Zeitarbeitsfirmen unter Druck: Lohngrenze soll ab 2013 in den neuen Ländern 8,50 Euro betragen

Der Mindestlohn für Zeitarbeiter in den einfachsten Tätigkeiten liege derzeit in Ostdeutschland bei 7,50 Euro pro Stunde.

Ein Hinweisschild zu einer Zeitarbeitsmesse, auf der sich Zeitarbeitsfirmen den Interessierten vorstellen.  Foto: dpa

Ein Hinweisschild zu einer Zeitarbeitsmesse, auf der sich Zeitarbeitsfirmen den Interessierten vorstellen. Foto: dpa

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Erfurt. Konjunkturelle Unsicherheiten und die Festeinstellung von Fachkräften setzen die Zeitarbeitsbranche unter Druck. Die Gesellschaft für Arbeitnehmerüberlassung Thüringen AG (Geat) verbuchte im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von zwölf Prozent auf 31,2 Millionen Euro, wie der Vorstand gestern in Erfurt mitteilte. Das Ergebnis der Geat, die derzeit rund 1250 Arbeitnehmer beschäftigt, hat sich auf 567"000 Euro fast halbiert. "Die Branche hat bundesweit in den letzten Monaten eine Achterbahnfahrt hinter sich", sagte Geat-Vorstandschef Helmut Meyer. Er rechnet in diesem Jahr mit einem Aufwärtstrend.

Sein Unternehmen setze zudem auf eine neue Niederlassung in Polen und in Zukunft voraussichtlich in Budapest, wo Fachkräfte auch für Thüringen gewonnen werden sollen. Die ersten Vermittlungen aus Polen gebe es bereits, auch im Auftrag anderer Unternehmen.

Meyer, der der Tarifkommission des Interessenverbandes der Deutschen Zeitarbeits­unternehmen (iGZ) angehört, sprach sich im Anschluss an bestimmte Einarbeitungszeiten für eine gleiche Bezahlung von Zeitarbeitern und Stammbe­legschaften der Unternehmen aus. Da etwa 64 Prozent der Zeitarbeiter aus der Arbeits­losigkeit kämen, gebe es einen bestimmten Weiterbildungs- und Einarbeitungsbedarf. "Equal pay (gleiche Bezahlung) ja, aber unter bestimmten Be­dingungen", sagte er.

Der Mindestlohn für Zeitarbeiter in den einfachsten Tätigkeiten liege derzeit in Ostdeutschland bei 7,50 Euro pro Stunde. Der Branchenverband iGZ habe sich mit dem DGB auf ein Tarifwerk verständigt. Danach soll die unterste Lohngrenze im kommenden Jahr 8,50 Euro in den neuen Ländern betragen. Für acht Branchen, darunter Metall/Elektro oder Holz/Kunststoff seien zudem je nach Einsatzdauer Zuschläge auf das Grundentgelt vorgesehen.

Der Erfurter Personaldienstleister, der 14 Niederlassungen von Eisenach über Sonneberg bis Gera unterhält, bezifferte die Zahl der Übernahmen von Geat-Zeitarbeitern in feste Jobs im vergangenen Jahr auf rund 700. Das sei etwa die Hälfte der Beschäftigten, sagte Meyer. Da das Thema Fachkräftemangel immer mehr in den Blickpunkt komme, habe es vor allem Ende 2012 viele Festeinstellungen gegeben.

Der Geschäftsführer des Thüringer Mittelstandsverbandes, Günther Richter, sagte: "Die Brücke Zeitarbeit zur Festanstellung funktioniert." Er sieht weiter Bedarf am Einsatz von Zeitarbeitern.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren