Ilmenau: Zeitreise in die Film-Vergangenheit

Ilmenau  Defa-Film im Hörsaal der Ilmenauer Universität gezeigt, der auch das damalige Studium von Frauen an der Technischen Hochschule thematisiert.

Autor Klaus-Dieter Felsmann mit seiner Defa-Broschüre im Helmholtz-Hörsaal.

Foto: André Heß

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Bei seiner Film-Tour machte der Autor der Publikation „Defa-Film gedreht in Thüringen“, Klaus-Dieter Felsmann, am Mittwoch einen Abstecher beim Hochschulfilmclub der Technischen Universität Ilmenau. Ausgerechnet im Helmholtz-Hörsaal, der 1965 Drehort für den Dokumentarfilm „Studentinnen“ war, wurde der von Winfried Junge inszenierte Streifen gezeigt.

Nur fünf Prozent der Studierenden waren damals an der Technischen Hochschule weiblich und wollten bei der laut Film beginnenden „wissenschaftlich-technischen Revolution mit vorangehen“. Sie studierten Elektrotechnik, Maschinenbau, Hochfrequenztechnik, besaßen laut Selbsterkenntnis aber nie die gewisse Frechheit, so selbstbewusst über die Dinge zu reden wie die Jungs an ihrer Seite.

Manche junge Frauen wollten schon deshalb Ingenieur werden, weil ihre Eltern sie in ein Medizin-Studium drücken wollten. Wo doch die Mediziner das nur studierten, weil sie von Physik und Mathematik keine Ahnung hatten. Der Dokumentarfilm von Junge, der bekannt ist von seiner Langzeitstudie über „Die Kinder von Golzow“, zeigt zu Beginn Szenen einer Bergfestfeier auf dem Ilmenauer Marktplatz, der mit 500 künftigen Diplomingenieuren gefüllt war.

Später lässt er die Studentinnen zu Wort kommen mit ihrem Optimismus und Zweifeln, ein technisches Studium begonnen zu haben. Eine Achterbahnfahrt quasi zwischen auf Ex trinken und sich exmatrikulieren zu lassen. Klaus-Dieter Felsmann sagte, dass der Film junge Frauen zum technischen Studium animieren sollte.

Filmgespräch mit Felsmann zum Abschluss

Im Anschluss kam als Hauptfilm mit zwei „Zwei schräge Vögel“ eine im Wendejahr 1989 entstandene Filmsatire der Defa von Erwin Stranka auf die Leinwand, gedreht wurde unter anderem auch in einer Fabrik in Großbreitenbach.

Der Film zeigt einen realen Blick in die sozialistische Wirtschaft am Ende der sozialistischen Wirtschaft. Er demonstriert die Hierarchien in den Betrieben, das Unverständnis über Informatikstudenten, die auf Bewährung in den thüringischen Betrieb „VEB Stirnräder“ versetzt werden und dort mit ihren Programmierkenntnissen heimlich eine computergestützte Maschine zum Leben erwecken.

Der Film lebt von seinen Insiderwitzen, das, wenn auch wenige Publikum damals, soll in den Kinos stehend applaudiert haben. Manche Zitate kamen auch 2019 noch an: „Wer Grips hat, geht in die Verwaltung, wer keinen hat, auch“; „Wir haben jetzt die Änderung der Änderung der Änderung, aber alles ganz planmäßig“; „Wenn wir sie hätten, die Konkurrenz, wir würden sie verabscheuen.“ Abschließend fand ein Filmgespräch mit Felsmann statt. Seine Broschüre, die mit Hilfe der Landeszentrale für politische Bildung herauskam, gab es kostenlos.

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