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Kaufland: Nazi-Literatur im Online-Shop sorgt für Empörung

| Lesedauer: 5 Minuten
Kaufland: Die Erfolgsgeschichte der Supermarktkette

Kaufland: Die Erfolgsgeschichte der Supermarktkette

Die Lebensmittel-Einzelhandelskette Kaufland wurde 1968 gegründet und hat seinen Hauptsitz im baden-württembergischen Neckarsulm. Die Kaufland Stiftung und Co. KG gehört genau wie der Discounter Lidl zur Schwarz Gruppe. Kaufland beschäftigt insgesamt 132.000 Mitarbeiter.

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Neckarsulm.  Rechtsextreme Literatur beim Online-Marktplatz von Kaufland sorgt im Netz für Ärger. In einem Statement äußert sich der Konzern nun.

Neben Edeka, Rewe, Lidl und Aldi gehört Kaufland zu den bekanntesten Unternehmen in Deutschland – und steht immer wieder in den Schlagzeilen. Im April etwa hat Kaufland ein neues Pfandsystem präsentiert – die Kunden reagieren unterschiedlich auf die Neuerung. Ebenso auf das Self-Scanning bei Kaufland, Lidl und Co. – was noch vor ein paar Jahren undenkbar war, ist in einigen Filialen mittlerweile Realität. Aber nicht alle Schlagzeilen über Kaufland kommen bei den Kunden auch gut an – Stichwort Nazi-Literatur.

Kaufland hat mit rechts- und linksextremen Produkten zu kämpfen

Neu ist das Problem nicht: Schon seit einiger Zeit hat Kaufland mit rechts- und auch linksextremen Produkten im unternehmenseigenen Online-Marktplatz zu kämpfen. Für mächtig Ärger sorgt jetzt vielmehr eine Stellungnahme von Kaufland zu der Problematik, die aus Sicht vieler Twitter-User noch zusätzlich Öl ins Feuer gießt.

Die Diskussion darüber ist ins Rollen gekommen, nachdem der Konzern mit Hauptsitz in Neckarsulm mehrere Produkte mit dem Antifa-Logo aus dem Online-Markplatz entfernt hat, weiterhin aber Nazi-Bücher zu finden waren. Konkret geht es um Hitlers "Mein Kampf".

Noch vor einigen Tagen hat man das Nazi-Werk im Online-Shop von Kaufland leicht gefunden, wenn man nach dem Titel gesucht hat. Mittlerweile sind die Bücher-Angebote verschwunden – die Debatte aber bleibt. Wie kann man Produkte mit Antifa-Logo verbannen, rechtsextreme Literatur aber im Online-Shop weiter auffindbar lassen, ist die Frage, die viele User auf Twitter umtreibt. Der Begriff "Antifa" stammt aus dem linken Milieu – er bezeichnet linksextreme Gruppen, die sich dem Widerstand gegen rechtsextreme Akteure und dem Faschismus verschrieben haben.

Unternehmen Kaufland
Gründungsjahr 1984
Gründungsstadt Neckersulm
Gründer Schwarz-Gruppe
Filialen bundesweit rund 3600
Sortiment Lebensmittel, Drogerieartikel, Non-Food-Artikel, Aktionsware

Kaufland-Aussage zu Nazi-Lektüre empört User: "Ihr seid doch keine Bahnhofbuchhandlung"

"Gut zu wissen, dass ihr zwischen Nazis und Antifaschisten keinen Unterschied macht", twittert ein Nutzer, nachdem Kaufland auf Twitter versucht hat, sich in einer Stellungnahme für das Vorgehen – nur die Antifa-Produkte entfernt zu haben – zu entschuldigen.

In der Stellungnahme versucht das Unternehmen aus Neckarsulm zu erklären, dass der Online-Shop nach dem Marktplatz-Prinzip funktioniert – sprich: Auch externe Händler können ihre Produkte über den Shop von Kaufland anbieten. Für Empörung sorgt auch eher der zweite Teil der Stellungnahme, in der Kaufland die Vorgehensweise genauer ausführt.

In der Stellungnahme heißt es: "Nicht alles, was wir vielleicht für falsch halten, ist auch verboten. Wir machen da, wo wir es können, von unserem Recht Gebrauch, solche Produkte umgehend auszulisten. Aber manchmal sieht der Gesetzgeber einfach vor, dass eine Demokratie bestimmte Produkte aushalten muss, weil das Gut der Pressefreiheit höher liegt." Eine Erklärung, die bei vielen Twitter-Usern im Hinblick auf die Nazi-Literatur auf Unverständnis stößt.

"Liebe Rechtsabteilungs-Kollegen von Kaufland, ihr seid doch keine Bahnhofbuchhandlung mit Vollsortimentspflicht. Ihr entscheidet frei, wofür ihr steht und zeigt das mit eurem Sortiment", twittert zum Beispiel ein Nutzer. etwa der deutsche Rechtsanwalt Chan-jo Jun, Gründer der Würzburger Kanzlei JunIT.

Jurist gibt Kaufland klare Empfehlung zu Meinungsfreiheit: "Bitte nicht auf Art. 5 GG rausreden"

"Bitte nicht auf Art. 5 GG rausreden, der euch nicht beschränkt", schreibt Chan-jo Jun zu Artikel 5 im Grundgesetz, in dem die Meinungs- und Pressefreiheit verankert ist. Sein Beitrag zu der Kaufland-Debatte hat mittlerweile über 1.500 Likes – "danke für deine aufrechte Haltung", kommentiert dazu eine Userin.

Passend zu Chan-jo Juns Tweet kritisieren viele Twitter-Nutzer am Kaufland-Statement zudem, dass der Lebensmittel-Konzern Rechtspropaganda offenbar nicht so schlimm findet, wie Produkte aus der linksextremen Szene.

Wortmeldungen wie "Eine Antifa (Antifa=Anti-Faschismus)-Fahne ist gegen Demokratie, ein rechtsextremes Propagandablatt (pro Faschismus) ist Meinungsfreiheit nach dem Grundgesetz. Interessante Interpretation" sind vielfach zu lesen.

"Auch wir verurteilen extreme Standpunkte und wir versuchen zu vermeiden, dass dazugehörige Produkte bei uns verkauft werden", lautet der letzte Teil der Stellungnahme, den Kaufland auf Twitter dazu veröffentlicht hat. Zu den Vorwürfen vieler Nutzer, den Rechtsextremismus zu verharmlosen, hat sich das Unternehmen bisher nicht geäußert.

Erst nach massiver Twitter-Kritik – Kaufland will Sortiment und Entscheidungsprozesse prüfen

Der "Spiegel" berichtet jedoch, dass Kaufland erklärt haben soll, das Sortiment und die Entscheidungsprozesse auf den Prüfstand stellen zu wollen. Eine Entscheidung, die viele Twitter-Nutzer sicher begrüßen. Im Hinblick auf das Statement hat ein Nutzer noch eine direkte Empfehlung an Kaufland.

"Pressefreiheit bedeutet nicht, dass man rechtsextreme Magazine im Angebot haben muss und Anti-Faschismus ist nicht mit Linksextremismus gleichzusetzen." Auch ein Kommentar, welcher von anderen Usern viel Zuspruch bekommt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.