in gewohnter Konsequenz nach.

Planen Sie einen Ausbau der Paket-Abgabeboxen?

Meyer: Wir haben die Zahl der Packstationen bis Ende Oktober um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat auf 6100 ausgebaut, bis Jahresende sollen es 6500 sein und 2021 dann zumindest 7000. Diese sind gerade in Corona-Zeiten bei den Kunden sehr beliebt. Unser Angebot von privaten Paketboxen in Vorgärten fand dagegen gerade auch in ländlichen Gebieten keine breite Akzeptanz. Dies haben wir deshalb auch nicht weiter forciert.

Ein Problem kennt wohl jeder: Man erwartet ein Paket, doch der Paketbote wirft eine Benachrichtigung in den Briefkasten, obwohl man Zuhause ist. Wie wollen Sie diese Praxis verhindern?

Meyer: Solche Fälle können wir nur schwer aufklären. Wir hoffen natürlich, dass dies bei uns nicht allzu oft vorkommt. Aktuell werden vier Prozent der Empfänger nicht angetroffen. Ihre Pakete werden dann in die nächste Filiale oder Packstation gebracht.

Die Paketbranche arbeitet oft mit Subunternehmern, zum Teil zu sehr schlechten Konditionen. Wie sieht dies bei der Deutschen Post aus?

Meyer: Nur rund 2 Prozent unserer Sendungsmenge wird von Subunternehmern zugestellt. Wir stellen den ganz überwiegenden Teil mit eigenen Beschäftigten zu.

Die Post bezahlt seine Paket- und Briefzusteller nach Tarif. Wird dies in den nächsten 5 Jahren so beibehalten?

Meyer: Wir haben keinerlei Absicht, dies zu ändern oder den Haustarif in Frage zu stellen.

Seit Jahren ist immer wieder im Gespräch, dass Briefe durch eine Änderung des Postgesetzes nur noch an fünf statt an sechs Tagen zugestellt werden sollen. Wann wird das Realität?

Meyer: Zunächst: dieses Thema ist für uns weit weniger fundamental als die regelmäßige Berichterstattung darüber dies etwaig vermuten lässt. Europaweit ist die Fünf-Tage-Zustellung festgeschrieben. Es wäre sinnvoll, dass das deutsche Recht diesem Mindeststandard angepasst wird. Ob wir dann unsere Zustellung tatsächlich ändern, ist jedoch eine andere Frage und die Antwort muss auch nicht für alle Produkte gleichlautend sein. In der Praxis werden heute mehr als 90 Prozent aller Briefe gewerblich versendet. Da kaum ein Unternehmen am Wochenende arbeitet, ist die Briefmenge montags mit großem Abstand zu den anderen Wochentagen am geringsten. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern haben wir eine durchgängige Samstagszustellung – das heißt: die Briefe und Pakete der Vorwoche werden ganz überwiegend bereits am Samstag zugestellt.

Ein Blick in die Zukunft: Email, SMS und WhatsApp ersetzen heute viele persönliche Briefe. Wie lange wird es private Post oder Postkarten noch geben?

Meyer: Die wird es noch sehr lange geben – zumal neue Sendungsanlässe hinzukommen werden. Das Thema Briefwahl hat beispielsweise deutlichen Auftrieb erhalten. In einer Welt, in der es hohe Anforderungen an den Datenschutz gibt, hat der handgeschriebene Brief weiterhin seinen Platz. Und es gibt auch warentragende Briefprodukte. Aber natürlich erwarten wir dass die Anzahl der Sendungen, die Dokumente enthalten, weiter graduell sinkt.

Die Post setzt selbst verstärkt auf digitale Lösungen. Wird das angenommen?

Meyer: Der E-Postbrief, den Kunden digital versenden und den wir drucken und zustellen, ist noch ein kleiner Markt, der aber wächst. Seit Juli bieten wir zudem Kunden von web.de und gmx.de die digitale Briefankündigung an. Post-Empfänger werden dabei informiert, welche Sendungen sie im Laufe des Tages erhalten. Das Interesse daran ist sehr groß, eine halbe Million Kunden wollen sich dafür registrieren. Im nächsten Jahr soll dann noch die Möglichkeit der digitalen Kopie hinzukommen, mit der auf Wunsch auch der Inhalt digital angezeigt werden kann, wenn der Versender diese mit eingeliefert hat.

Hintergrund: Gmx und Web.de starten Briefankündigungen: Das steckt dahinter

Planen Sie Preiserhöhungen?

Meyer: Nein, für Privatkunden weder bei Briefen noch Paketen. Ich würde es grundsätzlich aber für richtig halten, wenn zum Beispiel die Preise für schwere Pakete erhöht werden könnten, da sie zu einer höheren körperlichen Belastung für unsere Beschäftigten führen. Dies war uns in diesem Jahr aufgrund regulatorischer Auflagen nicht möglich; es gibt dazu aber auch keine konkreten neuen Planungen. Mit Geschäftskunden haben wir für Paketsendungen individuelle Vereinbarungen, bei denen es auch in Abhängigkeit von der Entwicklung der Sendungsstruktur zu Anpassungen kommt.

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