Der „Hase“, der keine Angst kennt: Rekordnationalspieler Schnuphase wird 65

Erfurt  Erfurts Rekordnationalspieler Rüdiger Schnuphase, Ehrenspielführer des FC Rot-Weiß, feiert heute seinen 65. Geburtstag. Bis heute bleibt für den Fast-Rentner neben der Familie auch der Fußball ein echtes Lebenselixier.

Rüdiger Schnuphase spielte für den FC Rot-Weiß Erfurt und den FC Carl Zeiss Jena.

Foto: Sascha Fromm

Dem Hasen schreibt man aus Selbsterhaltungstrieb eine natürliche Ängstlichkeit zu. Er ist ständig auf der Flucht. Der „Hase“, um den es hier geht, verkörpert das ganze Gegenteil.

Rüdiger Schnuphase, in Fußballerkreisen landauf und -ab, dem Familiennamen entlehnt, als „Hase“ bekannt, kannte in seiner langjährigen Oberliga-Laufbahn beim FC Rot-Weiß und FC Carl Zeiss in den 70er- und 80er-Jahren auf dem Rasen keine Furcht. Keinem Zweikampf, keinem Kopfballduell ging er aus dem Weg. Ein echter Leader, ein Wortführer halt. Der „Hase“, 45-facher DDR-Nationalspieler, bei der WM 1974 dabei, Oberliga-Torschützenkönig und Spieler des Jahres 1981/82, Olympia-Silber 1980, trug jenes Gen in sich, das Berge zu versetzen imstande war. Er brachte das Kunststück fertig, 1981/82 als Libero des damaligen DDR-Elite-Teams aus Jena Oberliga-Torschützenkönig zu werden.

Jener Rüdiger Schnuphase feiert heute seinen 65. Geburtstag. Mit der Rente hat das noch ein bisschen Zeit bis Ende September. Bis dahin geht er weiter mit Ruhe und Abgeklärtheit seinem Job als Nachwuchstrainer im Thüringer Fußballverband nach, den er seit 1998 bekleidet.

Seinen Geburtstag groß feiern? Das ist nicht sein Ding. „Los wird trotzdem einiges sein, denn mein Sohn und meine Tochter mit ihren Ehehälften kommen und bringen ihre jeweils beiden Kinder mit. Da ist sowieso Leben in der Bude,“ weiß der darob stolze Opa.

Schnell ist man mit ihm auch im Meinungsaustausch, wenn es um den Fußball in all seinen Schattierungen geht. Wenn heute selbst in der Bundesliga verzweifelt nach Hierarchien auf und neben dem Rasen gefahndet wird, ist man beim „Hasen“ an der richtigen Person: „Das muss man in sich haben. Das kann kein Trainer bestimmen. Aber zuerst muss man Führungsqualitäten auf dem Platz beweisen. Nur wenn du dort von deinen Mitspielern anerkannt bist, sie dir glauben und folgen, bist du ein richtiger Leader, wie das heute im Neudeutsch heißt.“

„Aber nur im Fußball war der Hase ein Anführer“, mischt sich Albert Krebs, Mitspieler bei Rot-Weiß, oft Auswahl-Zimmerkollege und Geschichtenerzähler vor dem Herrn, grienend ein: „Wir waren mal mit der DDR-Auswahl im Winter-Trainingslager. Da mussten wir uns Skier unter die Füße schnallen und eine Riesenstrecke bis zum Abendbrot laufen. Als alle schon beim Essen saßen, fehlte nur einer, der Hase. Eine halbe Stunde später hörte man ihn wutschnaubend schon vor der Tür: „Ich zerhacke die Dinger. Keine zehn Pferde kriegen mich noch mal auf die Bretter.“

Ein echter Kerl – ein Wort. Skier ab da ein Fremdwort. Bis heute und auch künftig bleibt für den Fast-Rentner neben der Familie nur der Fußball ein echtes Lebenselixier.

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