Unterkünfte

Ferienimmobilien: Geheimtipps für den Urlaub an der Küste

Steffen Preißler
| Lesedauer: 8 Minuten
Mit dem 9-Euro-Ticket direkt günstig an die Ostsee

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Hamburg.  In den touristischen Zentren explodieren die Preise. Doch abseits gibt es noch günstige Objekte zur Miete. Was man beachten sollte.

Wem schon beim Anstieg der Wohnimmobilienpreise in Großstädten schwindlig wird, der sollte nach Ferienimmobilien in den touristischen Zentren von Nord- und Ostsee erst gar nicht Ausschau halten. Urlaub im eigenen Land ist durch die Corona-Pandemie der vergangenen zwei Jahre so attraktiv wie nie zuvor.

Bei knapp jedem Vierten (24 Prozent) hat die Pandemie den Wunsch nach einer eigenen Ferienimmobilie vergrößert, wie aus einer repräsentativen Umfrage der Postbank hervorgeht. Unter den Befragten mit minderjährigen Kindern trifft dies sogar auf jeden Dritten (33 Prozent) zu.

Wie haben sich Preise und Nachfrage entwickelt? Werden steigende Zinsen den Preisanstieg bremsen? Welche Orte sind noch relativ günstig? Können mehrere zusammen eine Ferienimmobilie erwerben? Unsere Redaktion hat mit Experten gesprochen und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie haben sich die Preise in jüngster Zeit entwickelt?

An fast allen touristischen Orten an Nord- und Ostseeküste sind die Preise für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen zur Ferienvermietung weiter gestiegen, wie aus dem Marktbericht für Ferienimmobilien des Hamburger Maklers Engel & Völkers hervorgeht.

Selbst auf Sylt, wo die Preise bereits das höchste Niveau erreicht haben, gab es nochmals ein Plus von 16 Prozent bezogen auf die Spitzenpreise für Eigentumswohnungen. Von Poll Immobilien registriert sogar einen Preisanstieg von 21,7 Prozent für Einfamilienhäuser auf der Insel. „Die Nachfrage seitens der Käufer ist nach wie vor hoch an der Nordseeküste und das in allen Preissegmenten, wobei das Angebot in einigen Regionen stagniert. Das verstärkt die Preisdynamik zusätzlich,“ sagt Daniel Ritter, Geschäftsführender Gesellschafter bei von Poll Immobilien.

Nach der Preisübersicht von Engel & Völkers kosten Einfamilienhäuser auf Borkum in guter Lage mindestens 750.000 Euro, das sind 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Und auf Usedom beginnen die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen jetzt bei 5500 Euro, was einem Plus von 37 Prozent gegenüber 2021 entspricht. Zum Vergleich: In Hamburg verteuerten sich Wohnimmobilien im vergangenen Jahr um knapp zwölf Prozent.

Ferienhäuser: Werden die Preise weiter steigen?

„In den am meisten gefragten Orten an Nord- und Ostsee werden die Preise weiter anziehen, sagt Kai Enders, Mitglied der Geschäftsführung von Engel & Völkers. „Die stark steigende Inflation verstärkt den Wunsch der Immobilienanlage und wird unserer Erwartung nach dem negativen Effekt der steigenden Zinsen überkompensieren.“

Das gelte auch für Sylt, wo die Preise schon ein extrem hohes Niveau erreicht haben. Allerdings wollte Enders keine Zahl nennen, um wie viel Prozent die Preise nochmals anziehen sollen. Lesen Sie auch: 9-Euro-Ticket: Sylt warnt vor zu vielen Urlaubern an Nordsee

Urlaubskosten: Welche Auswirkungen haben die steigenden Preise?

Die Zahl derer, die sich die teuren Orte noch leisten können, ist begrenzt. Doch lediglich fünf Prozent der Deutschen haben bisher eine Ferienimmobilie, während sich 16 Prozent eine solche wünschen, wie aus der Postbank-Studie hervorgeht. „Wie in den Metropolen sehen wir auch in den Ferienregionen ein Ausweichen auf andere Ortschaften weiter im Landesinneren, die ein noch vergleichsweise moderates Preisniveau aufweisen“, sagt Enders.

Allerdings führt auch diese Entwicklung zu hohen zweistelligen Preissteigerungen auf noch relativ niedrigem Niveau. Das habe sich im vergangenen Jahr beispielsweise in Schortens und Dornum in der Region Ostfriesland gezeigt, so der Immobilienexperte. „Hier wurden bei den Angebotspreisen für Einfamilienhäuser ein Plus von mehr als 30 Prozent im Vorjahresvergleich verzeichnet. Trotzdem kann man in diesen Orten teilweise noch Immobilien zum Angebotspreis zwischen 200.000 und 600.000 Euro finden.“

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Urlaub: Gibt es noch Geheimtipps an der Küste?

„Es gibt Regionen wie Wismar oder Wilhelmshaven, die mit ihren Quadratmeterpreisen noch deutlich unter dem Durchschnitt der Top-Ziele liegen“, sagt Enders. So gibt es in der Region Wilhelmshaven Eigentumswohnungen ab 3000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Allerdings ist nicht überall eine Ferienvermietung erlaubt.

„Käuferinnen und Käufer sollten sich vorab bei der zuständigen Baubehörde informieren“, sagt Florian Schüler, Sprecher der Geschäftsführung von Postbank Immobilien. Von Poll Immobilien hat noch Standorte von unter 3000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche ausgemacht. „In Cuxhaven gelten Sahlenburg und Altenbruch durch die Nähe zur Elbe sowie Nordsee als Geheimtipp. Im Inland sind es Otterndorf, Cadenberge, Hemmoor, Oberndorf, Wingst, bestimmte Teile der Wurtser Nordseeküste und Bremerhaven“, sagt Robert Monien, Geschäftsstellenleiter bei von Poll Immobilien in Cuxhaven.

„Immer mehr Interessenten schauen auch ins Hinterland mit guter Infrastruktur. Alles, was bis zu einer halben Stunde von der Küste entfernt liegt, ist sehr begehrt.“ Am günstigsten ist es nach einer Studie von Poll-Immobilien in den Regionen Wesermarsch und Emden. Hier zahlen Kaufinteressenten im Schnitt 2243 Euro je Quadratmeter Wohnfläche beziehungsweise 2222 Euro für ein Einfamilienhaus.

„Als Geheimtipp gelten die größeren Dörfer, die mit guter Infrastruktur punkten, wie Marienhafe, Hage oder Großheide. Davon sind einige ebenfalls sehr küstennah. Hier bekommen Interessenten noch etwas mehr für ihr Geld“, sagt Nils Onken, Geschäftsstellenleiter in der Region bei von von Poll-Immobilien. Lesen Sie auch: Sylt: Strandkörbe für den Sommer bereits ausgebucht

Vermietung: Welche Rendite lässt sich mit Ferienimmobilien erzielen?

Durch die hohen Kaufpreise sind die Renditen im Ferienimmobiliensegment zwar gesunken, durch die Ferienvermietung lassen sich jedoch auch außergewöhnlich hohe Mieteinnahmen realisieren, die mit einer dauerhaften Vermietung nicht zu erzielen sind.

„Wenn die Preise der Immobilien steigen, dann lassen sich auch höhere Übernachtungspreise durchsetzen, denn anders als im Miet-Wohnungsmarkt gibt es keine Regulierungen des Gesetzgebers“, sagt Enders. Nach seinen Angaben kann man mit Ferienimmobilien eine Rendite von drei bis vier Prozent vor Abgabe der Steuern erreichen.

Immobilien in Urlaubsorten: Was bedeutet Co-Ownership?

Ownership heißt Eigentum. Der in den USA bereits weit verbreitete Trend des Co-Ownership kommt jetzt auch auf dem deutschen Markt an. Dabei erwerben bis zu acht Eigentümer eine Ferienimmobilie. Laut einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft EY werden dabei durchschnittlich 62.500 Euro Eigenkapital pro Miteigentümer benötigt.

Dies ermögliche deutlich mehr Menschen den Zugang zum Markt, die Immobilien werden erschwinglicher. „Beim Co-Ownership kaufen mehrere Eigentümer ein Objekt, das dann auch nur von diesen genutzt werden kann“, sagt Enders. „Es gibt ein enges Korsett an Regeln für Nutzung, Unterhalt und Renovierung, damit sich die Gemeinschaft nicht in ellenlangen Diskussionen zermürbt.“

Welche Ansprüche stellen Urlauber an Ferienimmobilien?

Neben der Lage entscheidet die Ausstattung über den Vermietungserfolg. Wem es vor allem um eine möglichst hohe Auslastung der Immobilie geht, sollte sich in touristisch attraktive Regionen mit guter Infrastruktur und Anbindung umsehen. Bei der Ausstattung sind zwei Schlafzimmer besser als eins. Funktionierendes W-lan und ein Fernseher sind Pflicht, Geschirrspüler und Waschmaschine fast Standard.

„Neben der hochwertigen Qualität sollte die Ausstattung möglichst robust sein, damit sie der Beanspruchung durch viele verschiedene Gäste standhält“, sagt Schüler von der Postbank. „Darüber hinaus erhöhen eine Sauna oder ein Kamin die Attraktivität der Immobilie auch in der Nebensaison.“ Außerdem wünschen sich Urlauber Immobilien mit Garten. Das Einfamilienhaus kann also mehr punkten als die Eigentumswohnung in einer Anlage.

Dieser Artikel ist zuerst auf abendblatt.de erschienen.