Kunstpause: Ode an Autitschko

Frank Quilitzsch tröstet seinen unter Stillstand leidenden Pkw.

Frank Quilitzsch

Frank Quilitzsch

Foto: Andreas Wetzel

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Auch wenn ich Dich häufiger stehen lasse und andere Transportmittel nutze – hauptsächlich das Fahrrad und bei längeren Strecken die Bahn –, mag ich Dich noch immer. Weniger Ausfahrten, das ist der Lauf der Zeit. Am Wochenende zur Kaufhalle, zum Theater, zur Sauna oder in den Thüringer Wald, wo Du auf dem Parkplatz wartest, bis wir unsere Wanderung absolviert haben.

Neulich, in Bad Tabarz, waren wir beide froh, als es heimwärts ging. Ich ließ den Motor an, damit Dir warm wurde, und Deine Sitzheizung hat uns den Rücken aufgetaut. Dankbar schob ich Deine Lieblings-CD ein: „Fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn…“

Ach Autitschko, Du bist nach wie vor mein Freund und Helfer, wenngleich Deine Umweltbilanz zu wünschen übrig lässt. Wenn ich Du sage, meine ich nicht nur Dich, sondern Euch alle: Autitschko 1 bis 5. Wirklich, Ihr wart, Ihr seid tolle Typen! Wenn es einen Autohimmel gäbe, würde ich Euch dorthin entsorgen, keiner von Euch hat den Schrottplatz verdient.

Autitschko 1, unser erstes Westauto, war klein und bescheiden, besaß aber eine Frontablage für die Handgelenktasche und ein Kassettendeck mit Endlosschleife. Man brauchte die Kassette nicht mehr umzudrehen, was besonders bei langen Urlaubsfahrten von Vorteil war. Wir waren zusammen in Paris und Neapel, am Atlantik und am Mittelmeer…

Mit Autitschko 2 ging es nach Norden: Insel Farø und Helsinki, nun schon mit CD-Player und Katalysator. Autitschko 3 verendete vor Tiefurt an einem Verkehrsschild – es war meine Schuld: Eisglätte unter frisch gefallenem Schnee –, und Autitschko 4 wurde nach 100.000 gefahrenen Kilometern nach Afrika verschifft.

Vielleicht tröstet es Dich, dass es niemanden mehr nach Dir geben wird. Höchstens noch Car-Sharing. Du bist zwar auch nicht mehr der Jüngste, leistest uns aber noch treue Dienste. Vor allem, wenn es was zu transportieren gibt. Ich weiß selber, was Bewegungsmangel bedeutet, deshalb nutze ich doch das Rad. Aber ich bin auch gern mit Dir unterwegs. Zu Weihnachten, auf der Fahrt zur Ostsee, haben wir fröhlich gesungen: „Fahrbahn ist ein graues Band / Weiße Streifen, grüner Rand…“

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