Archäologie

USA: Forschende finden 13 Deutsche in einem Massengrab

Philipp Luther
| Lesedauer: 4 Minuten
245 Jahre lang ruhten auf dem Schlachtfeld von Fort Mercer die Gebeine 13 deutscher Soldaten.

245 Jahre lang ruhten auf dem Schlachtfeld von Fort Mercer die Gebeine 13 deutscher Soldaten.

Foto: Matt Rourke/AP/dpa

Berlin  In den USA haben Forscher auf einem Schlachtfeld ein Massengrab mit 13 Deutschen entdeckt. Der Fund bietet einzigartige Möglichkeiten.

Archäologinnen aus den USA staunten nicht schlecht, als sie Anfang August ein Schlachtfeld aus dem Unabhängigkeitskrieg untersuchten. Ihre Ausgrabungen waren fast schon beendet, hatten unter anderem eine Goldmünze des britischen Königs Georg III, zu Tage gefördert, da entdeckte ein Freiwilliger etwas, mit den die Forschenden nicht gerechnet hatten.

"Jemand rief, ich glaube, ich habe einen Knochen hier", sagte Ausgrabungsleiterin Jennifer Janofsky von der Universität Rowan im US-Bundesstaat New Jersey, in einer Pressemitteilung. "Das war erstaunlich, überwältigend und traurig." Forensische Spezialisten der Polizei räumten kurz darauf jeden Zweifel aus: Janofsky und ihr Team hatten den Oberschenkelknochen eines Menschen gefunden.

Massengrab in New Jersey: 13 deutsche Soldaten gefunden

Bei ihren Grabungen entdeckten die Forschenden dann weitere Skelettreste, Schädel und Zähne. "Als wir die Überreste ausgruben wurde uns klar, dass es sich hier nicht um eine einzelne Person handelte", sagte Janofsky. Sie stand mit ihrem Team in einem Massengrab.

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Die Forschenden sind überzeugt davon, dass es sich bei den Funden um die Leichen von 13 deutschen Soldaten, sogenannte "Hessians", handelt. Die britische Krone hatte für ihren Krieg gegen die abtrünnigen amerikanischen Kolonien in ganz Europa Soldaten angeheuert. Die meisten dieser Söldner stammten dem Reichsfürstentum Hessen-Kassel.

Fast 17.000 Mann soll Landgraf Friedrich II. an seinen Neffen, den britischen König George III, vermietet haben. Weitere 2400 stammten vermutlich aus dem benachbarten Hessen-Hanau, das der älteste Sohn Friedrichs II. beherrschte. 7500 von ihnen sahen ihre Heimat nie wieder.

"Wir nehmen an, dass es sich um Hessen handelt, denn unsere Funde und deren Kontext lassen diesen Schluss zu", sagte der ebenfalls an der Ausgrabung beteiligte Archäologe Wade Catts. "Das hier ist in vielerlei Hinsicht eine Tatortuntersuchung."

Schlacht um Fort Mercer: 400 Hessen fanden den Tod

Neben den Knochen und der Münze fanden Janofsky, Watts und ihre Mitarbeitenden etwa Gewehrkugeln und Kartätschenmunition, außerdem Gürtelschnallen und Uniformknöpfe. "Diese Jungs wurden von allen möglichen Dingen getroffen", sagte Watts der "New York Times". "Das muss ein schrecklicher Ort gewesen sein."

400 deutsche Soldaten hatten im Oktober 1777 in der Schlacht um Fort Mercer in New Jersey den Tod gefunden. Unter dem Kommando von Karl Emil von Donop rannten hier 2000 Hessen gegen die Stellungen von 400 gut eingegrabenen Amerikanern an, unterstützt von britischen Kriegsschiffen – vergebens. Nach gerade Mal einer Stunde war der Kampf vorbei.

Lediglich 14 Mann verloren die Rebellen in dem Gemetzel, das auch von Donop sein Leben kostete. Seine Soldaten hatten ihn schwer verwundet auf dem Schlachtfeld zurückgelassen.

Fund bietet einzigartige Möglichkeiten

Archäologe Catts glaubt, dass die gefundenen Toten zum Musketier-Regiment von Mirbach gehörten, das das Zentrum der Verteidigung von Fort Mercer stürmen sollte. Die gefunden Goldmünze – im Wert eines ganzen Monatssolds – könnte dem Kommandanten der Mirbacher gehört haben, vermutet der Archäologe.

DNA-Untersuchungen sollen nun dabei helfen, den Toten ihre Namen zurückzugeben. "Wir haben hier die Möglichkeit, hinterbliebenen Familien Gewissheit zu geben, die nie gewusst haben, dass sie die benötigen."

Für Ausgrabungsleiterin Jennifer Janofsky vermitteln die Knochenfunde vor allem ein Bild von der Brutalität des Unabhängigkeitskrieges. Unter den Toten seien die Reste eines Jungen zwischen 17 und 19 Jahren gewesen. "Nur sehr wenige von uns haben die Gewalt eines Schlachtfeldes erlebt", sagte die der "New York Times". "Aber genau die haben wir hier in den letzten Monaten eigentlich untersucht."

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.