Liebers und die Maradona-Uhr

Reaktionen zum Tod des Fußballstars - auch wer kein Fußball-Fan ist, an Maradona kommt keiner vorbei

Ein Fan hält ein Trikot der argentinischen Fußballnationalmannschaft mit der Nummer von Diego Maradona hoch. Maradona war am Mittwoch (25.11.2020) im Alter von nur 60 Jahren in seinem Haus in Tigre nördlich von Buenos Aires an einem Herzinfarkt gestorben.

Ein Fan hält ein Trikot der argentinischen Fußballnationalmannschaft mit der Nummer von Diego Maradona hoch. Maradona war am Mittwoch (25.11.2020) im Alter von nur 60 Jahren in seinem Haus in Tigre nördlich von Buenos Aires an einem Herzinfarkt gestorben.

Foto: Fernando Gens / dpa

Matthias Liebers, Neustadt/Orla, Fußballer beim 1. FC Lok Leipzig im Europapokal gegen Neapel: „Ich habe Diego Maradona noch vor Augen. Wir haben uns warm gemacht, uns auf das Spiel vorbereitet. Und Maradona hat seine Show abgezogen, hat mit den Fotografen gespielt, sich in Szene gesetzt. Das hätte sich keiner von uns getraut, da hatten wir eine ganz andere Schule durchlaufen. So einen Mann wie Maradona kannst du nicht komplett abmelden, das geht nicht. Auch Manndeckung funktioniert nicht. Da machst du dich nur zum Clown. Ein Betreuer der Italiener tauchte nach dem Spiel bei uns in der Kabine auf und übergab jedem Spieler eine goldschimmernde Armbanduhr mit braunem Lederband – mit Maradonas Unterschrift im Ziffernblatt.“

Gerald Mortag, dreifacher Bahnrad-Weltmeister, Olympiazweiter.

Gerald Mortag hat seine großen sportlichen Erfolge auf dem Bahnrad erzielt, war dreimal Weltmeister mit der Vierer-Mannschaft, doch der Fußball fasziniert ihn seit jeher. Und kommt die Sprache auf Maradona, kommt der Geraer ins Schwärmen. „Als Fußballer genial, er hatte eine Gabe, den Fußball zu zelebrieren.“ Als Beispiel für Maradonas unnachahmliche Art, Fußball zu spielen, führt der 62-Jährige ein Europapokalspiel von 1982 an. Maradona spielte mit dem FC Barcelona bei Roter Stern Belgrad. Das 1:0 für die Spanier hatte Maradona nach einer Ecke erzielt und dem 2:0 ging eines seiner Dribblings übers halbe Feld voraus. „Dann hat er gesehen, dass der Torwart etwas zu weit vor seinem Kasten steht und hat den Ball aus dem Fußgelenk über den Keeper gelupft. Ein Traumtor – und die Belgrader Fans haben sich von ihren Plätzen erhoben und es gab Standing Ovations für Maradona in einem Auswärtsspiel. Da hatte auch ich eine Gänsehaut.“

Heiko Weber, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums des FC Carl Zeiss Jena: „Bei der WM 1986 in Mexiko war ich natürlich auch ein Fan der Nationalmannschaft der BRD, doch am Ende habe ich Argentinien den Sieg gegönnt. Was er damals dargeboten hat, war einmalig. Das können nur ganz, ganz wenige. Er war ein Genie, ein kleiner Dribbler und auch etwas verrückt. Die Geschehnisse bei der Weltmeisterschaft 1994 in den USA fand ich indes traurig. Nichtsdestotrotz, ich war ein Fan von Maradona. Das musste man einfach sein. Er hat Dinge gemacht, die keiner vorhersehen konnte.“

Björn Harmsen, ehemaliger Trainer von Basketballbundesligist Science City Jena: „Er war eine sehr interessante Persönlichkeit. Ich habe die Dokumentation ‘Maradona in Mexiko’ auf Netflix gesehen und war beeindruckt, wie herzlich und sympathisch er da wirkte. Dass nun in Argentinien drei Tage Staatstrauer verhängt worden, zeigt recht eindrucksvoll, welchen Stellenwert er für das Land und seine Einwohner besaß und künftig wohl auch immer noch besitzen wird. Ich habe mich nie wirklich für Fußball interessiert, doch an Maradona kam man nicht vorbei, den kannte einfach jeder. Kurzum: Er ist eine Ikone.“

Tino Hempel, Ringer-Trainer beim RSV Rotation Greiz „Maradona konnte ja nicht nur mit dem Fuß Tore erzielen“, sagt der Greizer und spielt auf die Hand Gottes an. „Ja, wir Ringer spielen fast alle gern und gut Fußball. Aber was Maradona auf den Rasen gezaubert – unglaublich. Wenn er am Ball war, dann war er am Ball, hat aber auch oft seine Mitspieler herrlich eingesetzt. Schade, dass er sein Leben abseits des Rasens nicht so in den Griff bekommen hat.“

Katharina Berg, 49-facher DDR-Meisterin, Speedskating-Trainerin. „Mein Mann kommt aus Cottbus, ist Energie-Fan und hat uns mit seiner Fußball-Begeisterung angesteckt. Und wenn Maradona aufgelaufen ist, dann habe ich schon geschaut. Ein genialer Fußballer. Er kam aus einfachsten Verhältnissen und hat sich nach oben gekämpft. Das erleben wir auch, wenn wir mit den Speedskatern in Südamerika sind, wie die Sportler dort alles geben, weil sie im Sport eine Chance sehen, aus der Armut herauszukommen. Maradona ist einer von der Straße, er hat es in die Welt geschafft, ist ein Weltstar geworden – und wird in Argentinien immer verehrt werden.“

Marcus Dörfer, Trainer BSG Wismut Gera: „Typen wie Maradona vermisse ich. Individualisten, die einem Spiel den Stempel aufdrücken. Klar, solche außergewöhnlichen Menschen sind oft auch schwierige Charaktere, machen einem Trainer viel Arbeit. Doch als Trainer darf man es sich nicht bequem machen – der Fußball braucht Typen.“

Jürgen Bähringer, langjähriger Oberligaspieler beim FC Karl-Marx-Stadt, Olympiazweiter 1980:

„Maradona war ein Traumfußballer, er hat fast alle Gegner schwindlig gespielt. Leider habe ich nicht wie zum Beispiel die Leipziger gegen ihn spielen können. An mir hätte er erst einmal vorbeikommen müssen“, sagt der Greizer und lacht herzhaft.