Tiere

Touristen sollen helfen: Der Kampf um Afrikas letzte Löwen

Jonas Erlenkämper
| Lesedauer: 4 Minuten
Sudan: Abgemagerte Zoo-Löwen sorgen für Empörung

Sudan- Abgemagerte Zoo-Löwen sorgen für Empörung

Im Löwengehege in der sudanesischen Hauptstadt Khartum herrschen erschreckende Zustände. Eine Löwin starb vor einigen Tagen offenbar an Unterernährung, eine Kampagne setzt sich jetzt für die überlebenden vier Löwen des Zoos ein.

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Kigali/Arusha.  Löwen sind in zahlreichen Ländern Afrikas vom Aussterben bedroht. Nun zeichnet sich ein Umdenken ab – um Urlauber nicht zu enttäuschen.

Drei Paar Schuhe, blutige Kleidungsfetzen, eine Axt, ein Gewehr mit Schalldämpfer. Mehr blieb nicht übrig von den Eindringlingen. Sie hatten sich nachts in ein Naturreservat in Südafrika geschlichen, um zu wildern – und kamen im dichten Gestrüpp einem Löwenrudel in die Quere.

Die kräftigen Großkatzen fraßen die Jäger mit Haut und Haar, erst Tage später fanden Parkwächter menschliche Knochen und realisierten, wer da auf dem Speiseplan gelandet war.

Begegnen sich Menschen und Löwen, endet das häufig tödlich – meistens für die Herrscher der Savanne. Beutetiere wie Büffel, Zebras und Antilopen werden selten, Farmer stellen zum Schutz ihres Viehs Fallen auf. Auch die unkontrollierte Trophäenjagd hat dazu geführt, dass sich Afrikas Löwenpopulation in den vergangenen 25 Jahren halbiert hat.

Deutscher Löwen-Flüsterer spricht von katastrophaler Situation

Die internationale Tierschutzvereinigung IUCN, die als Nichtregierungsorganisation die Rote Liste bedrohter Arten führt, verzeichnet sie in der Kategorie „gefährdet“. „Die Situation ist katastrophal“, stellt Dominik Bauer von der Umweltstiftung WWF Deutschland fest.

Der 38-jährige Biologe hat in Botswana zehn Jahre lang das Wanderverhalten von Löwen erforscht, gerade weilt er für drei Monate in Tansania. „Die einzige Chance, um die Populationen zu schützen“, berichtet er am Telefon, „besteht darin, Schutzgebiete durch Korridore grenzübergreifend miteinander zu verbinden.“

Wer Löwen beobachten möchte, sollte in eines der großen Reservate fahren, etwa in den Kruger-Nationalpark in Südafrika. Oder in Ruandas Akagera-Nationalpark, einer der ältesten des Kontinents. Löwen waren in dem ostafrikanischen Land, das einst 300 der Raubkatzen beherbergte, vor knapp zehn Jahren ausgestorben.

Dann wurden sieben Tiere aus Südafrika eingefangen, in Spezial-Containern 35 Stunden lang nach Ruanda transportiert und dort freigelassen. Heute zählt das Rudel 43 Tiere, die Zahlen wachsen stetig. Seit der Rückkehr ist Akagera zu einem wichtigen Tourismusziel geworden, erklärt Jean-Paul Karinganire, der Sprecher des 1100 Quadratkilometer großen Gebiets: „Die Löwen haben dem Park neuen Status verliehen.“

Keiner weiß, wie viele Löwen es überhaupt noch gibt

Tierschützer haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: In den nächsten drei Dekaden wollen sie Afrikas Bestand wieder verdoppeln. Doch es gibt ein Problem – niemand weiß genau, wie viele der versteckt lebenden Löwen es überhaupt noch gibt. Der WWF geht von 20.000 Tieren aus. „Aber es ist schwierig und teuer, sie zu zählen“, so Löwen-Flüsterer Bauer. „Elefanten zu zählen, ist dagegen einfach. Man fliegt einfach mit einem Hubschrauber drüber.“

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Die Rüsseltiere sind laut IUCN ebenfalls vom Aussterben bedroht, Schuld sind nicht zuletzt Elfenbeinjäger. Trotzdem leben in Afrika immerhin etwa 400.000 Elefanten. Löwen hingegen sind in vielen Ländern vermutlich völlig verschwunden. Noch in den 1980er-Jahren lockten Forscher Löwen mit Ködern an, bevor sie sie mit einem Schuss betäubten und mit einem heißen Eisen markierten. Das Brandmal zeigte an, dass sie gezählt worden waren. Weil diese Methode die Tiere stresst, ist sie heute allerdings verpönt.

Für Dominik Bauer steht fest: Der Schutz der Löwen lohnt sich. Denn wer fliegt schon nach Afrika, um eine Hyäne zu fotografieren? Löwen hingegen garantieren den Reservaten viele Safari-Touristen – und die schützen mit ihren Eintrittsgeldern auch Nashörner, Giraffen und Flusspferde. Die Gäste sollten ihnen nur nicht zu nahe kommen.