Polizeieinsatz

Bremerhaven: Ein Mensch nach Schüssen an Schule verletzt

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Eine Polizistin schirmt mit Hilfe von Planen Schülerinnen und Schüler ab, die aus der Schule geführt werden.

Eine Polizistin schirmt mit Hilfe von Planen Schülerinnen und Schüler ab, die aus der Schule geführt werden.

Foto: dpa

Berlin/Bremerhaven.  In Bremerhaven hat ein Täter mit einer unbekannten Waffe einen Menschen schwer verletzt. Die Polizei nahm ihn fest. Was bekannt ist.

  • Amokalarm an einer Schule in Bremerhaven: An dem Gymnasium sind Schüsse gefallen
  • Der mutmaßliche Täter wurde von der Polizei gefasst
  • Ein Video zeigt wohl die Festnahme

Das Gymnasium war leerer als sonst. Etwa 200 Oberstufenschüler hielten sich im Gebäude auf, sie mussten Abi-Nachprüfungen ablegen. Als plötzlich Schüsse fallen, spielen Zensuren keine Rolle mehr. Den Mädchen und Jungen sowie ihren Lehrern wird an diesem Donnerstagmorgen klar: Es geht um Leben und Tod.

Gegen 9.15 Uhr drang ein Mann mit mindestens einer Schusswaffe ins Bremerhavener Lloyd-Gymnasium ein und verletzte eine Mitarbeiterin der Schule schwer. Dem regionalen Nachrichtenportal „Nord24“ zufolge hatte eine Schülerin, die gerade auf der Toilette war, die Schüsse gehört und die Polizei gerufen. Das Gymnasium rief den Notfall aus: Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte schlossen sich in den Klassenzimmern ein, wo sie ausharrten, bis die Polizei Stunden später Entwarnung gab.

Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen. In sozialen Netzwerken kursiert ein Video, das die Festnahme zeigen soll. Zu sehen ist ein junger Mann, der sich neben einer Ampel auf den Bürgersteig setzt – neben ihm liegt ein Gegenstand, der eine Armbrust sein könnte. Dann halten mehrere Polizeifahrzeuge, Beamte stürmen heraus und nehmen den Mann anscheinend widerstandslos fest. Der Polizei liegt das Video vor, dessen Echtheit ließ sich jedoch nicht überprüfen. Der Schütze sei ein 21-Jähriger, möglicherweise mit einer „psychologischen Disposition“, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Skurriles Video zeigt Festnahme in Bremerhaven
Skurriles Video zeigt Festnahme in Bremerhaven

Bremerhaven: Schüler und Lehrer schlossen sich in Klassenzimmern ein

Gegen 13.30 Uhr war der Schrecken für Schüler und Lehrer im Gebäude endlich vorbei. Nach rund vier Stunden des Ausharrens konnten sie die Schule verlassen. Einige lachten, andere hatten verweinte Augen. „Ich habe bis eben panische Angst gehabt“, berichtete ein 16-Jähriger, der die zehnte Klasse besucht. Er habe gerade Kunst gehabt, als über die Lautsprecher der Code-Satz für einen Amoklauf mehrfach durchgesagt wurde. „Das war ein Schock für mich“, sagte der Schüler. Seine Lehrerin habe die Tür abgeschlossen.

Erst habe sie angefangen zu weinen, dann einige seiner Mitschüler. Alle hätten sich auf den Boden gelegt. „Ich saß zwei Stunden unter dem Tisch.“ Seelsorger und Schulpsychologen nahmen die Jugendlichen und ihre Lehrkräfte in Empfang.

Verletzte wurde in Krankenhaus gebracht

Die schwer verletzte Mitarbeiterin des Gymnasiums wurde ins Krankenhaus gebracht. Sie sei noch nicht vernehmbar. Ob Lebensgefahr bestand, war zunächst unklar.

Einsatzkräfte durchsuchten das Gebäude, um sicherzustellen, dass keine weitere Gefahr bestand. „Die Polizei hat die Lage vor Ort unter Kontrolle“, hieß es in einer Mitteilung am Vormittag. Für Eltern der Schülerinnen und Schüler richtete der Magistrat der Stadt Bremerhaven ein Informationstelefon ein.

Amokeinsatz auch in Leipzig: Student festgenommen

Wieder ist also eine Schule ins Visier eines Attentäters geraten. In Sachsen gab es ebenfalls am Donnerstag einen weiteren Amokverdacht: Ein Spezialeinsatzkommando nahm in Leipzig einen 21 Jahre alten Studenten in dessen Wohnung fest. Der junge Mann habe über das soziale Netzwerk Snapchat eine mögliche Gewalttat in einer Schule angekündigt, sagte ein Sprecher der Leipziger Polizei.

Der Student hatte offenbar ein verdächtiges Video veröffentlicht. „Auf Grundlage des Videos hatten wir eine ernste Gefahrenprognose und mussten handeln“, so der Sprecher. Erst vergangene Woche hatte die Polizei in Essen eine Attacke an einer Schule verhindert: Ein 16-jähriger Gymnasiast soll einen rechtsextrem motivierten Anschlag geplant haben.

Wie kommt es zu dieser auffälligen Häufung? Experten beobachten seit Jahren einen Nachahmungseffekt unter Amokläufern. Die Universität Würzburg hat das Phänomen zusammen mit einer US-Uni untersucht. Mit dem Ergebnis, dass „in der Regel nach einem Zeitraum von zehn Tagen nach einem Amoklauf ein weiterer stattfindet“, wie Professor Armin Schmidtke vom Lehrstuhl für Psychologie berichtet. Sobald Medien über eine solche Tat berichteten, begännen Jugendliche darüber nachzudenken, dass auch sie sich für empfundenes Unrecht rächen könnten.

„Das ist das schlimmstmögliche Ereignis, das passieren kann“, sagte Bremerhavens Schuldezernent Michael Frost. „So etwas ist überall möglich, das bestätigt sich heute.“ Die Schule sei immerhin sehr gut auf einen solchen Fall vorbereitet gewesen. „Wenn es heute eine gute Nachricht gibt, dann ist es diese.“

(joe/fmg/dpa/AFP)