Steuererklärung

Warum sich ein Einspruch beim Steuerbescheid lohnen kann

Berlin.  Zwei Drittel der Einsprüche gegen den Steuerbescheid sind erfolgreich. Es passieren immer wieder Fehler zum Nachteil des Steuerzahlers.

Eine Fehlerquelle beim Steuerbescheid sind zum Beispiel die Daten, die das Finanzamt von Dritten übermittelt bekommt.

Eine Fehlerquelle beim Steuerbescheid sind zum Beispiel die Daten, die das Finanzamt von Dritten übermittelt bekommt.

Foto: Andrea Warnecke / dpa-tmn

In diesen Tagen verschickt das Finanzamt die Steuerbescheide. Während einige wohl erleichtert aufatmen, dürfte er bei anderen eher für Verzweiflung sorgen. Doch zunächst ist Ruhe gefragt. Glaubt man Umfragen, dann verstehen viele Deutsche ihren Steuerbescheid nicht. Fast jeder zweite Bürger wusste nicht, was die Zahlen und Begriffe auf dem Bescheid bedeuten. Experten empfehlen deshalb, den Steuerbescheid nochmal zu lesen und Experten zu kontaktieren.

Denn: Ein erheblicher Teil der Steuerbescheide ist fehlerhaft. Die Post vom Finanzamt sollte unbedingt auf Korrektheit überprüft werden. Aber auch aus anderen Gründen lohnt ein genauer Blick ins Dokument.

Zum einen kann das Finanzamt in dem Bescheid Auflagen festsetzen, etwa über regelmäßige Vorauszahlungen. Zum anderen kann es sein, dass der Steuerbescheid noch nicht rechtskräftig ist - er also entweder in einzelnen Punkten oder sogar komplett offen ist. Auch interessant: Frist verpasst? Warum sich eine späte Steuererklärung lohnen kann.

Steuerbescheid checken - Das sollten Sie tun:

  • Gegen Fehler auf dem Steuerbescheid sollten Sie innerhalb eines Monats Einspruch einlegen
  • Fast zwei Drittel aller Einsprüche sind erfolgreich
  • Bei kleinen Änderung reicht ein „Antrag auf Änderung des Steuerbescheids“ via Mail oder Telefon
  • Bei der „Änderung“ wird nur der Sachverhalt überprüft - bei einem Einspruch der ganze Bescheid, was auch nach hinten losgehen kann
  • Fehler zu eigenen Gunsten sollte man nicht melden - und muss man auch nicht

Steuerbescheid-Einspruch: So funktioniert es

Wer den Steuerbescheid nicht checkt, kann Geld verschenken. Denn rund zwei Drittel aller Einsprüche sind laut Bundesfinanzministerium erfolgreich. „Es passieren leider immer wieder Fehler, die zum Nachteil des Steuerzahlers ausfallen“, sagt Isabel Klocke, Abteilungsleiterin beim Bund der Steuerzahler (BdSt).

Beim Check alles nachzurechnen, ist nicht jedermanns Sache. Laien haben es leichter, wenn sie sich aufs Wesentliche konzentrieren: Das sind die Angaben zu den Einkünften wie dem Bruttoarbeitslohn und die wichtigsten Abzugsbeträge. Warum sich eine späte Steuererklärung lohnen kann.

Expertin Klocke: „Besonders die Abzugsposten, die für den einzelnen Steuerzahler persönlich bedeutsam sind, sollten auf Richtigkeit kontrolliert werden. Für Arbeitnehmer gehören dazu der Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber, die Werbungskosten und Sonderausgaben wie die Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung.

  • Steuerpflichtige, die bestimmte Freibeträge wie den für behinderte Menschen nutzen möchten, können dort einen Kontrollschwerpunkt setzen.
  • Wer Unterhaltszahlungen, Krankheitskosten oder etwa Ausgaben für haushaltsnahe Dienste und Kinderbetreuungskosten anerkannt haben möchte, sollte dort vor allem nachsehen.
  • Relevant für Riester-Sparer: Im Bescheid prüfen, ob alle gezahlten Riester-Beiträge registriert sind.
  • Tipp: Eine Kopie der Steuererklärung neben den Bescheid legen und Punkt für Punkt vergleichen.

Als Fehlerquelle unterschätzt sind die Daten, die das Finanzamt von Dritten elektronisch übermittelt bekommt, etwa vom eigenen Arbeitgeber oder der Krankenkasse. Werden sie dort zunächst manuell erfasst, stimmen sie nicht unbedingt – was ein Schnellcheck erkennen lässt.

„Überall arbeiten Menschen, die Fehler bei Eingabe und Übermittlung machen können“, sagt BdSt-Expertin Klocke. Oder: Das Finanzamt erfasst die Angaben aus einer handschriftlichen Steuererklärung per Computer und macht einen Schnitzer dabei. Diese typischen Fehler kosten bei der Steuererklärung viel Geld.

  • Geld sparen beim Finanzamt: Steuererklärung: Diese Tipps bringen viel Geld

Steuerprogramme bieten Vorteile

Stellt der Steuerzahler einen oder mehrere Fehler fest, ist Eile geboten: Für einen Einspruch, der gebührenfrei ist, aber begründet werden muss, hat er einen Monat Zeit. „Auch eigene Fehler können so noch korrigiert und Aufwendungen nachträglich beantragt werden“, erläutert Geschäftsführer Erich Nöll vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Beispiel: Der Steuerzahler hat vergessen, einen Abzugsposten in der Steuererklärung anzugeben oder den Beleg mitzuliefern.

Einen besonders schnellen Überblick gewinnt, wer seine Steuererklärung mit einem elektronischen Steuerprogramm macht. Weicht der Steuerbescheid vom per Programm errechneten Ergebnis deutlich ab, ist das dem BdSt zufolge ein gutes Indiz dafür, dass ein Fehler im Bescheid vorliegt. „Elektronische Steuerprogramme arbeiten sehr zuverlässig, wenn der Steuerzahler alle Daten sorgfältig eingegeben hat“, sagt Fachfrau Klocke. So sparen Rentner bei der Steuererklärung viel Geld.

Basisdaten checken: Überfordert sind die meisten bei komplizierten Rechnungen, die das Finanzamt etwa bei Sonderausgaben oder außergewöhnlichen Belastungen vornimmt. Abteilungsleiterin Klocke gibt jedoch Entwarnung: Steuerrechtliche Laien müssten das nicht im Einzelnen nachvollziehen. Es reiche aus, die Korrektheit der verwendeten Daten sicherzustellen. „Die darauf basierenden Berechnungen nimmt ja nicht der Finanzbeamte selbst vor, sondern der Computer, sodass hier selten Fehler vorliegen dürften.“

Bei der Steuer hilft nachhaken und fragen

Weicht das Finanzamt von den Einträgen in der Steuererklärung ab, kann der Betroffene am Ende des Bescheids nachlesen, woran das liegt – ob an eigener Nachlässigkeit beim Ausfüllen der Erklärung oder – wie in vielen Fällen – an unterschiedlichen Rechtsauffassungen.

Geht es um Letzteres und um hohe Summen, sollten sich Nichtfachleute fragen, ob sie nicht besser einen Profi – Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein – mit der Sache betrauen. Mitunter reicht aber auch der Griff zum Telefon, um sich Klarheit zu verschaffen.

So widerspricht man dem Steuerbescheid

Ein förmlicher Einspruch ist übrigens nicht immer erforderlich, vor allem nicht bei offensichtlichen Fehlern wie einem Zahlendreher. Dann ist es häufig ausreichend, eine „schlichte Änderung“ des Steuerbescheids zu beantragen. Das muss nicht schriftlich geschehen: „Der Antrag kann auch mündlich gestellt werden“, so der Steuerzahlerbund.

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