Beratungspauschale im Fachgeschäft vorgeschlagen: Schwere Zeiten für Handel prognostiziert

Diskussion zum digitalen Ladengeschäft beim Gründer- und Innovationstag in Jena - Wissenschaftspreis der Stadt verliehen

Preise der Stadt Jena für beste Abschlussarbeiten verliehen (von links): Sören Richter, Susann Rudolph und Björn Barz sind die Preisträger. Foto: Tino Zippel

Preise der Stadt Jena für beste Abschlussarbeiten verliehen (von links): Sören Richter, Susann Rudolph und Björn Barz sind die Preisträger. Foto: Tino Zippel

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Jena Wer ins Fachgeschäft geht, zahlt künftig eine Beratungs­pauschale, damit der Händler auf seine Kosten kommt. So lautete gestern einer der Vorschläge bei der Podiumsdiskussion zum Thema "Emmas Comeback - Visionen zum digitalen Laden­geschäft" in Jena.

Unter diesem Motto stand der Gründer- und Innovationstag für Jena und Weimar in der Villa am Paradies. Laut Jürgen Worms, der viele Jahre für die die Centerkette ECE gearbeitet hat, gibt es in den alten Bundesländern die klassischen Tante-Emma-Läden noch häufiger als in Ostdeutschland.

Manuel Jahn von der Marktforschungsgesellschaft GfK beobachtet den Trend, dass zunächst reine Onlinehändler zunehmend Geschäfte eröffnen. Das sei sehr angesagt, um Präsenz vor Ort zu zeigen - jedoch vor allem in Großstädten. E-Commerce-Dozent Roman Zenner brachte den Ansatz, die Vielfalt bewusst zu reduzieren, um den Kunden nicht mit einem Überangebot zu überfordern.

Die Experten sehen schwere Zeiten auf den Handel zukommen, da inzwischen viele Markenartikel-Hersteller den Händlern Konkurrenz durch eigene Internetläden machen. "Das ist kriminelle Energie der Industrie. Es geht nur noch ums Geldverdienen und nicht mehr um den Kunden und Service", sagte Worms. "Dem Händler vor Ort bleibt nur die Möglichkeit, sich die Beratungsleistung versilbern zu lassen." Heißt: Wer sich vor Ort Informationen einholt, zahlt dafür. Einer der 70 Zuhörer merkte an, dass er die größte Stärke des Einzelhandels längst nicht mehr in der Beratungsleistung sieht, sondern in der direkten Warenverfügbarkeit.

Worms kritisierte, dass die Verwechselbarkeit der Einkaufszentren in Deutschland zunimmt, da in vielen Centern inzwischen die gleichen Filialen angesiedelt seien. Seinen Worten zufolge investieren viele Center in W-Lan, um den Kunden mit dem Smartphone zu den ihn interessierenden Angeboten zu leiten.

Trotz interessanter Ansätze zeigte die Diskussion eines: Ein Patentrezept für die digitale Zukunft gibt es nicht.

Zum Auftakt der Veranstaltung hatte die Stadt Jena ihren Wissenschaftspreis für die besten anwendungsorientierten Abschlussarbeiten verliehen. Die Doktorarbeit von Sören Richter beschäftigte sich mit ultrakurzen Laserpulsen beim Fügen transparenter Materialien. Susann Rudolph forschte in ihrer Masterarbeit zu DNA-Markern bei der Diagnostik von Kopf-Hals-Tumoren. Björn Barz schrieb über interaktives Lernen von Objektdetektoren. "Solche Arbeiten sind die Keimzelle für neue Gründungen", lobte der Geschäftsführer von Jena-Wirtschaft, Wilfried Röpke.

Beim Gründertag zeigten Aussteller ihre Produktideen und warben um Investoren.

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