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Warentest: Smartwatches oft mit schlechter Fitness-Funktion

Berlin.  Stiftung Warentest hat Smartwatches geprüft. Viele Modelle halten nicht, was sie versprechen. Nur Apple und Garmin können überzeugen.

Vor allem die Fitnessfunktion der Smartwatches floppt im Test.

Vor allem die Fitnessfunktion der Smartwatches floppt im Test.

Foto: alvarez / iStock

Mit einem Blick auf das Handgelenk erfährt man heute nicht mehr nur, wie spät es ist. Den Kalorienverbrauch tracken, sich durch die Stadt navigieren oder das Wetter nachschauen: Smartwatches bieten ihren Nutzern eine ganze Reihe von Features an, die den Alltag angenehmer machen sollen. Stiftung Warentest hat jetzt 13 Uhren zu Preisen von 69 bis 480 Euro getestet. Das Ergebnis: Viele Modelle halten nicht, was sie versprechen. Allein Apple und Garmin – die mit Abstand teuersten Geräte im Test – bekommen die Note „gut“.

Smartwatches sind eine Mischung aus Smartphone und Fitnessarmband. Über Apps können Funktionen genutzt werden, für die man bislang auf das Smartphone zurückgreifen musste. Zum Beispiel können E-Mails oder SMS-Nachrichten direkt auf dem Touchdisplay der Uhr gelesen werden.

Aber auch Telefonieren und Musikhören ist über das kleine Gerät am Handgelenk möglich. Die hierfür benötigten Daten werden über Bluetooth zwischen dem Smartphone und der Smartwatch hin- und her gesendet. Das funktioniert bei den meisten Uhren weitestgehend zufriedenstellend.

Smartwatches: Ungenaue Messungen bei Fitnessfunktionen

Doch ausgerechnet bei den Fitnessfunktionen, die von den Herstellern stolz beworben werden, patzt ein Großteil der Modelle. Fitnesstracker sollen die Nutzer dazu anregen, im Alltag aktiver zu sein und gesünder zu leben. Sie erinnern daran, sich in geregelten Abständen zu bewegen oder mehr Wasser zu trinken.

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Darüber hinaus sollen Pulsfrequenz, die am Tag gegangenen Schritte und der Kalorienverbrauch beim Gehen, Joggen, Radfahren und Schwimmen ermittelt werden. Das Messen des Pulses funktioniert so: Eine grüne LED am Boden des Uhrengehäuses leuchtet durch die Haut in die Adern. Über die Menge des fließenden Blutes kann das Gerät auf den Herzschlag schließen. Der Puls wiederum hilft dabei, den Kalorienverbrauch zu berechnen.

Abweichungen auch bei der Schrittzählung

Das Fazit von Stiftung Warentest: Die Uhren von Apple und Garmin erfassen als einzige fast alle Fitness-Werte korrekt. Bei den anderen Modellen stellten die Tester Ungenauigkeiten bei der Pulsmessung fest. Auch bei der Schrittzählung, die über einen Bewegungssensor erfolgt, habe es Abweichungen gegeben.

Schlecht schnitten insbesondere die Modelle von Swisstone, Fitbit und MyKronoz ab. Die Uhr von Michael Kors misst Fitnessdaten lediglich beim Laufen richtig, Huawai nur beim Radfahren, Fossil und Em­porio Armani nur beim Gehen.

Fast alle Uhren können zusätzlich in einen Trainingsmodus geschaltet werden, bei dem der Nutzer festlegt, welche Aktivität er gerade ausführt. Diese Funktion soll helfen, genauer zu messen. Viele Modelle bieten jedoch an, automatisch in den jeweiligen Modus zu schalten, was nicht einwandfrei klappt. Außerdem entlädt der Akku bei diesem Feature besonders schnell.

Benutzerkonto: Der Nutzer hat keine Wahl

Die Features „Schritte zählen“ und „Kalorien berechnen“ funktionieren allgemein nur dann annähernd zuverlässig, wenn Daten wie Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht angegeben werden. Da diese Inhalte jedoch direkt mit der Person verknüpft werden, ist der Schutz der Daten nicht mehr gegeben, gibt Warentest zu bedenken.

Wer eine Smartwatch kauft, wird direkt zu Beginn gebeten, ein Benutzerkonto einzurichten und mit dem eigenen Smartphone zu koppeln. Die Hersteller Denver, Emporio Armani, Fossil, Michael Kors, Samsung, Swisstone und Xlyne bieten zwar an, die Smartwatch ohne Konto oder Kopplung mit dem Smartphone zu nutzen. Allerdings kann dann nicht auf alle Funktionen des Geräts zugegriffen werden. Dementsprechend hat der Nutzer keine andere Wahl.

Nutzer müssen viele persönliche Daten angeben

Problematisch an den Nutzerkonten ist laut Warentest vor allem die Fülle der Daten, die abgefragt werden und die für den Gebrauch des Geräts überhaupt nicht notwendig seien. Überflüssige Daten erheben laut den Warentestern die Uhren von Emporio Armani, Fitbit, Fossil, Garmin, Michael Kors, MyKronoz, Withings und Xlyne. Auch die Weitergabe der Daten an Dritte behalten sich laut Stiftung Warentest sechs der 13 getesteten Hersteller vor – nämlich Huawei, Fossil, Denver, Emporio Armani, MyKronoz und Xlyne.

Verlierer des Tests ist das Modell von Xlyne, das die Daten im Vergleich am schlechtesten schützt. Auch im Gesamtranking belegt diese Smartwatch den letzten Platz. Insgesamt weisen die Datenschutzerklärungen von neun Herstellern deutliche Mängel auf. MyKronoz und Denver bieten die wichtigen Texte gar nur auf Englisch an.

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Minuspunkte auch bei Akkulaufzeit und Schadstoffen

Minuspunkte sammelten viele Geräte auch bei der Akkulaufzeit. Bei der Apple Watch war dies – neben der möglichen Weitergabe personenbezogener Daten – eines der wenigen Mankos. Die Laufzeit fällt mit zehn Stunden bei aktiviertem Trainingsmodus und 85 Stunden bei normaler Nutzung eher schlecht aus. Noch schlechter liegen die Modelle von Fossil und Michael Kors mit vier beziehungsweise 105 Stunden. Testsieger bei der Akkulaufzeit sind Garmin und Withings mit jeweils 24 beziehungsweise 330 Stunden.

Auch Schadstoffe fand Stiftung Warentest: Bisphenol A steckte in den Armbändern von Samsung, Swisstone und Xlyne. Da es sich um sehr geringe Mengen der Verbindung handelte, besteht den Prüfern zufolge zwar keine Gefahr für die Gesundheit. Eine Abwertung gab es trotzdem: Der Mensch sollte so geringe Mengen wie möglich aufnehmen, da der Stoff den Hormonhaushalt und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen könne, hieß es.

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