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"Hart aber fair": Putins Terror - Expertin erklärt Taktik

Jessica Lichetzki
| Lesedauer: 5 Minuten
Das ist "hart aber fair"

Das ist "hart aber fair"

Die polarisierende Politik-Sendung im Ersten mit Moderator Frank Plasberg gibt es nun seit stolzen 20 Jahren. Jeden Montag finden sich diverse Gäste in einer hitzigen Diskussionsrunde wieder.

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Berlin.  Im Ukraine-Krieg geht Putin immer brutaler vor. Bei "Hart aber fair" in der ARD erklärte eine Expertin, welche Taktik dahintersteckt.

Viele Nato-Staaten liefern weiter zahlreiche Waffen an die Ukraine – im Bundesverteidigungsministerium stockt es allerdings erheblich. Während Bundeskanzler Olaf Scholz sich immer noch zurückhält, plädiert Außenministerin Annalena Baerbock für die Lieferung schwerer Waffen. Die Zerrissenheit der Regierung kostet vor allem eins: Zeit. Bei "Hart aber fair" diskutierten die Gäste über Möglichkeiten, den Krieg zu beenden.

Der per Videoschalte anwesende "Spiegel"-Journalist Christoph Reuter berichtete zu Beginn der Sendung von der aktuellen Kriegssituation. Der Reporter sprach von grausamen Zuständen und Opfern, die durch Raketenteile in Stücke gerissen wurden. "Da ist ein Mensch buchstäblich ausgelaufen. Das habe ich so noch nicht gesehen und das hätte ich niemals erwartet", so Reuter. "Das Wichtigste ist, dass die Ukrainer schnell die Waffen bekommen, die sie brauchen", sagte er weiter.

"Hart aber fair": Diese Gäste waren am Montag dabei

  • Margarete Klein, Russland- und Militärexpertin der Stiftung Wissenschaft und Politik
  • Alexander Graf Lambsdorff, FDP, Außenpolitiker; stellv. Fraktionsvorsitzender
  • Ralf Fücks, Publizist; Leiter der Denkfabrik "Zentrum Liberale Moderne"; seit 1982 Mitglied der Grünen
  • Christoph Reuter, "Spiegel"-Reporter; berichtet aus der Ukraine
  • Petra Pinzler, Korrespondentin in der Hauptstadtredaktion "Die Zeit"

Moderator Frank Plasberg schüttelte immer wieder den Kopf und fragte nach dem "Sinn eines solchen Terrors". Die Politologin Margarete Klein fand hierfür klare Worte: Die brutale Vorgehensweise Putins sei "ganz bewusst ein Teil von psychologischer Kriegsführung". Klein gehe von einem sogenannten Sequenzkrieg aus, der "sehr lange dauern" könne. Dabei alterniere die russische Armee immer wieder zwischen Offensiven und Rückzügen. Auch interessant: Lwiw rüstet sich - Wenn ein Museum zum Bunker wird

Doch was könnte überhaupt einen endgültigen Rückzug Russlands bewirken? FDP-Politiker Alexander Graf-Lambsdorff verabschiedete sich von Diplomatie. "Die Ukraine muss das jetzt militärisch lösen. Es muss auf dem Schlachtfeld entschieden werden", sagte Lambsdorff.

"Hart aber fair": Erneute Diskussionen um Waffenlieferungen

Doch ohne Waffen, kann auf dem Schlachtfeld nicht gekämpft werden. Das kritisierte auch der Grüne-Politiker Ralf Fücks. "Der direkte Angriff auf Kiew geht jetzt zur Materialschlacht über und das heißt, wir müssen alle Arten von Waffen liefern", sagte Fücks.

Alexander Graf-Lambsdorff stellte sich quer. Er glaube nicht, dass eine Marder-Lieferung an die Ukraine sinnvoll sei. Die Lieferzeiten für die Schützenpanzer seien zu lang, genauso wie die Ausbildung ukrainischer Soldaten. Moderator Frank Plasberg reagierte direkt mit einem Seitenhieb gegen den Politiker: "Das klingt geübt deutsch. Ich meine Sie nicht persönlich."

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"Hart aber fair": Grünen-Politiker fordert radikalen Gas-Boykott

Und während der FDP-Außenpolitiker immer wieder die Bundesregierung und ihre Flexibilität lobte, funkte die "Zeit"-Journalistin Petra Pinzler mit einer Menge Kritik dazwischen. "Der Bundeskanzler hat vor vier Wochen die richtigen Worte gefunden und jetzt nicht mehr". Ohne zu zögern, stimmte auch Ralf Fücks der Journalistin zu.

"Man hatte eher das Gefühl, er rudert wieder zurück", betonte Fücks. So richtig verteidigen konnte Lambsdorff die Situation nicht. Er setzte erstmal auf Ablenkung. Damit der deutsche Kanzler nicht mehr thematisiert wird, kritisierte Lambsdorff einfach den österreichischen Bundeskanzler Karl Nehammer für seine umstrittene Reise zu Wladimir Putin.

Während sich die Runde beim Thema Waffenlieferungen noch sehr einig präsentierte, brach eine hitzige Diskussion rund um die Gaslieferungen aus. Lambsdorff betonte zunächst das Einstellen der wirtschaftlichen Beziehungen, bei dem Thema Gas blieb der Politiker zögerlich. Der Außenpolitiker sprach von "schwersten Verwerfungen in der deutschen Volkswirtschaft".

Sichtlich irritiert argumentierte Ralf Fücks dagegen. Seine Devise: Weniger reden, schneller agieren. So würde eine Gaslieferung den Krieg nicht unmittelbar stoppen, allerdings die russische Wirtschaft nachhaltig lahmlegen. "Ich glaube, dass es keinen Grund gibt, daran zu zweifeln", sagte der Politiker mit Nachdruck. Er forderte damit einen radikalen Boykott der Gaslieferungen.

"Hart aber fair": Viele Argumente, wenige Lösungen

"Die Frage ist doch: Was kostet uns mehr? Diesen Krieg weiter fortzuführen oder zu versuchen, ihn schnellstmöglich zu beenden?", bohrte Fücks weiter. Alexander Graf-Lambsdorff ließ sich von der Argumentation nicht beeindrucken. "Habeck reist durch die Weltgeschichte wie ein Wahnsinniger, um diese Alternativen zu organisieren", so Lambsdorff.

Während Fücks und Lambsdorff hitzig hin und her debattierten, fand die Journalistin Petra Pinzler eher diplomatische Worte für die Zerrissenheit: "Das ist eine sehr, sehr bittere Debatte."

Damit beendete sich die Diskussion faktisch selbst: Mehr als ein Durcheinanderwerfen von Argumenten gab es nicht. Mahnende Worte über verschenkte Zeit reichen einfach nicht aus, um nachhaltige Lösungswege für die Situation in der Ukraine zu finden.

Zur Ausgabe von "Hart aber fair" in der ARD-Mediathek.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf www.waz.de