Ukraine-Krieg

Energieembargo: Warum Russland davon profitieren könnte

Alexander Klay
| Lesedauer: 2 Minuten
Habeck: Vor Energieembargo gegen Russland Voraussetzungen dafür schaffen

Habeck- Vor Energieembargo gegen Russland Voraussetzungen dafür schaffen

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat die Linie der Bundesregierung verteidigt, vorerst auf ein Gas- und Ölembargo gegen Russland zu verzichten. Zunächst müssten die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, sagte Habeck in Berlin.

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Berlin.  Kommt ein Energieembargo gegen Russland? So heftig würde ein Importstopp für Öl und Gas Firmen und Verbraucher in Deutschland treffen.

Ein sofortiger Importstopp von Erdgas und Erdöl aus Russland würde Wirtschaft und Haushalte in Deutschland massiv treffen – während Russland selbst wohl kaum Einbußen hätte. So ergaben neue Berechnungen der Bundesbank, dass die deutsche Wirtschaft im Fall eines Energieembargos in diesem Jahr in eine tiefe Rezession stürzen würde.

Die Wirtschaftsleistung könnte demnach um bis zu fünf Prozentpunkte niedriger ausfallen als in der jüngsten März-Prognose der Europäischen Zentralbank (EZB) angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Bundesrepublik würde gegenüber 2021 um zwei Prozent schrumpfen. In absoluten Zahlen wären das 165 Milliarden Euro. In den Jahren 2023/24 fiele die Wirtschaftsleistung jeweils um 110 Milliarden Euro geringer aus.

Doch nicht nur wegen hoher Belastungen für Wirtschaft und Privathaushalte warnt Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrats der CDU, vor einem Importstopp. „An einseitige Kündigungen von Kohle- und Erdöl-Lieferungen aus längerfristigen, preisgünstigen Verträgen dürfen wir nicht naiv rangehen. Russland dürfte davon sogar profitieren“, sagt Steiger.

Aus diesem Grund könnte ein Importstopp Russland nutzen

„Denn es könnte dann auf dem Weltmarkt für diese freigewordenen Mengen zum Teil zu exorbitant höheren Preisen als derzeit erzielen, unsere Energieversorger aber müssten die gestiegenen Weltmarktpreise anderer Lieferanten an die Endverbraucher weiterreichen.“ Mehr zum Thema: Kann ein Gas-Stopp Völkermord in der Ukraine verhindern?

Es sei wichtig, mit Hochdruck an einem ganzheitlichen Konzept für die Versorgungssicherheit zu arbeiten. „Dazu gehört vor allem ein kühler Kopf. Symbolpolitik braucht niemand“, sagt Steiger. Zumal nicht klar sei, welche finanziellen Folgen ein Embargo für Russland hätte. „Im schlechtesten Fall kommt es lediglich zur Verschiebung der Mengen auf dem Weltmarkt.“

Deutschland überweist 2022 Rekordsumme für Öl und Gas nach Russland

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace erwartet nach eigenen Berechnungen, dass Deutschland in diesem Jahr eine Rekordsumme für Energie an Russland überweisen wird. So dürften die Ausgaben für Öl im Vergleich zum Vorjahr von 11,4 auf 14,3 Milliarden Euro ansteigen. Für Gas dürften 17,6 statt 8,8 Milliarden Euro nach Russland fließen. Zwei Milliarden Euro kommen für Kohle hinzu. Für Kohle aus Russland hat die EU bereits einen Importstopp beschlossen.

Ein sofortiger Importstopp für Gas und Öl aus Russland trifft bei einer Mehrheit der Bevölkerung auf Zustimmung. In einer YouGov-Umfrage sprachen sich 49 Prozent dafür aus, 39 Prozent lehnten dies ab.

Dieser Artikel erschien zuerst auf abendblatt.de.