Günstige Freiheit

Gebrauchte Motorräder für Einsteiger

Von Fabian Hoberg, dpa
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Stuttgart (dpa/tmn)  Den Motorrad-Führerschein endlich in der Tasche, geht es auf Zweiradsuche. Gebrauchte Maschinen sind günstig und können viel Spaß machen - wenn Interessenten die richtige Wahl treffen.

Endlich die Freiheit auf zwei Rädern genießen. Viele Führerscheinneulinge suchen oft direkt nach einem eigenen Motorrad. Das muss nicht gleich ein teures neues Bike sein. Bei einer Secondhand-Maschine sind aber gerade für Einsteiger ein paar Dinge zu beachten.

Für Klaus Herder ist das perfekte Motorrad eines, das perfekt passt. «Der Besitzer muss sich darauf auf Anhieb wohlfühlen und es mögen. Er sollte keine Kompromisse eingehen, denn dann wird das Motorrad wenig oder nicht gefahren», sagt der Redakteur der Zeitschrift «Motorrad».

Die Qual der Wahl kann beginnen

Die Wahl der Fahrzeuggattung sei dabei eher zweitrangig. «Generell bieten unverkleidete Naked-Bikes den Vorteil, dass sie leichter sind als verkleidete Maschinen und bei einem Umfaller keine Verkleidung kaputt gehen kann», sagt er.

«Naked Bikes bieten den meisten Piloten ein gutes Fahrgefühl», sagt Günter Schweiger. Aber für den der Vorstand im Bundesinnungsverband Zweirad-Handwerk kommt es bei der Wahl eines Zweirads auch auf den persönlichen Geschmack an.

Aber egal ob Tourer, Sportler, Cruiser, Enduro, Chopper oder Naked Bike: Viele Mittelklassemotorräder mit einem Hubraum zwischen 500 und 750 Kubikzentimeter seien in der Regel leicht zu fahren. Vorteil bei großvolumigen Motoren: Sie müssen weniger hoch gedreht werden, um ihre Leistung zu erreichen und lassen sich entspannter fahren. Zudem bieten die meisten Maschinen eine Drosselung auf 35 kW/48 PS an. Das ist wichtig für A2-Führerscheininhaber.

«Wer nicht selbst reparieren kann, benötigt Hilfe vom Profi», sagt Klaus Herder. Wichtig ist dann eine Werkstatt, die das gebrauchte Bike unter die Fittiche nimmt. Gerade bei älteren Modellen mit Vergasern sei technische Betreuung wichtig. Erst seit Beginn der 2000er Jahre setzen viele Hersteller auf die wartungsarme Einspritztechnik.

Fahrstunden oder ein Training helfen bei der Eingewöhnung

Für mehr Vertrauen beim Bremsen sorgt das Antiblockiersystem ABS bei Motorrädern, auch bei gebrauchten. Viele Hersteller bieten seit rund zehn Jahren Maschinen damit an. «ABS ist eine tolle Sache. Aber es spricht auch nichts gegen Maschinen ohne ABS.

Dann sollten Motorradfahrer aber richtig bremsen lernen», sagt Klaus Herder. Viele bremsen zu zaghaft. Sein Tipp: Nach dem Kauf mit der Maschine bei einer Fahrschule ein, zwei Fahrstunden buchen. Alternativ können Neubesitzer auch ein Fahrsicherheitstraining für Einsteiger machen, um ihre eigene Maschine sicher kennenzulernen.

Ab rund 2000 Euro kann es losgehen

Günter Schweiger rät grundsätzlich zu jüngeren Modellen. «Motorräder mit Euro 4 oder Euro 5 bieten Einspritzsysteme und ABS, das sollten Maschinen für Einsteiger besitzen», sagt er. Das seien meist solche ab Baujahr 2015. Ab rund 5000 Euro gebe es vernünftige Mittelklassemotorräder mit ABS. Geregelte Fahrwerke oder verstellbare Motorcharakteristiken seien zwar hilfreich, aber nicht notwendig.

Auch wenn ABS die Sicherheit bei Motorrädern erhöht, haben ältere Maschinen ein Vorteil: «Die sind deutlich günstiger und fahren je nach Pflegezustand gut und zuverlässig», sagt Klaus Herder. Anders als bei Autos sei Rost in der Regel kein Problem - gute Pflege vorausgesetzt.

Gute Maschinen mit Baujahr 1990 bis 2000 gebe es schon ab 2000 Euro. «Mit einem Motorrad aus den späten 1990er Jahren mit 20.000 oder 30.000 Kilometer Laufleistung können Einsteiger glücklich werden. Wichtig ist wirklich, dass Sie sich darauf wohl fühlen», sagt er.

Die Besichtigung und ein paar Tipps

«Problematisch sind weniger das Alter und die Laufleistung, sondern Standschäden - viele Maschinen werden einfach zu wenig bewegt.» Deshalb rät Herder bei der Besichtigung unter anderem dazu, auf Standschäden zu achten. Dazu zählen auch das Alter der Reifen, verharzte Vergaser und Rost im Tank.

«Das Motorrad sollte unfallfrei sein, wenige Vorbesitzer haben und regelmäßig eine Inspektion erhalten haben, mindestens einmal im Jahr», sagt Günter Schweiger. Eine frische HU-Plakette sei zwar gut, sage aber nichts über den tatsächlichen technischen Stand aus. «Es ist kein Garant dafür, dass die Maschine einwandfrei läuft, da nur die sicherheitsrelevanten Funktionen überprüft werden», sagt er.

«Wenn die Maschine nicht direkt anspringt, ist schon mal Vorsicht geboten», sagt Klaus Herder. «Wenn die Kette durchhängt oder der Ölstand zu niedrig ist, weiß man, dass der Verkäufer nicht besonders auf seine Maschine geachtet hat und es einen Wartungsstau gibt.» Zudem sollten unter anderem auch das Lenkkopflager, der Rahmen, die Gabel, Bremsbeläge, Ketten und Ritzel auf Abnutzung, Rost und sonstige Schäden kontrolliert werden.

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