Freizeitpark

Disneyland Paris öffnet wieder: Micky Maus hält Abstand

Paris.  Disneyland Paris öffnet Mittwoch wieder. Ein Vorab-Besuch im Freizeitpark, in dem Elsa und Micky Maus sich vor Corona schützen müssen.

Disney World in Florida hat wieder geöffnet - trotz Corona-Krise

Trotz der steigenden Corona-Infektionszahlen in den USA hat der Vergnügungspark Disney World in Florida nach einer mehrmonatigen Pause wieder geöffnet. Es gelten Besucherobergrenzen, Abstandsregeln und eine Maskenpflicht.

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Es ist eine große Wette. Darauf, dass sich die Besucher des Disneyland Paris benehmen werden: Am Mittwoch öffnet Europas erfolgreichster Vergnügungspark wieder seine Tore – mit 15 Millionen Gästen pro Jahr die populärste kostenpflichtige Touristenattraktion des Kontinents. 2020 werden die Zahlen anders sein. Mehr als 30.000 Menschen starben in Frankreich an Corona. Die Fall-Kurve ist nach langer Zeit wieder leicht angestiegen. An Micky und Goofy dachte lang keiner. Doch Disney will es nun wissen.

Der US-Megakonzern muss verantwortungsvoll handeln, es geht um Menschenleben. Gleichzeitig besteht auch das Risiko einer erneuten, teuren Schließung, sollte das neue Konzept scheitern. Die sechs Parks weltweit waren lange geschlossen. Der Park in Kalifornien ist weiterhin dicht, Hongkong wegen einer zweiten Welle ab morgen wieder, Florida – gerade wiedereröffnet – wegen Rekord-Neuinfektionen im Bundesstaat unter genauer Beobachtung.

Die Krise trifft gleich mehrere Kerngeschäfte Disneys: Die lukrativen Kreuzfahrtschiffe (Disney Cruises) stehen still. Erwartbare Blockbuster wurden verschoben. Die Realverfilmung von “Mulan” – Produktionskosten 200 Millionen Dollar – bereits zum zweiten Mal. Angesichts der Lage wird auch der nun geplante Kinostart am 20. August wohl nur einen Bruchteil des ursprünglich Erwarteten einspielen können.

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Disneyland Paris: Jahreskartenbesitzer machen Testlauf

Und Disneyland Paris? Am Montag und Dienstag wurden erst einmal Jahreskartenbesitzer eingelassen, Soft Opening nennt sich das. Ein bisschen Testlauf, bevor Mittwoch jeder mit gültigem Ticket wieder darf. Unterschied zu Vor-Pandemie-Zeiten? Den Besuch muss man online anmelden, so fern man nicht in einem Disney-eigenen Hotel übernachtet. Denn es gibt Kapazitäts-Obergrenzen. Das Unternehmen teilt diese jedoch nicht mit. „Wir geben generell keine Zahlen heraus“, heißt es von Seiten der Pressestelle auf Anfrage.

Die Pariser Tageszeitung „Le Parisien“ berichtet, nach denen 25.000 Menschen pro Tag maximal rein dürfen. Zuvor hatte die größte Pariser Tageszeitung bereits Einblicke in Gewerkschaftsvereinbarungen des Parks erhalten und Details über den Wiedereröffnungsprozess veröffentlicht.

Die 25.000 Menschen verteilen sich jedoch nicht nur auf Disneyland Paris, sondern auch auf den benachbarten Walt Disney Studios Park. Das Unternehmen verspricht dort den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen der eigenen Filmstudios und konzentriert sich mehr auf ein Showangebot als auf Fahrattraktionen. 25.000 Menschen verteilt auf Disneyland und den Walt Disney Studios Park, kann das gut gehen?

Maskenpflicht für alle ab elf Jahren

Ein Besuch am Dienstag zeigt, wie Disney Vergnügungssucht und Kommerz mit einer Pandemie in Einklang bringen will. Desinfektionsmittelspender stehen an allen Ecken, 2000 sollen es laut Disney sein. Es gilt die Maskenpflicht – und zwar immer: egal ob auf der einer amerikanischen Kleinstadt nachempfundenen Main Street, die zum Dornröschenschloss führt, oder in der Schlange zur Star-Wars-Achterbahn Hyperspace Mountain. Sie gilt für alle ab elf Jahren, wobei viele Eltern zum Start auch jüngere Kinder maskierten. Damit alle Abstand halten, sind die Böden der Wartebereiche zugekleistert mit Warnhinweisen.

Für viele Besucher sicher eine Enttäuschung: Die täglichen Paraden durch den Park mit vielen Disney-Charakteren entfallen bis auf Weiteres. Die Shows pausieren. Und die beliebten Treffen mit den Figuren für Erinnerungsfotos sind zu Selfie-Spots umfunktioniert worden. Die oft beworbenen Momente, in denen beseelte Kinder (und Erwachsene) Micky, Buzz Lightyear aus Toy Story und Winnie Pooh herzen, sind vorbei. Dafür wird wirklich – das fällt sofort auf – andauernd überall gewischt und geputzt. Mehr noch als sonst.

Elsa und Donald Duck halten im Disneyland Distanz

Die Darsteller in den Kostümen sind redlich bemüht, trotz Social Distancing gute Laune zu verströmen. Donald Duck albert sich hinter einem Zaun fast um den Verstand, die aktuellen Disney-Superstars Elsa und Anna („Die Eiskönigin“) winken sich auf der Bühne die Arme schwach, während davor in Einzelgruppen Menschen für Fotos posieren. Als Erinnerung bleiben Bilder mit Maske.

Nun darf darüber gestritten werden, ob es in diesem 1992 fertiggestellten Park je um Nähe und Authentizität ging. Die Franzosen protestierten bereits vor der Eröffnungen gegen die Pläne amerikanische Leitkultur derart umfassend ins Land zu lassen. Inzwischen ist der Park vor den Pariser Stadtgrenzen akzeptiert, als trotz häufiger Finanzprobleme bleibendes Übel.

Immerhin ist Disneyland Paris mit rund 14.500 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber mit nur einem Standort im ganzen Land. Übrigens auch ein Grund, wieso neben der Firma auch den Behörden an der Wiedereröffnung gelegen haben dürfte – die nun genau beobachtet wird.

Maskenpflicht in Disneyland: Strenge Kontrollen der Mitarbeiter

Auch deshalb wird Disneyland wohl nicht der nächste Ballermann – hier wird die Pandemie von Beginn an ernst genommen. Keine Ausnahmen, kein Kuscheln mit Daisy Duck, damit Entenhausens First Lady nicht zum Super-Spreader wird. Die Disziplin der Gäste ist dabei, zumindest am Montag, weitestgehend sehr hoch. Ein Bruchteil nur trägt die Maske unter der Nase. Überall observieren Mitarbeiter das Geschehen.

Wer im Teetassenkarussell mal kurz die Maske für ein Foto mit dem Kind liftet, wird per Lautsprecher angezählt. Allerdings sind die Park-Fans auch eine treue Gefolgschaft. Ob das über Monate aufrechterhalten werden kann ist die andere Frage.

Bei Facebook wettern in Fangruppen schon einige: In deutschen Parks dürfe man zumindest draußen ohne Maske sein. Disney geht da auf Nummer sicher.

Und trotz (oder wegen) aller Maßnahmen: Es geht überall im Park zügig voran, zügiger als sonst – wer viel fahren will, ist zum Start richtig. Wie sich das entwickelt, wenn wieder mehr Menschen dürfen? Fraglich. Die meisten Fahrgeschäfte fahren mit einem Viertel oder Drittel der bisherigen Kapazität.

Corona: Nachrichten werden ausgesperrt – Warnhinweise nicht

Wie magisch ist aber nun der selbsterklärte „glücklichste Ort der Welt”, in der eine Weltvergessenheit zum Konzept gehört: Keine Uhren stören in der Glückseligkeitsblase, nirgendwo gibt es Nachrichten, Dauerbeschallung mit fröhlicher Musik und sonstigen Geräuschen zersetzt das Denkvermögen. Wie gut funktioniert die Illusion, wenn die Gäste an jeder Tür, jedem Durchgang, in jedem Eingang sofort auf die Existenz einer globalen Pandemie hingewiesen werden?

Disneyland hilft durchaus auch noch 2020 dabei, sich etwas auszuklinken aus dieser Welt, deren Alltag sich so radikal verändert hat. Während es draußen brennt, winkt Micky zu Beginn und zum Ende des Tages aus sicherer Entfernung. Ein Tanz auf dem Vulkan des Kapitalismus.

Alle Infos zur Buchung und die Übersicht, welche Tage zum Besuch verfügbar sind, auf disneyland.de. Sommertickets für einen der beiden Disneyparks – neben dem Disneyland befindet sich der Walt Disney Studios Park – gibt es für 79 Euro, für beide Parks 99 Euro. Diese sind datiert. Für spätere Termine gibt es undatierte Tickets, die allerdings dann mit einem Besuchstag online verknüpft werden müssen – so gewährleistet Disney, dass die Kapazitätsgrenzen nicht überschritten werden.

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