Fahrbericht

Als John Cooper Works GP bietet der Mini maximalen Fahrspaß

Berlin  Sie wiederholen das Versprechen vom Go-Kart-Feeling fast wie ein Mantra - selbst wenn davon bei der letzten Generation wenig übrig geblieben ist. Doch wenn der Mini jetzt als John Cooper Works GP an den Start geht, dann könnte das Konzept erneut aufgehen.

Der Mini John Cooper Works GP bekommt nicht nur ein sportliches Design. Mit einem 2,0 Liter großen Turbo-Benziner, der es auf 225 kW/306 PS bringt, steigert er auch deutlich seine Leistung.

Der Mini John Cooper Works GP bekommt nicht nur ein sportliches Design. Mit einem 2,0 Liter großen Turbo-Benziner, der es auf 225 kW/306 PS bringt, steigert er auch deutlich seine Leistung.

Foto: dpa

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Zu verspielt, übermotorisiert, viel zu teuer und obendrein seinem Namen längst entwachsen - wer einen vernünftigen Kleinwagen sucht, ist im Mini fehl am Platz. Doch geschadet hat es dem Erfolg des kleinen BMW-Ablegers aus dem Vereinigten Königreich nicht.

Im Gegenteil: Der Mini hat sich inzwischen als Trendauto für junge Besserverdiener etabliert. Und weil sie in Oxford wissen, wie bereitwillig die Kunden die Kasse öffnen, wenn sie dafür etwas Besonderes bekommen, legen die Briten jetzt noch einmal nach: Wenn der Dreitürer nun als John Cooper Works GP in den Handel kommt, dann sticht er noch deutlicher aus der Masse der Minis heraus. Schon allein, weil er kraftvoller ist denn je und mit 45.000 Euro in der Preisliste ebenfalls ganz oben steht.

Ein Mini, wie es ihn so noch nie gegeben hat

Dafür gibt es dann aber auch einen Mini, wie es ihn so bislang noch nicht gegeben hat. Denn nicht nur das Design mit den riesigen roten Nüstern in der Front, den aus Karbon gebackenen Kotflügelverbreiterungen im Rasierklingen-Look und dem doppelten Spoiler auf dem Heck ist einzigartig. Sondern auch der Motor macht den Unterschied: Immerhin steckt unter der Haube ein 2,0 Liter großer Turbo-Benziner, der es auf 225 kW/306 PS bringt. Das sind etwa 30 Prozent mehr als beim bisherigen Top-Modell und macht den GP zum stärksten Dreitürer in der Modellgeschichte, der je eine Straßenzulassung bekommen hat. Und selbst wenn es den gleichen Motor auch in den großen Mini-Modellen Club- und Countryman sowie im BMW 1er gibt, bietet er hier noch eine Besonderheit: Zum ersten und einzigen Mal muss er mit Front- statt Allradantrieb auskommen.

Was wimmernde Reifen und mangelnde Traktion befürchten lässt, erweist sich als überraschend gelungene Kombination. Denn mit einem strammen Fahrwerk, einem Sperrdifferential und einer sehr direkten Lenkung sowie mit wuchtigen Walzen auf den kleinen Felgen und haftstarken Profilen haben die Briten eine Abstimmung hinbekommen, bei der die Kraft tatsächlich auf der Straße ankommt und der Mini sauber seine Bahn zieht. Schwungvoll passiert man jede Kurve. Und wenn die Füße über die Pedale fliegen, die Achtgang-Automatik die Gänge wie mit Hammerschlägen wechselt und die Lenkung die Landschaft mit scharfen Schnitten teilt, dann weiß man, wie sich Rauno Aaltonen im Mini bei seinem Sensationssieg auf der Rallye Monte Carlo gefühlt haben muss. Und dann versteht man auch, was uns die Marketing-Abteilung seit Jahren vom Go-Kart-Feeling predigt.

Kompromissloses Innenleben, sportliches Fahrverhalten

Fast ein bisschen so wie damals beim Rallye-Auto hat Mini auch hier den Innenraum kompromisslos auf Sport getrimmt. Die Sitze in der ersten Reihe bieten deshalb deutlich mehr Seitenhalt und die in der zweiten Reihe wurden kurzerhand einer zusätzlichen Karosseriestrebe geopfert. Das bringt mehr Steifigkeit und spart wie der Verzicht auf Navigation und Klimaautomatik Gewicht.

Sportlich geht es auch beim Fahren zu. Die schönsten Fahrmomente im Mini erlebt man sicherlich auf kurvigen Landstraßen durchs Gebirge. Doch im GP-Modell wird selbst die Autobahn zur Wunschstrecke. Denn Mini lässt dem Rennzwerg freien Auslauf. Deshalb beschleunigt er nicht nur in imposanten 5,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h, sondern knackt auch die 250er-Marke. Als erster Dreitürer aus Oxford schafft er bis zu 265 km/h und blinkt so manchen 3er von der Überholspur.

Fazit Das Vergnügen hat einen hohen Preis.

Zwar limitiert das GP-Konzept dramatisch den Alltagsnutzen, bietet aber zugleich auch ein überraschendes Argument für Praktiker. Denn ohne Rückbank wächst das Kofferraumvolumen auf 612 Liter und macht den schnellsten und stärksten Mini aller Zeiten auch zum Transportwunder. Natürlich können all diese Superlative den stolzen Preis nicht rechtfertigen. Immerhin erheben die Briten rund 50 Prozent Aufschlag auf den ohnehin schon teuren John Cooper Works. Und ein Verbrauch von theoretisch 7,3 Litern (CO2-Ausstoß 167 g/km) und praktisch eher doppelt so viel, ist auch nicht eben niedrig. Doch die Kunden stört das offenbar wenig. Obwohl Mini die limitierte Kleinserie gegenüber dem Vorgänger bereits um 50 Prozent auf 3000 Exemplare aufgestockt hat, sind alle bereits verkauft.

Datenblatt: Mini John Cooper Works GP

Motor und Antrieb Vierzylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Hubraum: 1998 ccm
Max. Leistung: 225kW/306 PS bei 5000 - 6250 U/min
Max. Drehmoment: 450Nm bei 1750 - 4500 U/min
Antrieb: Frontantrieb
Getriebe: Achtgang-Automatikgetriebe
Maße und Gewichte
Länge: 3879 mm
Breite: 1762 mm
Höhe: 1420 mm
Radstand: 2495 mm
Leergewicht: 1255 kg
Zuladung: 250 kg
Kofferraumvolumen: 612-816 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 265 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 5,2 s
Durchschnittsverbrauch: 7,3 Liter/100 km
Reichweite: 550 km
CO2-Emission: 167 g/km
Kraftstoff: Super
Schadstoffklasse: Euro 6d temp
Energieeffizienzklasse: k.A.
Kosten:
Basispreis der Modellreihe: 17.700 Euro
Grundpreis des John Cooper Works GP: 45.000 Euro
Typklassen: 16 HP/24 VK/27 TK
Kfz-Steuer: 184 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: Sechs Airbags, LED-Scheinwerfer, Notbrems- und Spurhalteassistent
Komfort: Digitale Instrumente, Zentralverriegelung

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

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