Thüringer CDU blickt in eigene Vergangenheit

Erfurt  „Blockpartei“ ist ein Stigma, findet Mike Mohring. Der CDU-Landeschef hat eine unabhängige Kommission zusammengestellt, die in der Thüringer Historie der Partei von 1945 bis 1990 graben soll.

Mike Mohring (CDU/Fraktionsvorsitzender). Die CDU wendet sich ihrer DDR-Geschichte zu. Foto: Sascha Fromm

Mike Mohring (CDU/Fraktionsvorsitzender). Die CDU wendet sich ihrer DDR-Geschichte zu. Foto: Sascha Fromm

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Die CDU Thüringen will ihre DDR-Geschichte von einer unabhängigen historischen Kommission neu untersuchen und bewerten lassen.

Landesparteichef Mike Mohring wird die Mitglieder der Kommission heute in Erfurt vorstellen. Der Tag ist nicht zufällig gewählt: Am 20. Juli 1945, wenige Wochen nach Kriegsende, wurde der Landesverband der CDU Thüringen gegründet. Seine führenden Mitglieder gerieten schon bald in Konflikte mit der sowjetischen Besatzungsmacht. Die politische Gleichschaltung der Partei gelang erst 1948/49.

Eine Mitschuld am Unrechtssystem DDR soll nicht geleugnet werden, sagt Mohring, der als junger Mann zunächst bei der Bürgerrechtsbewegung Neues Forum aktiv war und erst 1993 zu den Christdemokraten fand. Fakt sei aber: „Die CDU ist nicht als Blockpartei gegründet worden.“ Der Landesvorsitzende nennt es ein Unding, dass 25 Jahre nach der friedlichen Revolution die Linkspartei in öffentlicher Debatte definiert, welche Rolle die CDU in der DDR inne gehabt habe.

Mit der Idee, eine unabhängige historische Kommission einzusetzen, traf Mohring bereits beim Wahlparteitag der Landes-CDU im Dezember auf breite Zustimmung. Das Interesse der Mitglieder an geschichtlicher Aufarbeitung halte unvermindert an, sagte der 43-Jährige auf Anfrage dieser Zeitung. Viele der Älteren seien bereit, der Kommission Aufzeichnungen und Dokumente zu übergeben und persönlich als Zeitzeugen zur Verfügung zu stehen. Die Kommission soll nicht nur Fakten zusammentragen, sondern auch die Beweggründe damals handelnder Parteimitglieder beleuchten, ihre Motive und ihr Selbstverständnis innerhalb eines Systems, das den Führungsanspruch der SED in der Verfassung stehen hatte.

Das schließe den Blick auf die Funktionärsebenen der Partei in den ehemaligen Bezirken Erfurt, Gera und Suhl mit ein, sagt Mohring. Die Quellenbestände in den Archiven der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung seien für den alten Bezirk Gera die ergiebigsten. Er wolle eine seriöse, ernsthafte und wissenschaftlich fundierte Einordnung des Quellenmaterials ohne ein vorbestelltes Ergebnis.

Berufen werde keine Historikerkommission, sondern eine historische Kommission, präzisiert der CDU-Landeschef und meint damit, dass ihr nicht nur Historiker angehören werden. Namen würden erst heute genannt. Da zur Pressekonferenz in der Erfurter CDU-Landeszentrale aber auch Jörg Ganzenmüller angekündigt ist, sollte ein Kommissionsmitglied schon mal bekannt sein. Der promovierte Historiker ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Ettersberg in Weimar und sicher geeignet, in der Kommission einen wichtigen Part zu übernehmen.

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