Berlin. Online-Apotheken sind günstig. Ein Test zeigt aber: Die Unterschiede sind groß. Eine sticht mit besonders attraktiven Preisen heraus.

Die Mehrheit der Deutschen bestellt Medikamente inzwischen auch im Internet. Laut der Verbraucherzentrale kann das im Vergleich zum Gang in die Apotheke vor Ort Vor- und Nachteile haben: Eine eingehende qualifizierte Beratung, Zusatzservices wie Blutdruckmessung oder Medikationsanalyse und die sofortige Verfügbarkeit von Präparaten sind online nicht zu haben. Doch viele Menschen lockt neben der Lieferung an die Haustür – die Apotheken vor Ort übrigens in bestimmten Fällen auch anbieten – der Preis. 30 Prozent und mehr Ersparnis gegenüber der Apotheke um die Ecke sind möglich.

DocMorris machte vor rund 20 Jahren den Anfang, inzwischen gibt es immer mehr Online-Anbieter. Im Zuge der Corona-Krise dürfte ihre Zahl noch gewachsen sein. Doch wo gibt es die besten Preise? Welche Internetapotheken bieten guten Service? Und lohnt sich immer der Kauf von Medikamenten im Web? Um diese Fragen zu klären, hat IMTEST die fünf umsatzstärksten Internetapotheken Deutschlands unter die Lupe genommen.

Große Unterschiede zwischen den Online-Apotheken

Gerade bei rezeptfreien Medikamenten ist das Sparpotenzial von Internetapotheken enorm. Denn stationäre Apotheken orientieren sich in der Regel an den unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller (UVP) oder den Apothekenverkaufspreisen (AVP), also den Preisen, zu denen sie Arzneimittel mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen können. Online-Apotheken hingegen werben damit, die unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller systematisch zu unterbieten. IMTEST hat untersucht, wie viel günstiger Internetapotheken tatsächlich sind. Dazu stellten die Redakteure einen Warenkorb mit 25 beliebten Medikamenten und anderen Gesundheitsprodukten zusammen und verglichen die Preise mit der unverbindlichen Preisempfehlung.

Wer Medikamente in einer Online-Apotheke bestellt, kann mitunter viel Geld sparen.
Wer Medikamente in einer Online-Apotheke bestellt, kann mitunter viel Geld sparen. © Shutterstock | Alex Qwenergy

Das Ergebnis: Selbst die teuerste Online-Apotheke war im Schnitt 18 Prozent günstiger. Bei einzelnen Produkten sind sogar Rabatte von 50 Prozent und mehr möglich. Zudem bieten einige Internetapotheken Neukunden spezielle Rabatte und Gutscheine an, treue Kundinnen und Kunden profitieren teilweise von Treuepunkten oder Gutschriften. Aber: Die Preise der Shops schwanken stark, und das sogar täglich. Vor allem der Vergleich bei teuren Medikamenten kann sich lohnen.

Das sind die besten Internetapotheken

Eindeutiger Testsieger: „Medikamente per Klick“. Die Preise waren mit Abstand am günstigsten, der Testwarenkorb war im Schnitt um 44 Prozent billiger als die unverbindliche Preisempfehlung. Dahinter folgen DocMorris (32 Prozent), Shop-Apotheke (28 Prozent), Medpex (24 Prozent) und Apodiscounter (18 Prozent). Erstaunlich dabei: Bei allen 25 überprüften Medikamentenpreisen zeigte Medikamente per Klick den günstigsten Preis an. Die Internetseite war allerdings etwas unübersichtlich.

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Lieferung dauert zwischen zwei und sechs Tagen

Die Bestellung von rezeptfreien Arzneimitteln funktioniert wie bei fast allen anderen Online-Shops. Produkte aussuchen, in den Warenkorb legen, Lieferadresse und Zahlungsart angeben, AGB lesen und Bestellung abschicken – fertig. Der Paketbote bringt die Medikamente dann kurze Zeit später nach Hause. Im Test dauerte das zwischen zwei und sechs Werktagen.

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Bei allen Testbestellungen, durchgeführt gegen 11 Uhr vormittags, gingen die Pakete noch am gleichen Tag auf den Weg. Wie lange der Transport dann dauert, hängt von Faktoren wie Wohnort und Zustelldienst ab. Das Paket von Shop-Apotheke war tatsächlich sechs Werktage unterwegs. Dafür bietet Shop-Apotheke mit der sogenannten NOW-Lieferung einen ganz besonderen Service an. Durch die Kooperation mit lokalen Apotheken verspricht Shop-Apotheke die Lieferung der Bestellung am selben oder am nächsten Tag. Einziger Wermutstropfen: Das funktioniert nicht überall, sondern nur in einigen Großstädten.

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Verschreibungspflichtige Medikamente: Kein Rabatt auf Rezept

Etwas komplizierter wird es bei verschreibungspflichtigen Medikamenten. Egal ob Kassen- oder Privatrezept, der Patient muss es vorher per Post an die Internetapotheke schicken. Dazu muss er sich zunächst registrieren, einen Bestellschein ausdrucken und dem Rezept beilegen. Rabatte gibt es in diesem Fall aber nicht. Denn seit Ende 2021 dürfen Versandapotheken gesetzlich Versicherten keine Rabatte mehr auf verschreibungspflichtige Arzneimittel gewähren – selbst, wenn diese im europäischen Ausland sitzen. Das sieht das Gesetz zur Stärkung der Präsenzapotheken vor. Durch die Regelung gilt für gesetzlich Versicherte künftig der gleiche Preis für verschreibungspflichtige Arzneimittel – unabhängig davon, ob sie diese in der Apotheke vor Ort oder über eine EU-Versandapotheke beziehen.

Fazit

Wer Zeit, Wege und Geld sparen will, profitiert von den Preisen der Internetapotheken. Wer dabei besonders wenig ausgeben will, sollte den Testsieger Medikamente per Klick auf dem Zettel haben.

1. Platz

  • Medikamente per Klick
  • Durchschnittliche Preisersparnis: 44 Prozent
  • Zweifellos nicht die schickste Internet-Apotheke, dafür aber mit großem Abstand die günstigste.
  • + Bei allen getesteten Produkten die besten Preise.
  • - Keine Rabatte für Stammkunden oder Erstbesteller.
  • Ergebnis: gut 2,0
  • IMTEST Siegel: Testsieger Ausgabe 02/2023

2. Platz

Shop-Apotheke

  • Durchschnittliche Preisersparnis: 28 Prozent
  • Vor allem durch die schnelle NOW-Lieferung ohne Aufschlag interessant. Gibt es leider nicht überall.
  • + Lokal flotte Lieferung durch Kooperation mit örtlichen Apotheken.
  • - Rücksendeetikett gibt es nur auf telefonische Nachfrage.
  • Ergebnis: gut 2,2

3. Platz

DocMorris

  • Durchschnittliche Preisersparnis: 32 Prozent
  • Aus gutem Grund mit Abstand die größte deutsche Versandapotheke. Aufgeräumte Seite mit guten Preisen.
  • + Kostenlose Videosprechstunde mit Online-Ärzten.
  • - Kein Expressversand bei dringendem Bedarf.
  • Ergebnis: gut 2,4

4. Platz

Medpex

  • Durchschnittliche Preisersparnis: 24 Prozent
  • Online-Apotheke ohne nennenswerte Schwächen – aber auch keinen herausragenden Stärken.
  • + Mit 2,99 € (unter 20 € Bestellwert) die niedrigsten Versandkosten.
  • - Kein Expressversand bei dringendem Bedarf.
  • Ergebnis: befriedigend 2,7

5. Platz

Apodiscounter

  • Durchschnittliche Preisersparnis: 18%
  • Macht seinem Namen keine Ehre. Im Test war der Warenkorb mit ordentlichem Abstand am teuersten.
  • + Viele Lieferoptionen: DHL oder Hermes sowie Express.
  • - Keine telefonische Beratung durch Apotheker.
  • Ergebnis: befriedigend 2,9