Verdacht auf Coronavirus: Personen in Erfurt und Apolda isoliert

Erfurt.  Drei Männer aus Erfurt, Jena und der Umgebung von Erfurt stehen unter Verdacht, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben. Eine Bestätigung steht aus. Das ist der aktuelle Stand.

In Erfurt gibt es bei zwei Personen den Anfangsverdacht einer Infektion mit dem Coronavirus. Dies teilte das Thüringer Gesundheitsministerium am Donnerstag mit. Foto: imago

In Erfurt gibt es bei zwei Personen den Anfangsverdacht einer Infektion mit dem Coronavirus. Dies teilte das Thüringer Gesundheitsministerium am Donnerstag mit. Foto: imago

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Zwei Personen werden seit Mittwoch im Helios-Klinikum in Erfurt isoliert. Bei ihnen besteht der Verdacht, dass sie sich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben könnten. Das bestätigten am Donnerstag sowohl das Thüringer Gesundheitsministerium als auch die Klinik selbst. Eine weitere Person aus Jena wird im Apoldaer Krankenhaus behandelt. Der Überblick über die aktuellen Entwicklungen:

Mann aus Jena mit Corona-Verdacht im Krankenhaus Apolda isoliert

Im Robert-Koch-Krankenhaus in Apolda wird seit Donnerstagmorgen ein Mann aus Jena behandelt, der sich nach einer China-Reise selbst im Krankenhaus gemeldet habe. Das bestätigte eine Sprecherin des Landratsamtes Weimarer Land auf Anfrage. Der Mann wird im Apoldaer Klinikum isoliert betreut und sei nach den Kriterien aufgenommen worden, die einem solchen Fall erforderlich seien, sagte Klinik-Geschäftsführer Uwe Koch dieser Zeitung. Das Ergebnis der Tests, die am Donnerstag erfolgten, stehe auch hier noch aus.

Die notwendigen molekularbiologischen Tests waren bis Donnerstagnachmittag noch nicht ausgewertet. Mit einem Ergebnis wird entweder noch am Donnerstagabend oder Freitag gerechnet. Solang bleibt die Isolation aufrecht erhalten, heißt es aus der Klinik. Untersucht werden die Proben an der Berliner Charité, bestätigte ein Sprecher des Ministeriums. Die Information über das Ergebnis werde auch über das Gesundheitsministerium gesteuert.

Erfurter war vor wenigen Tagen in Shanghai gewesen

Eine Kliniksprecherin erklärte, dass zwei Patienten „mit einer Atemwegserkrankung“ aufgenommen worden seien, „bei denen aktuell noch nicht ausgeschlossen werden kann, dass eine Corona-Infektion vorliegt“. Die Aufnahme sei unter allen notwendigen Sicherheitsvorkehrungen, beispielsweise Schutzkleidung für Mitarbeiter und Patienten, erfolgt. Bei einem der Patienten soll es sich um einen Erfurter handeln, der bis vor wenigen Tagen in Shanghai gewesen ist.

Er soll sich nach Informationen dieser Zeitung selbst im Klinikum gemeldet haben aus Sorge darum, sich mit dem Virus angesteckt zu haben. Die zweite Person soll aus dem Erfurter Umland stammen. Details geben derzeit weder Ministerium noch Klinik bekannt.

Noch kein begründeter Verdachtsfall in Erfurt

Seit Mittwochnachmittag war auch das Gesundheitsamt in Erfurt über den Verdacht informiert. Ein Stadtsprecher bestätigte, dass das Amt sich davon überzeugt habe, dass die erforderlichen Maßnahmen am Klinikum entsprechend getroffen wurden. Das könne er bestätigen, so der Stadtsprecher. Ministeriumssprecher Stefan Wogawa erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die beiden aktuellen Verdachtsfälle nicht den Kriterien für „begründete Verdachtsfälle“, die durch das Robert-Koch-Institut definiert sind, entsprechen.

Demnach muss liegt ein begründeter Verdachtsfall vor, wenn ein Patient Atemwegsbeschwerden hat und in einem Krisengebiet - beispielsweise der Stadt Wuhan - gewesen ist oder nachgewiesenen Kontakt zu einer bereits infizierten Person hatte. Hier, so Wogawa, liege in beiden Fällen eine Atemwegserkrankung vor. Man könne von einem „Anfangsverdacht“ sprechen, auch wenn dieser Begriff wissenschaftlich nicht gedeckt sei.

Ministerin Heike Werner (Linke) hatte bereits am Dienstag gesagt, dass Thüringen als Land „gut vorbereitet“ sei für den Fall, dass sich Corona-Fälle auch hierzulande bestätigen würden. Es gebe Pläne für den Umgang mit einer möglichen Pandemie.

In der laufenden Landtagssitzung wird die Gesundheitsministerin ebenfalls zu dem Thema sprechen in der Fragestunde, die am Donnerstagnachmittag beginnt.

Coronavirus: Was weiß man über den Erreger?

Bei dem Erreger handelt es sich um ein Virus aus der Gruppe der Coronaviren (CoV). „Wir kennen diese Virusgruppe seit vielen Jahren, und jeder zehnte Deutsche hat schon einmal mit ihr Kontakt gehabt“, sagt Professorin Marylyn Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Sie können harmlose Erkältungen auslösen, aber eben auch schwere Erkrankungen wie Sars oder Mers.

Die neue Variante des Virus trägt den Namen 2019-nCoV. Das „n“ steht dabei für neu. Man geht bislang davon aus, dass das Virus von einem Tier - welches ist unklar - auf den Menschen übergegangen ist und nun in der Lage ist, sich von Mensch zu Mensch auszubreiten. Als Quelle gilt ein inzwischen geschlossener Fischmarkt in der chinesischen Metropole Wuhan, auf dem auch Wildtiere angeboten wurden.

Die sogenannte Mortalität, also Sterblichkeit, liegt nach derzeitiger Erkenntnis bei 2,8 Prozent. „Zum Vergleich: Bei Mers liegt die Mortalität bei 30 bis 40 Prozent“, sagt Addo, die die Infektiologie am UKE leitet

Welche Symptome treten bei Infektion mit dem Coronavirus auf?

Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt 2 bis 14 Tage. Die Lungenerkrankung äußert sich durch

  • Fieber,
  • trockenen Husten,
  • Abgeschlagenheit und
  • Atemnot.

Weil das Virus die unteren Atemwege infiziert, haben Betroffene keinen Schnupfen. Letztlich ähneln die Symptome denen einer Sars-Infektion. Kein Wunder, denn das neue Virus dockt am gleichen Rezeptor an. Der Test auf das Virus basiert meist auf der Analyse von Sputum (Auswurf) und dauert etwa zwei Stunden.

Das könnte Sie auch interessieren:

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.