Mobilität

Fahrrad per Abo – Swapfiets testet jetzt auch E-Mopeds

Berlin.  Swapfiets verspricht per Abo Radfahren ohne Sorgen vor Pannen. Jetzt testet das niederländische Unternehmen in Deutschland E-Mopeds.

7 Tipps: Besser Fahrrad fahren in der Stadt

Die Corona-Krise hat viele Deutsche aufs Rad gebracht. Was sollten Radfahrer in der Stadt beachten? Wir geben im Video sieben Tipps für besseres radfahren.

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Fahrräder per Abo dauerhaft leihen und sich keine Sorgen um Pannen und Reparaturen machen müssen – dieses Geschäftsmodell von zwei niederländischen Anbietern findet in Deutschland immer mehr Zuspruch. Die Start-ups Swapfiets und VanMoof haben innerhalb weniger Monate Zehntausende Kunden gewonnen. Jetzt will Swapfiets sein Angebot erweitern – und E-Mopeds anbieten.

Ein Testlauf mit E-Mopeds habe bereits vor wenigen Tagen in der deutschen Hauptstadt Berlin begonnen. „Es gibt in der Stadt unterschiedliche Entfernungen, für die die Menschen unterschiedliche Angebote nutzen“, sagt Geschäftsführer Marc van Pappelendam. Für kurze Strecken gebe es E-Tretroller, für längere Strecken das Fahrrad. „Und wenn man noch weiter fahren will, bietet sich ein E-Moped an.“

Swapfiets: Kunden können Fahrräder nutzen, als wären sie ihr eigenes

Neben Fahrrädern hat das Unternehmen die Tretroller mit Elektromotor bereits im Angebot. Jetzt kommen E-Mopeds dazu. Diese können ebenfalls nur über ein Abonnement gemietet werden.

Anders als bei bisher bekannten Anbietern von Leih-Fahrrädern oder E-Scootern können Kunden die Fahrräder von Swapfiets oder dem höherpreisigen Wettbewerber VanMoof nutzen, als wären es ihre eigenen. Sie müssen sich also nicht um die Grenzen des Geschäftsgebietes sorgen und können es nachts im Hinterhof abstellen.

Bei einem Defekt kommt ein Mitarbeiter vorbei und repariert das Rad vor Ort oder tauscht es aus. Bei Diebstahl wird eine deutlich geringere Gebühr fällig, als wenn ein neues Fahrrad gekauft werden müsste.

Bei den Angeboten der etablierten Wettbewerber wie der Deutschen Bahn oder Nextbike müssen die Räder dagegen nach Ende der Mietzeit an der Straße oder einer festen Station abgestellt werden. Dort kann ein anderer Nutzer sie dann wieder ausleihen – wer damit zum Einkaufen oder in einen Park fährt, kann sich also nicht sicher sein, dass das Rad für den Rückweg dort noch steht.

Gerade in der Corona-Krise sorgten sich viele Nutzer zudem um die Hygiene bei den Sharing-Diensten. Fraglich ist auch, was mit den erhobenen Daten passiert.

Bereits 50.000 Swapfiets-Kunden in 29 deutschen Städten

In Deutschland ist Swapfiets im Frühjahr 2019 gestartet. Seither expandiert das Unternehmen kräftig und hat nach eigenen Angaben hierzulande bereits rund 50.000 Kunden. Die Fahrräder mit dem markanten blauen Vorderreifen gibt es inzwischen in 29 Städten. „Zu unserer Zielgruppe gehörten zunächst vor allem Studenten, die etwa in einer neuen Stadt ein eigenes Rad haben wollten“, sagt Geschäftsführer van Pappelendam.

Inzwischen liege der Fokus stärker auf jungen Berufstätigen, die häufig umziehen. Im Schnitt werde ein Rad für etwa ein halbes Jahr vermietet. Die Fahrräder produziert das junge Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem holländischen Fahrradbauer Gazelle.

Bislang gibt es den Dienst in den Niederlanden, Deutschland, Dänemark und Belgien. Kürzlich kündigte Swapfiets an, nach London, Paris und Mailand expandieren zu wollen. Auf dem Heimatmarkt sei das Unternehmen bereits profitabel, sagen die Verantwortlichen.

Abo-Modell der Fahrrad-Anbieter findet Nachahmer

Das ebenfalls niederländische Start-up VanMoof baut seine hochwertigen, mit GPS-Sendern ausgestatteten E-Bikes und Räder selbst. Nachdem diese zunächst für mehrere Tausend Euro verkauft wurden, nutzt inzwischen die Mehrheit der Kunden ebenfalls das Fahrrad-Abo des Anbieters.

Die Angebote der Neulinge Swapfiets und VanMoof finden inzwischen Nachahmer in der Branche für geteilte Mobilität. Die VW-Tochter WeShare will noch im Sommer ein Abo für ihre Elektroauto-Flotte in Berlin anbieten. Kunden könnten die Fahrzeuge dann bei Bedarf über Wochen oder Monate am Stück ausleihen.

Das Unternehmen begründet den Schritt mit einem veränderten Nutzungsverhalten in der Corona-Krise. Die Nutzungsdauer habe sich deutlich verlängert, etwa weil Kunden mit dem Auto zum Einkaufen fahren.

Ein eigenes Fahrrad zu besitzen, steht bei den Menschen in Deutschland unterdessen weiterhin hoch im Kurs. Die Zweirad-Branche erfreut sich eines nie dagewesenen Booms. Nach Angaben des Verbands des Deutschen Zweiradhandels verzeichneten die Unternehmen im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum von bis zu zehn Prozent. (aky/dpa)