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Illner: Gemeinsam gegen das Corona-Beherbergungsverbot

Berlin.  Bei „Maybrit Illner“ wurde das Beherbergungsverbot zerrissen. Könnte es einen Lockdown geben? Ein Virologe hatte eine klare Haltung.

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

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„Gerät die Pandemie außer Kontrolle?“: Die Runde von Maybrit Illner widmete sich am Donnerstagabend jener Frage in der Corona-Krise, die derzeit viele umtreibt. Ein großes Thema, schließlich bräuchte es prophetische Kräfte, um die Frage zu beantworten. Wurde es dennoch ein guter Talk?

Diskutiert wurde das Thema von den Regierungschefs Manuela Schwesig (SPD) und Bodo Ramelow (Linke), dem Virologen Jonas Schmidt-Chanasit, René Gottschalk vom Gesundheitsamt Frankfurt sowie von der Ärztin Susanne Johna und der Hotelunternehmerin Caroline von Kretschmann.

Maybrit Illner – Das waren die Gäste

  • Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommern
  • Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident Thüringen
  • Susanne Johna, Pandemie-Beauftragte Bundesärztekammer, Vorsitzende Marburger Bund
  • Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Bernhard-Nocht-Institut Universität Hamburg
  • René Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts
  • Caroline von Kretschmann, Geschäftsführerin Hotel Europäischer Hof in Heidelberg

Corona: Das Verhalten ist entscheidend, nicht der Aufenthaltsort

Schnell war in der Debatte klar, was schon mal nicht zur Kontrolle der Pandemie beiträgt: Das Beherbergungsverbot wurde von der Runde zerrissen. „Wir testen Menschen, die keine Symptome haben – sondern Urlaub machen wollen“, fasste Susanne Johna, Vorsitzende des Marbuger Bundes, die Kritik zusammen. Diese Tests fehlten dann anderswo.

Doch waren es nicht gerade Reiserückkehrer, die im Spätsommer die Zahl der Neuinfektionen steigen ließen? Schon, räumte René Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, ein. Entscheidend sei aber nicht, dass die Menschen auf Reisen waren – sondern dass viele vor Ort gefeiert hätten, als gäbe es keine Pandemie. Das Verhalten sei entscheidend, nicht der Ort, sagte auch der Virologe Schmidt-Chanasit.

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Beherbergungsverbot: Wer soll das kontrollieren?

Eine Lanze für gewisse Reisebeschränkungen brach einzig Manuela Schwesig. Ein „Hochtourismus-Land“ wie ihr Mecklenburg-Vorpommern könne nicht ohne Weiteres zusehen, wie Tausende Menschen aus Risikogebiete unkontrolliert einreisten. Ihre Lösung: Künftig sollen die Amtsärzte in „Hochrisikogebieten“ wie etwa Berlin-Neukölln festlegen, ob Inlandsreisen von dort aus möglich sind. Das würde die Verantwortung verschieben, wie genau es das Chaos lösen würde, blieb allerdings unklar.

Interessant war auch, wie einhellig skeptisch die Runde die harte Umsetzung der Regeln sah. „Es ist ein Irrglaube, dass die Politik alles kontrollieren kann“, stellte Schwesig klar. Damit fasste sie den Tenor der Debatte gut zusammen: Entscheidend sei, dass die Menschen von sich aus mitziehen. Amtsarzt Gottschalk warnte allerdings, dass die Bereitschaft nachlasse: Schuld sei eine unzureichende Erklärung der Regeln.

Alkoholverbote und Ausgangssperren

Doch was, wenn die neuen Maßnahmen in zehn Tagen nichts gebracht haben sollten? Bodo Ramelow verteidigte für diesen Fall die Ankündigung der Politik, weitere Regeln zu erlassen. „Wenn wir in einer Stadt dauerhaft exponentielles Wachstum haben, wird es für uns alle lebensgefährlich“, argumentierte der thüringische Ministerpräsident. Ein Lockdown nur für eine solche Stadt sei in seinem Bundesland bereits praktiziert worden.

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Amtsarzt Gottschalk führte als weitere mögliche Maßnahmen ein allgemeine Alkoholverbot sowie echte Ausgangssperren an. Verhältnismäßig sei dies aber nicht. Überhaupt müsse stärker unterschieden werden, wer mit und wer an Covid-19 sterbe, forderte der Amtsarzt. „Das muss überdacht werden, dann zeigen sich ganz andere Zahlen.“

„Maybritt Illner“ – Das Fazit

Diese Ausgabe von „Maybrit Illner“ führte vor Augen, dass die Politik ein stückweit hilflos in die zweite Welle läuft. Das ist sogar verständlich: Nicht chaotische Maßnahmen sind jetzt entscheidend, sondern dass sich der Einzelne an die grundlegenden Hygieneregeln hält und das Leben etwas zurückfährt.

Wie wird es weiter gehen? Seriös sei das nicht zu sagen, erklärte Schmidt-Chanasit. Möglich, dass die aktuelle Entwicklung jenseits von Regeln dazu führe, dass die Menschen vorsichtiger werden. Eins steht für den Virologen in bemerkenswerter Klarheit fest: „Einen zweiten Lockdown kann es einfach nicht geben, in keiner Situation.“

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