Lehesten: Zukunft des Altvaterturms fraglich

Lehesten  Das große Fest am Wochenende fällt aus. Willi Rimpl hofft auf eine Zukunft in „öffentlich-rechtlicher Trägerschaft“.

Der 35,8 Meter hohe Altvaterturm in Lehesten.

Der 35,8 Meter hohe Altvaterturm in Lehesten.

Foto: Guido Berg

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

In diesem Jahr wird es kein Altvaterturmfest auf dem Wetzstein bei Lehesten geben. Das seit 2004 jährlich am ersten Augustwochenende am Altvaterturm stattfindende Fest muss abgesagt werden. Dies teilte Willi Rimpl vom Altvaterturmverein in Lehesten mit.

Als Grund nannte Rimpl zunächst die fehlende Gastronomie. Erst in dieser Woche habe der dritte Koch, der seit der Einweihung des Turmes 2004 die Besucher beköstigt, seinen Hut genommen. Doch es gebe weitere personelle und finanzielle Gründe, die grundsätzlicherer Natur sind. „Die Erlebnisgeneration stirbt aus“, erklärte Rimpl, der lange Bürgermeister von Lehesten war. Gemeint ist die Generation der Vertriebenen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 aus ihren Siedlungsgebieten insbesondere im Sudetenland (Tschechien) vertrieben wurden.

Wie wird die künftige Trägerschaft aussehen?

Vor Ort in Lehesten hat der Altvaterturmverein „maximal“ drei aktive Mitglieder, erklärte Rimpl. Er selbst ist 77 Jahre alt. Aus Rimpls Sicht ist es mehr als fraglich, ob es das Altvaterturmfest in seiner bisherigen Größe überhaupt wieder geben wird: „Ich sehe nicht, dass es in den nächsten Jahren wieder werden kann, wie es war.“

Ja mehr noch, für Rimpl stellt sich auch die Frage der zukünftigen Trägerschaft des Altvaterturms, eine mit zahlreichen Wappen und Inschriften versehene Gedenkstätte für die Opfer der Vertreibung. Rimpl: „Die Zukunft ist infrage gestellt.“ Dass ein Verein der Stadt Lehesten den Altvaterturm künftig betreiben kann, dafür sieht Rimpl „keine Chance“. Vielmehr sehe er für die Zukunft eher eine „öffentlich-rechtliche Trägerschaft“ für den Altvaterturm. Das könnten konkret das Land Thüringen oder der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt sein.

Letzterer winkt auf OTZ-Anfrage ab. Kreissprecher Peter Lahann teilte am Donnerstag mit, „eine Übernahme zusätzlicher Aufgaben“ erscheine „derzeit unrealistisch“. Dazu bedürfte es in jedem Falle eines Kreistagsbeschlusses, da es sich um eine freiwillige Leistung handele, die mit zusätzlichen Kosten für den Landkreis verbunden sei. Lahann weiter: Der Wunsch oder die Hoffnung, den Landkreis als Träger von kulturellen Einrichtungen zu gewinnen, werde immer wieder geäußert. Der Landkreis habe aber – historisch bedingt – bereits überdurchschnittlich viele freiwillige Leistungen zu tragen. In den vergangenen Jahren sei es im Zuge der Haushaltsberatungen nur mit Mühe gelungen, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Und: „Die freiwilligen Ausgaben wurden von mehreren Bürgermeistern, die zur Zahlung der Kreisumlage verpflichtet sind, besonders kritisch gesehen.“

Für Willi Rimpl ist die Erinnerung an die Opfer und Leiden der Vertreibung indes „ein politisches Thema“. Gebraucht würde etwa qualifiziertes Personal für die Besucherbetreuung: „Da sind geschichtliche Dinge in Zusammenhang zu sehen.“ Das Ziel sei, zu „Versöhnung und Völkerverständigung“ beizutragen. Die Lehren, die aus der Geschichte der Vertreibung gezogen werden müssten, seien von „Bedeutung für die Nachfolgegenerationen“. Insofern nimmt Rimpl Bezug zur Gedenkstätte Ehemaliges KZ-Außenlager „Laura“ in Trägerschaft des Landkreises: „Soweit liegen wir von den Grundaussagen gar nicht voneinander entfernt.“ Die „Laura“ thematisiere Opfer und Leiden vor dem 8. Mai 1945 und der Altvaterturm die nach Kriegsende. Dem möglichen Vorwurf, die Einzigartigkeit der Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren „kommt hier niemandem in den Sinn“, so Rimpl. Er betont, dass er sich verbietet, dass sein Hilferuf von Rechtsextremen erhört wird: „Wir wünschen auf keinen Fall Unterstützung von rechten Parteien!“

Obwohl das Altvaterturmfest ausfällt, informiert Willi Rimpl, seien Gäste am 5. und 6. August willkommen. In der Zeit von 10 bis 18 Uhr sorge der Karnevalsverein Lehesten e.V. für Thüringer Bratspezialitäten, der Thüringer-Wald-Verein Lehesten e.V biete Kaffee und Kuchen an. Der Turm könne besichtigt werden. Am Sonntag finde ab 10.30 Uhr ein Gottesdienst statt, so Rimpl.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren