Auto Weidlich in Gera feiert das 100-jährige Firmenjubiläum

Gera  Seit 1934 ist der Betrieb in der Brückenstraße zu Hause

Über die Ehrenurkunde der Handwerkskammer freuen sich Regina Weidlich, Sohn und Inhaber Christoph (M.) und der langjährige Meister Andreas Flache.

Über die Ehrenurkunde der Handwerkskammer freuen sich Regina Weidlich, Sohn und Inhaber Christoph (M.) und der langjährige Meister Andreas Flache.

Foto: Peter Michaelis

Dass Christoph Weidlich in den väterlichen Betrieb einsteigen wird, war naheliegend, erzählt der 34-Jährige gestern als man auch ihm zum Hundertjährigen der Werkstatt gratulierte. „Ich sollte Abitur machen, aber das wollte ich nicht, ich wusste wohin es geht“.

Seit 2014 ist er in vierter Generation Inhaber. Ein Jahr vorher hatte er seinen Meister gemacht. Sein Vater Lothar Weidlich erlebte das nicht mehr. Er starb 2006 im Alter von 56 Jahren. Damals war es Andreas Flache, der dem jungen Mann beistand. „Gelernt hat er bei mir, ich habe ihn groß gemacht“, sagte er gestern nicht ohne Stolz. „Er ist wie ein Ersatzpapa. Er war immer da. Das geht definitiv über ein normales Angestelltenverhältnis hinaus. Das gibt es heute ganz selten, dass man mit Mitarbeitern so im Einklang ist“, schwärmt Christoph Weidlich, der wie seine Mutter auf dem Firmengelände wohnt. Auch Regina Weidlich verdankt dem Mitarbeiter, der 1997 in den Betrieb kam, viel. „Er hat uns über eine schwere Zeit geholfen, hat seinen Meister gemacht und damit den Betrieb als Betriebsleiter gerettet“. Inhaberin blieb bis 2013 sie, die auch heute manchmal über die Rechnungen schaut und die monatlichen Berichte für den Steuerberater zusammenstellt. „Außerdem koche ich jeden Tag“, sagt die 68-Jährige.

Paul Weidlich, 1896 in Kleinhessen im heutigen Landkreis Zwickau geboren, absolvierte seine Lehre als Hufschmied in Vogelgesang bei der Firma Polenz, die heute noch Metallbau betreibt. In der Hoffnung, in der großen Stadt auf mehr Kundschaft zu treffen, eröffnete er 1919 seine Hofschmiede in der Greizer Straße. Erst 1934 zog Paul Weidlich in die Brückenstraße, wo er drei Jahre später das Nachbargrundstück erwarb. Leiterwagen wurden dort gebaut, später auch Lkw-Anhänger. Wann die Autoreparatur zum Alltagsgeschäft wurde, lasse sich nicht so einfach sagen, berichten die Nachkommen.

Von einem Schicksalstag spricht Regina Weidlich, wenn sie den 7. Oktober 1944 beschreibt. In der Einflugschneise der Kriegsflugzeuge lag die Werkstatt. Zwar hatten sich die Familienmitglieder im Keller Zuflucht gesucht. Doch das Grundstück wurde getroffen und auch der Firmengründer und sein damals siebenjähriger Sohn Paul starben. Sohn Helmut, der Schwiegervater von Regina Weidlich, erlernte das Schmiedehandwerk und wurde 1949 Meister. Er führte den kleinen Betrieb bis 1985 bevor ihn sein Sohn Lothar übernahm.

Meine Meinung: Sylvia Eigenrauch über einen alten Geraer Betrieb