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„Hart aber fair“: Putin hat Angst vor „Virus der Freiheit“

Paul Ritter
| Lesedauer: 3 Minuten
Das ist "hart aber fair"

Das ist "hart aber fair"

Die polarisierende Politik-Sendung im Ersten mit Moderator Frank Plasberg gibt es nun seit stolzen 20 Jahren. Jeden Montag finden sich diverse Gäste in einer hitzigen Diskussionsrunde wieder.

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Berlin.  Bei „Hart aber fair“ ging es am Montagabend um den Ukraine-Konflikt. Steht eine Invasion Russlands bevor? Und was will Wladimir Putin?

Wladimir Putin hat sich in eine kritische Position manövriert: Mit etwa 130.000 Soldaten an der ukrainischen Grenze und harten Verhandlungspartnern im Westen stellt sich die Frage, wie der russische Präsident ohne eine Invasion noch gesichtswahrend aus der Angelegenheit gelangen kann.

Diese verzwickte Lage beschäftigte am Montagabend auch die Runde bei „Hart aber fair“.

„Hart aber fair“ – Diese Gäste waren dabei:

  • Michael Roth (SPD): Bundestagsabgeordneter; Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses; Mitglied im SPD-Präsidium und Parteivorstand
  • Norbert Röttgen (CDU): Bundestagsabgeordneter; Mitglied im Auswärtigen Ausschuss
  • Sarah Pagung: Politikwissenschaftlerin; Russland-Expertin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik
  • Mariam Lau: Redakteurin im Politikressort der „Zeit“
  • Vassili Golod: Redakteur und Reporter im WDR-Newsroom, Podcaster

„Hart aber fair“: Putin sorgt sich um das Virus der Freiheit

Es wurde eine Debatte, die versuchte, ein facettenreiches Bild von Wladimir Putin zu zeichnen. In einem war man sich dabei einig: Putin sorgt sich nicht in erster Linie um eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine, sondern um das Freiheitsbestreben der Menschen in der ganzen Region. Lesen Sie auch: Hat Putin recht? Was der Westen Russland versprach

„Er sieht, dass die Zeit gegen ihn läuft“, fasste der CDU-Politiker Norbert Röttgen diese mögliche Perspektive des russischen Präsidenten auf die Proteste etwa in Belarus und zuvor in der Ukraine zusammen. Denn am Ende sei es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Russen von dem „Virus der Freiheit“ angesteckt würden.

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Journalistin warnt: Putin nicht unterschätzen

Sarah Pagung gab in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass im Kreml möglicherweise kein richtiges Verständnis für derlei Bestrebungen existiere. Putin sehe demokratische Proteste nicht als selbstgewachsen, sondern vielmehr als das Werk von westlichen Geheimdiensten. „Sie verstehen nicht, dass es diese Bewegungen wirklich gibt“, erklärte die Politikwissenschaftlerin von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Das wiederum führe dazu, dass der Kreml nur mit Repression auf die Entwicklungen reagieren könne.

„Die vergangenen 30 Jahre sind an Putin vorbeigegangen“, befand auch der WDR-Journalist Vassili Golod. Der russische Präsident sehe nicht, dass sich die Ukraine in dieser Zeit anders entwickelt habe, als Russland. Während die Ukrainer stolz auf ihre Demokratie seien, machten sich viele Russen klein: „Wir brauchen einen großen Zaren“, das sei bei vielen die Haltung. Auch interessant: Außenminister: „Sanktionen gegen Russland tun auch uns weh“

Zeit-Journalistin Mariam Lau warnte allerdings davor, Putin zu unterschätzen. Schließlich könne dieser auch mit hybrider Kriegsführung erfolgreich sein, weil die Ukraine ohnehin bereits unter starkem wirtschaftlichem Druck stehe. „Das steht alles auf tönernen Füßen“, ordnete Lau die Lage des Landes ein.

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Bleibt am Ende die Gretchenfrage: Was wird Wladimir Putin nun tun? Wird er wirklich wie von den USA prognostiziert am Mittwoch losschlagen?

Es sei unseriös, einen konkreten Tag zu nennen, mahnte die Politologin Pagung. Allerdings sei auch klar, dass Putin mittlerweile zur Invasion in der Lage sei. „Das heißt auch, dass sich das Fenster für Diplomatie schließt.“

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