„Diffuses Infektionsgeschehen“ statt Hotspots im Kreis Göttingen

Göttingen.  Wo in der Region stecken sich die Menschen mit dem Virus an, wer findet das heraus? Der Leiter des Gesundheitsamtes erklärt aktuelle Entwicklungen.

Eine Mitarbeiterin eines Gesundheitsamtes in Schwerin zeigt am Bildschirm, wie die einzelnen Corona-Fälle dort erfasst und verfolgt werden. Das Gesundheitsamt in Göttingen muss derzeit zahlreiche Fälle betreuen. Jetzt helfen sogar Rentner aus.

Eine Mitarbeiterin eines Gesundheitsamtes in Schwerin zeigt am Bildschirm, wie die einzelnen Corona-Fälle dort erfasst und verfolgt werden. Das Gesundheitsamt in Göttingen muss derzeit zahlreiche Fälle betreuen. Jetzt helfen sogar Rentner aus.

Foto: Bernd Wüstneck / dpa (Symbol)

Am Donnerstagmorgen erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass es bundesweit viele Gesundheitsämter nicht mehr schaffen, alle Corona-Infektionsketten nachzuverfolgen. Noch ist das in Göttingen anders. Die personellen Kapazitäten werden auch in Göttingen aufgestockt, außer Studierenden kommen nun künftig erstmals auch Rentner und mobile Teams zum Einsatz, um herauszufinden, wo sich die Menschen angesteckt haben.

Die Corona-Zahlen steigen auch in Göttingen. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes mussten sich allein am vergangenen Dienstag um 36 neue Fälle von Corona-Infektionen kümmern, zehn weitere gingen bis Mittwochmittag ein. Und seither haben sich die Zahlen weiter erhöht. Dr. Eckart Mayr, Leiter des Göttinger Gesundheitsamtes, das für Stadt und Landkreis zuständig ist, spricht von einem außergewöhnlichen Anstieg.

Die eigenen Mitarbeiter des Gesundheitsamtes schaffen es ohne Zusatzpersonal kaum, die Infektionsketten nachzuverfolgen. Sie haben bereits zu Beginn der Pandemie Unterstützung durch externe Kräfte, darunter viele Studenten, erhalten. Rund 8.200 Nachverfolgungen wurden im Göttinger Amt seit Beginn der Pandemie abgearbeitet – und es werden noch viele folgen. „Wir haben wirklich engagierte Mitarbeiter, die manchmal bis in die Nacht hinein noch arbeiten”, sagt der Chef.

Ohne Zusatzpersonal nicht schaffbar: täglich 80 Mitarbeiter im Einsatz

Was mit den regulären Mitarbeitern leistbar wäre, das seien etwa 15 bis 20 Corona-Fälle pro Tag, je nachdem, wie aufwendig die Kontaktermittlung ist, und je nachdem, wie viele Kontakte der Infizierte hatte. „Wir rufen alle Menschen an, die positiv getestet wurden und deren Kontakte”, erklärt Mayr. „Telefonisch beurteilen wir die Intensität der jeweiligen Kontakte und teilen die Kontaktpersonen in Kategorie eins – höheres Infektionsrisiko – und Kategorie zwei (geringeres Infektionsrisiko) ein.“

Studenten, Soldaten und sogar Rentner helfen aus

„Derzeit haben wir täglich bis zu 80 Leute im Einsatz”, sagt Mayr. 60 Studierende stehen in einem Pool zur Verfügung, 50 von ihnen seien bereits eingearbeitet. Und ganz neu im Gesundheitsamt: „Wir stellen jetzt auch Rentner ein”, sagt Mayr. Nach einer Anzeige seien rund 100 Bewerbungen eingegangen, nun laufen die Auswahlverfahren. Zudem seien „mobile Teams” mit Mitgliedern von Hilfsorganisationen aktiviert worden und zusätzlich weiteres Personal aus den Verwaltungen von Stadt und Landkreis.

In anderen Gesundheitsämtern werden die Mitarbeiter auch von der Bundeswehr unterstützt, im Juni hatten die Soldaten auch schon in Göttingen ausgeholfen, derzeit aber nicht. Am Freitag hat der Inzidenzwert im Landkreis Göttingen die 50 überstiegen. Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle kletterte seit Donnerstag um 14 auf 213.

AHA-Regel: Abstand, Hygiene und Alltagsmasken

Um ein weiteres Ansteigen zu vermeiden, müssten die Regeln eingehalten werden, sagt Mayr. Die Maßnahmen seien bekannt: Masken tragen, Abstand halten, Lüften und Desinfizieren. „Nur an der Umsetzung hapert es.“

Noch sei es in Göttingen auch möglich, die Infektionsketten nachzuvollziehen. „Wir versuchen, das aufrecht zu erhalten”, sagt Mayr.

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